Die Biosphäre im Winter

Kostenlos – zumMitnehmen! Klöster im Bliesgau Sternenweg Chemin des étoiles Weitere Zertifizierung für 10 Jahre 6. Jahrgang | Ausgabe 4 Dezember 2021 – Februar 2022

2 Die Rundschau für das Biosphärenreservat Bliesgau Dezember 2021 – Februar 2022 Das Biosphärenreservat Bliesgau Weitere Zertifizierung für 10 Jahre! Interviewmit Minister Jost zur erneuten Evaluierung des Biosphärenreservates Bliesgau HerrMinister, die Biosphäre Bliesgau ist nach zehn Jahren jetzt rezertifiziert worden. Sie darf sich jetzt erneut zu den 16Biosphärenreservaten in Deutschland zählen. Wie aufwändigwar diese Rezertifizierung? Der Evaluierungsprozess begann bereits Ende des Jahres 2018 und sollte Anfang 2020 abgeschlossen sein. Bedingt durch die Corona-Pandemie verzögerte sich die UNESCO-Entscheidung bis in den September dieses Jahres. Der Evaluierungsprozess war für die betroffenenAkteurekeinPappenstiel. Die Hürden seitens des MAB-Nationalkomitees (MAB = Mensch und Biosphäre) und der UNESCO sind hoch. So gab es seitens der Personen aus dem Nationalkomitee, die das Gebiet und dieMaßnahmen vor Ort begutachtethaben, vieleFragen – auch kritische. Es wurde ein rund 100 Seiten starker Evaluierungsbericht erstellt, derdieLeistungender letzten 10 Jahre darstellte. In einer umfangreichen Stellungnahme hat das MAB-Nationalkomitee dann erneut viele Fragen gestellt, die von uns zu beantworten waren. Ja, es war sehr aufwändig, aber es hat sich gelohnt. Wir alle sind stolz auf das Ergebnis und die Bestätigung der UNESCO für die tolle Arbeit aller Akteure und die Entwicklung, die die Biosphäre Bliesgau genommen hat. Was hat die UNESCO amBliesgau denn besonders gelobt? Die UNESCO lobte insbesondere die Initiativen und Projekte für eine nachhaltige Entwicklung der Region. Zum Beispiel, wie die Erhaltung der Biodiversität mit einer bewirtschafteten Kulturlandschaft in Einklang gebracht wurde, was gleichzeitig zu einer positiven wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung der Biosphäre führte. Die UNESCO würdigte auch die gute Zusammenarbeit zwischen den sieben Kommunen, demSaarpfalz-Kreis und dem Land in einem Zweckverband unter Leitung von Landrat Dr. Theophil Gallo als Verbandsvorsteher. Das Programm Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in der Biosphäre, das eine Reihe von Bildungsanbietern in der Region einbezieht und das als Vorbild für das ganze Land dient, fand große Zustimmung bei der Evaluierung. Gleiches gilt für die Projekte in den Bereichen Tourismus, Regionalvermarktung und insbesondere Klimaschutz. Auch die Fortschritte bei der Zonierung wurden von der UNESCO positiv bewertet, da die Kern- und die Pflegezonen im Biosphärenreservat an Größe zugenommen haben. Sie stellte eine zunehmende Wahrnehmung des Biosphärenreservats Bliesgau in der Öffentlichkeit fest, was durch gezielte Kommunikationsprojekte unterstützt wurde. Auch das immer noch wachsende Partnernetzwerk sowie die Einbeziehung bestehender Institutionen und Interessengruppen in der Region fanden Anerkennung. „Alle Kriterien erfüllt“war das Votum der UNESCO imRahmen ihrer Entscheidung. Was bedeutet das jetzt für die Region, für die Akteure und die Menschen, die dort leben? Die erfolgreiche Evaluierung für die ersten 10 Jahre UNESCO-Biosphärenreservat Bliesgau gibt den Akteuren Rückenwind. Sie können mit neuem Schwung selbstbewusst neue Projekte angehen. Das ausgestellte Zeugnis ist ein Lob für die Qualität der Arbeit aller Handelnden im Biosphärenzweckverband Bliesgau und der beteiligten Behörden, Institutionen und Gruppierungen. Diese Arbeit haben alle sehr gerne gemacht, weil sie letztlich den Menschen, die in der Biosphäre Bliesgau leben, zugutekommt. Der Erfolgder Biosphäre steht und fällt mit demEinsatz der Menschen vor Ort – alle müssen an einem Strang ziehen und tun dies auch. Die Biosphärenreservate haben drei Hauptaufgaben: Schutz, Bildung sowie Forschung und Entwicklung. Können Sie uns diese drei Punkte kurz erläutern? Das Biosphärenreservat Bliesgau hat eine Zonierung: 3 Prozent der Fläche sind Kernzone, in der Natur Natur sein soll, knapp 20 Prozent Pflegezone, in der besonders naturverträglich bewirtschaftet werden soll und die als Pufferzone schädliche Einflüsse auf die Kernzonen verhindern soll. Den größten Anteil jedoch hat die Entwicklungszone, die den Lebens-, Wirtschafts- und Erholungsraum der Biosphäre umfasst. Dort spielt die Musik in einer Modellregion für eine nachhaltige Entwicklung, in der es um Umsetzung umwelt-, natur- und sozialverträglicher Nutzungs- und Wirtschaftsformen geht. Das Biosphärenreservat Bliesgau hat vielfach unter Beweis gestellt, dass das möglich ist. Dies fand auch Anerkennung. Besonders gut schnitt das Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung, kurz (BNE, imBiosphärenreservat Bliesgau ab. Das BNE-Programmbezieht eine Reihe von Bildungsanbietern in der Region ein und dient als Blaupause auch für landesweite Projekte. Ein wichtiger Faktor ist die BNE-Gestaltungskompetenz bei Multiplikatoren. Beispielhaft nennen möchte ich den Zertifizierungskurs für BNE-Begleiterinnen und Begleiter in Kindertagesstätten, der bereitsmehrmals imBliesgaudurchgeführt wurde und in diesem Jahr zum ersten Mal auch landesweit angebotenwird. Der Bliesgau darf sich die nächsten zehn Jahre wieder UNESCO-Biosphärenreservat nennen. Die Hürden waren hoch, aber alle zusammen haben es gemeinsamgeschafft. Wir sprachenmit demFachminister Reinhold Jost über die Evaluierung, über die Zukunft des Bliesgaus und über seine diesbezüglich eigenen Vorstellungen und Empfindungen. Der Bliesgau darf sich für weitere zehn Jahre „UNESCO-Biosphärenreservat“ nennen. Foto: Christian Stein

3 Die Rundschau für das Biosphärenreservat Bliesgau Dezember 2021 – Februar 2022 Aber nichts ist so gut, dass es nicht besser werden kann. So gibt es Nachholbedarf beim Thema Forschung und Entwicklung. Hier haben wir im letzten Jahr zunächst die Personalsituation beim Biosphärenzweckverband verbessert, sodassdiesesThemaabsofort stärker beackertwerdenkann. Erste erfreuliche Initiativen, z.B. eine Kooperationsvereinbarungmit der HTW des Saarlandes, zeigen, dass es vorangeht. Eine Reihe kleinerer Projekte ist bereits inArbeit. Gibt es seitens der Politik und der Akteure schon Pläne für die Zukunft?Wie geht esweiter, welche Themen sindwichtig? Ganz oben auf der Agenda steht die Weiterentwicklung einer ökologisch ausgerichteten Landwirtschaft. Mein Ziel ist, bis 2025 im Saarland einen Ökoflächenanteil von 25 Prozent – bezogen auf die landwirtschaftliche Fläche – zu erreichen. Für die neue EU-Förderperiode 2021-2027 hat mein Haus insgesamt rund 25,8 Millionen Euro für den Ökolandbau eingeplant. Das ist gut doppelt so viel wie in der Vorgängerperiode. Dies dürfte sich auch auf den Anteil an Ökolandbaufläche in der Biosphäre auswirken. Zurzeit wird rund 19 % der landwirtschaftlichen Fläche im Saarland ökologisch bewirtschaftet. Damit sind wir bundesweit Spitzenreiter! Im Biosphärenreservat Bliesgau werden derzeit ca. 2.790 Hektar ökologisch bewirtschaftet. Der Ökoanteil liegt hier jetzt bei rund 19,7%. Ein Leuchtturm soll das Biosphärenhaus in Blieskastel als Anlaufstelle für die Bevölkerung und die Besucherinnen und Besucher der Region werden. Erste Gutachten liegen vor; viele Fragenwie Standort und Finanzierung sind noch zu klären. Als Land werden wir hier versuchen, die Verantwortlichen vor Ort bei diesem Vorhaben bestmöglich zu unterstützen. Ein drittes Thema, das zurzeit angegangen wird, ist die internationale Zusammenarbeit. Aktuelle Überlegungen beim Zweckverband, mit polnischen Biosphärenreservaten zu kooperieren, unterstützen wir ausdrücklich. Eine Kooperationsvereinbarung wurdebereitsunterschriftsreif abgestimmt. Wie soll die Biosphäre Bliesgau 2031 aussehen? Schwierig, vielleicht sollte das eher die Region beantworten als der „Minister aus Saarbrücken“. Aber hier lohnt sich ein Blick ins Rahmenprogramm, das sich die Biosphäre selbst gegeben hat und das mit der engagierten Unterstützung der Bewohnerinnen und Bewohner der Biosphäre erstellt worden ist. Gibt es einThema, das Ihnen ganz besonders amHerzen liegt? Viele Projekte und Themen in der Biosphäre liegen mir am Herzen. Wenn ichdennocheinThemanennen soll, ist es das Thema Heimat. Für mich ist Heimat nicht altbacken, sondern zukunftsfähig. Heimat ist „Geheischnis“, ist Ausdruckeiner ganzbesonderenemotionalenBindungderMenschenan ihre lokale und regionale Lebenswelt. Dies gilt grundsätzlich für Jung und für Alt, für Dorfbewohner ebenso wie für Städter. Aber dennoch gibt es räumliche Unterschiede: Heimatverbundenheit ist nachweislich im ländlichen Raum amstärksten verankert. Das Biosphärenreservat Bliesgau ist sehr ländlich geprägt und demzufolge entsprechend eng in die Förderkulisse zur ländlichen Entwicklung meines Ministeriums eingebunden. So ist beispielsweise die LEADER-Gruppe Bliesgau äußerst aktiv, schmiedet wichtige regionale Netzwerke und Partnerschaften und bringt wichtige Regionalprojekte auf den Weg. Auf diesem Weg konnten im Saarpfalz-Kreis bisher über 90 Projekte zur ländlichen Entwicklung (u.a. LEADER-Projekte und Dorfentwicklungsprojekte) mit einer Gesamtzuwendung von fast 4,8 Millionen Euro gefördert werden. Bei entsprechender inhaltlicher Qualität, der gerade ebenfalls mit unserer ELER-Förderung startenden Erarbeitung der neuen Lokalen Entwicklungsstrategie der LAG Bliesgau kann, dann aller Voraussicht nach auch die Regionalentwicklung mit LEADER im Bliesgau nach 2023 nahtlos fortgesetzt werden. Undwas bedeutet dieseweitere Anerkennung für Sie ganz persönlich? Die erfolgreiche Evaluierung ist sicherlich einer der Höhepunkte in meiner bisherigen Zeit als Umweltminister. Ich bin stolz auf die Arbeit der Akteure vor Ort und alle, die dieses Projekt mit begleiten und fördern. Vor allem aber freue ich mich für die Menschen in der Biosphäre, die erkannt haben bzw. zunehmend erkennen, inwelchem SchatzkästchenderNatur sie leben und welche Chancen die Anerkennung als UNESCO-Biosphärenreservat für die nachhaltige Entwicklungder ganzenRegionbietet. Ich persönlich freue mich immer, wenn ich in die Region fahren darf, umMenschen und Projekte zu besuchen oder nur um spazieren zu gehen und die Landschaft zu genießen. Und ich binmir sicher: Der Bliesgau hat eine tolle Zukunft vor sich! VielenDank für das Gespräch! Wie sich der Wald langfristig entwickeln wird, weiß keiner. Alles ist möglich. Foto: Barbara Hartmann Der Biosphären-Wald Der Wald imWandel der Zeit 200 Jahre benötigt ein Wald, bis er sich, ohne äußeren Einfluss, einmal komplett erneuert hat. Eine lange Zeit für denMenschen, aber nur äußerst kurz imErdzeitalter. Wie entwickelte sich der Wald in den letzten Jahrhunderten und wie sieht die Zukunft aus? In der Keltenzeit, das heißt etwa 500 vor Christus war unsere Region komplett mit Wald bedeckt. Anders im 18. Jahrhundert, dem sogenannten hölzernen Zeitalter. Mit der wachsenden Industrialisierung entwickelte sich auch die Holznutzung rasant. „Während wir heute einen Pro Kopf-Anteil in Deutschland von 1300qm haben, waren der Bedarf und die Abholzung damals zehnmal höher als heute. Das Holz wurde für die Bevölkerung, Salinen, Eisenhütten, Kalkbrennereien und Ziegeleien als Brennholz genutzt, als Bauholz für Schiffe, Gebäude und Gruben, für die Glasherstellung, Ledergerbung, den Weinbau und Brauereien“, erklärt der Forstwirt Bodo Marshall während eines Vortrages. ImKampf gegen den Klimawandel Die gute Nachricht: Seit 50 Jahren steigt die Holzmasse wieder kontinuierlich an: „Wir zählen 10qm pro Jahr und Hektar mehr. Geerntet werden etwa 5-6 qm“, so der Saarforst-Mitarbeiter Michael Pfaff. Das ist das Ergebnis des sogenannten nachhaltigen Wirtschaftens, das das Saarland seit 35 Jahren konsequent anwendet. Trotzdem machen sich alle große Sorgen um IHRENWald. DieTrockenheit der letzten Jahre hat verheerende Schäden hinterlassen. Wie ist die derzeitige Situation im Saarland? „In einem Wald geschieht alles langfristig. Was wir heute tun, hat Auswirkungen auf die nächsten 200 Jahre und das ist unser Problem“, so der Revierförster des Biosphärenreviers Pfaff. Keiner wisse, wie schnell der Klimawandel komme und wie intensiv er ausfalle. Zurzeit werden Zukunftsbäume bzw. Klimabaumarten gefördert. Traubeneiche, Kirsche, Eisbeere, Feldahorn, Hainbuche, Winterlinde, Walnuss. Alles Arten, die das warme Klima 50-100 Jahre gut überstehen können. Die jetzt vorhandenen Nadel- und Laubbäume würden noch etwa 10-15 Jahre mehr oder weniger gut überleben, bestätigt der erfahrene Forstwirt. Gesunde Fichten werden zurzeit keine geschlagen. Sorgen macht er sich um das große Eschensterben im Bliesgau: Die Eschen halten nicht mehr lange durch. Wir versuchen diese jetzt zu ernten und sie, so lange es noch geht, gut zu verwerten. Die Preise sind schon jetzt im Sinkflug“. Gleichzeitig werden an diesen Stellen Klimabaumarten gepflanzt, für den Beobachter an den mit Zäunen umrandetenFlächen imWald zu erkennen, die vor Schäden durchWild schützen. Fakt ist auch: Je mehr jüngere Bäume im Wald stehen, desto mehr werden sich die durchsetzen, die das Klima vertragen. Ungewisse Zukunft Wie geht es langfristig weiter in der Region? „Ändern sich die Temperaturen durch den Klimawandel um 1,5 Grad, bekommen wir das hin. Die Grenze liegt bei 2 Grad. Die Trockenheit fördert Erkrankungen der Bäume und gefährdet denErhalt der Wälder. Sollten die Temperaturen um 4 Grad steigen und unser Klima dem von Tunesien ähneln, ist vollkommen unklar, welche Pflanzen und Tiere bei uns noch leben werden“, so Pfaff. Herbst 2021: 800 KiloWalnüsse für den Erhalt desWaldes Im Herbst letzten Jahres wiederholten die Forstwirtemit der Bevölkerung ein Projekt, das schon vor 50 Jahren erfolgreich war. Damals wurden auf dem Karlsberg in Homburg die Früchte von Edelkastanien in die Erde gesteckt. Heute pflanzen sie sich in ausreichender Menge jährlichweiter aus. Ähnlich plant man es jetztmitWalnüssen. 800Kilo wurden 2021 ausgepflanzt, in der Hoffnung, langfristig einen höheren Anteil an Walnussbäumen zu erhalten. „Ein Anfang“, meint der Förster. „Mal schauen, wie sich das entwickelt“.

4 Die Rundschau für das Biosphärenreservat Bliesgau Dezember 2021 – Februar 2022 Saarpfalz-Touristik „barock. ENRoute“ Ein Reisebegleiter zu Geschichte(n), Kunst und Kultur an der BarockStraße SaarPfalz Der Reiseführer „barock.EN ROUTE“ ist ein echter Hingucker, der die reichen barocken Schätze entlang der 120 Kilometer langen Route authentisch und inspirierend präsentiert. Er lädt zur Spurensuche entlang der BarockStraße SaarPfalz ein. Die von Klaus Friedrich initiierte und von der Saarpfalz-Touristik unter Wolfgang Henn betreute kulturtouristische Route verbindet Saarbrücken, Ottweiler, Zweibrücken und Blieskastel - die früheren Residenzen der Fürsten von Nassau-Saarbrücken, der Herzöge von Pfalz-Zweibrücken und der Grafen von der Leyen – dreier kleiner, eng verbundener barocker Herrscherhäuser nahe dem großen Frankreich. Mit einladenden Texten, kenntnisreichen InfoBoxen und aktuellen Plänen führt der Reisebegleiter zu Geschichte(n), Kunst und Kultur vor Ort. Ergänzende Abschnitte inspirieren zu Erkundungen in der Nachbarschaft. Die authentischen Fotos von Jürgen Proföhr, Peter Michael Lupp und anderen Fotografen sowie eine Vielzahl historischer Ansichten und Karten aus Museen und Archiven animieren den Leser, auf Tour zu gehen. Mit den sorgfältig ausgearbeiteten Stadtpromenaden und Landpartien sowie mit den kleinen Kapiteln „Extra-vagant“ und „Spurensuche“ hält der Reiseführer auch jede Menge Tipps für Ausflüge in Corona-Zeiten bereit. Klappbroschur | 204 S. | 248 Abb. inkl. aktueller Pläne sowie historischer Ansichten und Karten | Verkaufspreis: 7,90 € | ISBN 9783-00-066627-8 UNESCO- Biosphärenreservat Bliesgau von Peter Lupp und Elke Birkelbach Die UNESCO hat im Jahre 2009 das Biosphärenreservat Bliesgau als 15. Modellregion in Deutschland anerkannt und mit einem Auftrag verknüpft: Auf Basis der speziellen Ressourcen dieser Kulturlandschaft soll erforscht und experimentiert werden, wie hier Menschen besser im Einklang mit der Natur leben und wirtschaften können. Mit den gewonnenen Erkenntnissen können nachhaltigere Lebens- und Wirtschaftsformen entwickelt und beispielgebend verbreitet werden. Doch wie lässt sich eine solche Vision in einer konsum- und effizienzorientierten Gesellschaft glaubwürdig Gute Ideen für eine gute Zeit! Neues touristisches Faltblatt über die Biosphäre Bliesgau mit Übersichtskarte erschienen Ob Urlaub oder Wochenendausflug - mit kompakten Darstellungen zu den Erlebnismöglichkeiten im UNESCO-Biosphärenreservat Bliesgau dient ein neues Faltblatt der Orientierung für Besuche in der Region. Es umfasst zwölf Seiten voller spannender Informationen. Ein „Potpourri“ aus den bekanntesten Orten und Sehenswürdigkeiten sowie wichtigen Informationen zu dem öffentlichen Nahverkehr, zu den Partnerbetrieben und regionalen Produkten der Biosphäre Bliesgau, zu den Tourist Informationen in der Region sowie zu den Merkmalen und Besonderheiten der Biosphäre Bliesgau wurde zusammengestellt. Ein kleiner Steckbrief beantwortet schnell die wichtigsten Fragen zum Thema Biosphärenreservat Bliesgau. Was sind zum Beispiel die höchsten Berge oder welche Städte undGemeinden liegen in der Biosphäre Bliesgau? Erlebnisregion Biosphäre Bliesgau Neue viersprachige Freizeit- und Urlaubsbroschüre Lust machen auf einen Besuch oder Urlaub im Biosphärenreservat Bliesgau will die neue viersprachige Broschüre der Saarpfalz-Touristik und des Biosphärenzweckverbandes Bliesgau. Sie informiert auf 24 Seiten mit umfangreicher Bebilderung und kurzen Informationen über die Erlebnismöglichkeiten und touristischen Highlights im UNESCO-Biosphärenreservat Bliesgau. Auf den ersten Seiten erfahren die Gäste, wo die Region liegt und welche Aufgaben die Modellregion Biosphärenreservat Bliesgau hat. Anschließend werden die Themen Wandern und Radfahren vorgestellt, bevor in kompakter Form die zahlreichen kulturellen und touristischen Highlights der Region in Bild und Text präsentiert werden. „Mit den zusätzlichen Sprachen französisch, englisch und polnisch erreichen wir ein internationales Publikum und können somit die Einzigartigkeit des Biosphärenreservates noch besser vermitteln“, so Landrat Dr. Gallo bei der Vorstellung der Broschüre. Die Broschüre wirft auch kulturtouristisch einen Blick über den Tellerrand und stellt die 120 Kilometer lange BarockStraße SaarPfalz vor, eine Erlebnisroute, die das barocke Zeitalter thematisiert. Sie verbindet die vier Residenzstädte Saarbrücken, Ottweiler, Zweibrücken und Blieskastel. Sie enthält auch Informationen Neue Infomaterialien der Saarpfalz-Touristik über die Buchungsmöglichkeiten von Gästeführungen in verschiedenen Sprachen, die Nutzung von Bus und Bahn in der Region und Übernachtungsmöglichkeiten von Hotel bis Campingplatz. Die viersprachige Broschüre und das Faltblatt sind Teil des Projektes „Botschaften und Botschafter – Kommunikation im Biosphärenreservat Bliesgau, Teil II“ und wurden nach dem Saarländischen Entwicklungsplan für den ländlichen Raum 2014-2020 im Rahmen der LEADER-Strategie der Region „Biosphärenreservat Bliesgau“ mit 9.548,56 Euro gefördert. 75 Prozent dieser Förderung kommen von der Europäischen Union aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) und 25 Prozent vom saarländischen Ministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz. Beides kann bei der Saarpfalz-Touristik, Paradeplatz 4, 66440 Blieskastel, Tel. 06841 104-7174, Mail: touristik@saarpfalz-kreis.de, bestelltwerden. Sie Büchergeschenke nicht nur zur Weihnachtszeit verwirklichen? Wie können Menschen mit allen Sinnen begreifen, was die Anerkennung als UNESCO-Biosphärenreservat bedeutet und welche Chancen sich daraus entfalten, umeine zunehmende Harmonisierung des Menschen mit der Natur und der Biosphäre Erde einzuleiten? VordemHintergrund, dass inallen Zivilisationen auch Symbolzeichen als fundamentaler Ausdruck von Leben, Wachstum und geistigemReifeneineRolle spielen, entwickelten der Kulturreferent des Regionalverbandes Saarbrücken, Peter Michael Lupp, und die Grafikerin Elke Birkelbach die Idee, das Entwicklungspotential des UNESCO-Biosphärenreservates Bliesgau über die ureigene Sprache der Natur zu vermitteln und in einemSinn- bzw. Symbolbild darzustellen. Der Titel lautet: UNESCO-Biosphärenreservat Bliesgau - inspiriert von der Schöpfungskraft der Natur und ihrer Symbole. Die Inhalte verdeutlichen auf poetische Art und Weise die Zusammenhänge zwischen Mensch und Natur. Dabei kommt der „Goldene Schnitt“ als harmonisches Universalverhältnis in der Natur zum Tragen. Er spiegelt den Erkenntnisprozess des Menschen bezüglich seiner Verantwortung für die Umwelt, deren nachhaltiger Entwicklung und letztlich als Wegweiser für eingutes Leben. Die Initiativedazuentstand imRegionalverband Saarbrücken im Rahmen der strategischen Kulturarbeit der Regionalentwicklung. Hardcover, gebunden | 72 Seiten in deutscher Sprache | Preis [Schutzgebühr]: 9,95 Euro, zzgl. Versandkosten | ISBN978-3-947148-02-8. Zu beziehen sind die Bücher im örtlichen Buchhandel. Kulturlandschaft und Naturraum entdecken von Andreas Stinsky Im „Dreiländereck“ Saarland, Rheinland-Pfalz und Frankreich liegt eine kleine Region mit einer einzigartigen alten Kulturlandist auch indenTourist-Informationen der kreisangehörigen Kommunen erhältlich. Zudem stehen sie online im Download-Bereich unter www.saarpfalz-touristik. de/service/prospektbestellung zur Verfügung. Neuer Kalender 2022 Freizeiterlebnisse in der BiosphäreBliesgauundder Saarpfalz imFamilien- und Freizeitplaner Die zwölf Monatsblätter des Familien- und Freizeitplaners 2022 wollen Lust machen, die Region kennen zu lernen und präsentieren wieder Interessantes, Neues, Altes und Geheimnisvolles. So bekommen die Familien zum Beispiel im Museum für dörfliche Alltagskultur und dem Museum des Saarländischen Aberglaubens in Rubenheim Einblicke in die Wohnkultur- und Alltagskultur unserer Vorfahren. Wie hart das Lebender Bergleute inunserer Heimat war, erfährt man auf der Bexbacher Bergmannstour, einer Lauschtour in die große Zeit der

5 Die Rundschau für das Biosphärenreservat Bliesgau Dezember 2021 – Februar 2022 schaft, die als UNESCO-Biosphärenreservat geschützt ist: Der Bliesgau. blickt auf eine erstaunlich wechselvolle Geschichte zurück, weist ein kostbares Pflanzen- und Tierspektrum auf und befindet sich in einem spannenden Strukturwandlungsprozess. Wie entstand die einzigartige Kulturlandschaft des Bliesgaus? Was macht sie so besonders? Was zeichnet die hier lebenden Menschen aus? Welche wechselvolle Geschichte verbirgt sich hier und ist verantwortlich für die heutige Mentalität? Und warum lohnt es sich, diese sorgsam gehütete und abgeschiedene Region zu besuchen? In diesem Buch erfahren Sie es! Der Band zeichnet ein weites Panorama dieser Region mit ihren so vielfältigen und zugleich gegensätzlichen Erscheinungsbildern. Zugleich wirft er aber auch Fragen auf, wohin sich diese Gegend mit ihrer wechselhaften Historie entwickelt. Kenntnisreich und kurzweilig wird hier die Geschichte und Gegenwart einer Region beschrieben, die überregional wenig bekannt ist und mit ihrer alten Landschaft, ihrem Facettenreichtum und Gegensätzen Reize birgt, wie sie sich in nicht vielen Regionen Mitteleuropas finden. Gleichzeitig lädt das Buch als Reiseführer in eine noch zu entdeckende Region Deutschlands ein. Andreas Stinsky ist größtenteils im Bliesgau aufgewachsen. Geschichte und Kultur im Bliesgau beschäftigen ihn bereits seit vielen Jahren. Er ist Museumsleiter im Europäischen Kulturpark. Kunststoff-Einband | 224 Seiten | Nünnerich Asmus Verlag | Verkaufspreis 25 € | ISBN: 978-396176-106-7 saarländischen Steinkohle. Auf der Lauschtour durch St. Ingbert wird es bayrisch und wenn man Glück hat, hört man das Glockenspiel der Engelbertskirche, das an Werktagen um 12 Uhr das Lied „Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt“ spielt. Ein lohnendes Ziel ist auch die Merburg im idyllischen Lambsbachtal mit anschließender Einkehr in der naheliegenden Fischerhüttemit kleinemFischweiher. Auf demKlosterberg bei WörschweilerkönnendieBesucherder spannenden Geschichte des Klosters nachspüren und einen tollen Ausblick ins Bliestal genießen. Nicht weniger geschichtsträchtig ist das Kleinod Gräfinthal mit seinemBenediktinerkloster, der Naturbühne und den schönen Ausflugslokalen. Das Kooperationsprojekt zwischen Kreissparkasse Saarpfalz und Saarpfalz-Touristik besteht bereits seit neun Jahren. Der Familien- und Freizeitplaner 2022 wird von der Kreissparkasse Saarpfalz in den Filialen verteilt. Zusätzlich ist er bei den Kultur- und Verkehrsämtern der Kommunen und bei der Saarpfalz-Touristik, Paradeplatz 4, 66440 Blieskastel, Tel.: (0 68 41) 104 7174, Internet: www.saarpfalz-touristik.de, Mail: touristik@saarpfalz-kreis. de kostenfrei erhältlich. Tourismus imBiosphärenreservat: Wie geht es weiter? Für das Regionale Tourismuskonzept 2025 wurden touristische Themen definiert, mit denen der Saarpfalz-Kreis und das Biosphärenreservat Bliesgau ihr touristisches Profil nachhaltig schärfen und sich von Wettbewerbern abgrenzen können. Wir sprachen mit dem Geschäftsführer der Saarpfalz-Touristik darüber: Herr Henn, es gibt seit kurzemeinneues regionales Tourismuskonzept 2025 imBiosphärenreservat Bliesgau. Für was wird ein solches denn benötigt? Das Regionale Tourismuskonzept 2025 soll allen touristischen Akteuren Orientierung für ein zielgerichtetes, koordiniertes Handeln geben. Es definiert zu erwartende Trends, Handlungsschwerpunkte, Zielgruppen und konkrete Projekte mit entsprechenden Zuständigkeiten, Prioritäten und Zeithorizont. Wasbeinhaltet diesesKonzept? Es wurden touristische Themen definiert, mit denen der Saarpfalz-Kreis und das Biosphärenreservat Bliesgau ihr touristisches Profil nachhaltig schärfen und sich von Wettbewerbern abgrenzen können. Als Ergebnis wurden 60 Projekte und Maßnahmen mit touristischem Zukunftspotential erarbeitet. Zu den Masterprojekten gehören unter anderem die touristische Inwertsetzung des Schlossbergs in Homburg, der Ausbau des Biosphärenbahnhofs in St. Ingbert als Kompetenzzentrum für Tourismus und nachhaltige Mobilität, der Bau des Biosphärenhauses in Blieskastel und die Entwicklung des Wanderwegenetzes zur Qualitätsregion Wanderbares Deutschland. Welches Potenzial steckt für die Region in dem Tourismuskonzept? Es eröffnet die Chance, unsere Region weiter touristisch zu stärken und benennt hierfür die aktuellen Rahmenbedingungen, Zukunftsszenarien und konkreten Maßnahmen die einen nachhaltigen Tourismus in der Region sichern sollen. Zudem soll die regionale Wirtschaftskraft gestärkt werden, qualitativ hochwertige Angebote vermarktet werden und die Bewohnerinnen und Bewohner mit dem Freizeitangebot in Zukunft zufrieden sein. Wie können, sollen odermüssen sich die Bürger daran beteiligen? Die Bürgerinnen und Bürger sind wichtige Multiplikatoren für unsere einzigartige Landschaft, sie können auf ihre Heimat stolz sein und für unsere Region werben. Wolfgang Henn auf einer seiner Lieblingsrouten amStiefel in St. Ingbert. Foto: privat Mehr dazu unter www.johnen-gruppe.de Entsprechendes Informationsmaterial, ob gedruckt oder digital, stellen wir zur Verfügung. Sie können sich aber auch aktiv engagierenundzumBeispiel eine Patenschaft für einen Wanderweg übernehmen und so für eine gute Infrastruktur sorgen. Wie sehen Sie die SaarpfalzTouristik imJahr 2025? Die Saarpfalz-Touristik sieht sich in den nächsten Jahren als Impulsgeber und Lebensraumgestalter für eine positive Entwicklung des Tourismus in der Region. Ökologische, ökonomische und soziale Nachhaltigkeit sind im Tourismus in den nächsten Jahren wichtige Standards, diese wollen wir in unseren touristischen Angeboten berücksichtigen, damit sich Einheimische undGäste auch in Zukunft bei uns wohlfühlen.

6 Die Rundschau für das Biosphärenreservat Bliesgau Dezember 2021 – Februar 2022 Die Biosphäre Bliesgau 1300 Jahre Kirchengeschichte schreibt der Bliesgau. Mitte des 7. Jhs. wurde die erste Kirche in Altheim erbaut. Durch die missionarisch eifrigen Mönche aus dem vom Wandermönchen Pirminius 741 gegründetenKloster Hornbach verbreitete sich der christliche Glaube im Frühmittealter rasch. Bis zumeigenen Kloster vergingen allerdings noch 4 Jahrhunderte. Wörschweiler Das älteste Bliesgau-Kloster befindet sich in Wörschweiler. Im Jahr 1129 wurde das Kloster als benediktinisches Priorat Hornbachs vom Grafen von Saarwenden und seiner Frau gegründet. 42 Jahre später übernahmen Zisterzienser aus Lothringen unter dem ersten Abt Cobertus die Anlage. Der im 12. Jh. in Frankreich/Citeaux gegründete Orden richtete sich gegen den geistlichen und sittlichen Verfall, besonders der Benediktiner, und errichtete Klöster in ganz Europa. Die sogenannten weißen Mönche waren Pioniere in Land- und Forstwirtschaft, imWeinbau sowie der Viehzucht und galten als hervorragendeBaumeister undArchitekten. Es folgte eine Blütezeit bis in dieMitte des 15. Jhs. Spätestens 1558 war diese Blüte vorbei; im Zuge der Reformation wurde das Kloster aufgehoben und als herzogliches Wirtschaftsgut verweltlicht. Ein Brand im Jahr 1614 zerstörte weite Teile der Anlage. Erste Instandsetzungsmaßnahmen erfolgten 1829, nachdem der an Ruinen interessierte Romantiker Georg Lilier die Anlage erworben hatte. Den heutigen Erhaltungszustand und die wissenschaftliche Aufarbeitung verdankt das Kloster vor allem den Forschungen unter Josef Adolf Schmidt in den 1950er Jahren. Gräfinthal Bereits seit demSpätmittelalter ist Gräfinthal ein marianischer Wallfahrtsort und bis heute eine beliebte Pilgerstätte. Die Gründung von St. Maria 1243 beruht der Legende nach auf einem Blutwunder, dem sogenannten Wunder vom Brudermannsfeld. Demnach ist die berühmte „Liebe Frau mit den Pfeilen“ bzw. kurz Pfeilenmadonna, die die Wilhelmiter hüteten, von einem Ritter geschnitzt und zur Andacht in eine Baumnische gestellt worden, ehe dieser von einer Räuberbande überfallen wurde. Einer der Räuber soll seine Armbrust auf die Figur angelegt haben. Als die Pfeilspitze das Herz Jesugetroffenhat, soll daraus Blut geflossen sein. Die Räuber ergriffenerschrockendieFlucht. Genauso wie die Figur einen blinden Mann, der sieberührthatte,wieder sehen lassen konnte, soll sie auch Gräfin Elisabeth von Blieskastel von einem schmerzhaften Augenleiden befreit haben, die daraufhin das Kloster gründete. Das Gräfinthaler Mirakelbuch von 1671 zählt noch 84weitereWunder auf. Die Figur auch Eichenholz ist etwa80cmgroßund folgt demTypus der Pietà, der Gottesmutter, die den Leichnam Jesu auf dem Schoß hält. Sie ist farbig gefasst und trägt eine Krone aus vergoldetem Silber. In der Figur befinden sich fünf mittelalterliche Pfeilspitzen. Im Laufe der Zeit, besonders im 30-jährigen Krieg, wurde das Kloster zerstört und beschädigt. Eine kurze Renaissance erlebte es in der erstenHälfte des 18. Jhs. unter dem König von Polen und späteren Herzog von Lothringen Stanislaus Lesczynski, ehe es 1785 nach einem Verbot von Wallfahrten durch den Trierer Bischof auf eigenen Wunsch hin aufgelöst wurde. Auch danach war das Kloster noch berühmt, allerdings weniger durch dieWallfahrt als durch denhier angebautenWein. ImReiseführer „Die Pfalz und die Pfälzer“ von 1858 wird der „Muttergotteswein“ als bester unter den Bliesweinen erwähnt. Seit den 1990er Jahren findet in Gräfinthal wieder monastisches Leben statt; derzeit leben zwei benediktinische Pater hier. Blieskastel Eng verflochtenmit der Geschichte des Klosters Gräfinthal ist die der Blieskasteler Anlage. Nach der AuflösungGräfinthals stifteteMarianne von der Leyen die Pietà als „Offert à la Ste. Vierge par la Cte. De Leyen et de Hohengeroldseck“ in die Blieskasteler Sebastiankirche. Von der Pfarrkirche wanderte sie 1829 in die Heiligkreuz-Kapelle, die Keimzelle des Klosters Blieskastel. Diese wurde 1682/3 auf Geheiß der Grafen Carl Casper und Damian Adolph anstelle einer kleineren Kapelle unter Meister Thomas Gampfer erbaut. In ihrem Inneren befand sich eine Kreuzreliquie. Dadurch kamen, besonders am 3. Mai und 4. September, später auch zu Palmsonntag, so viele Wallfahrer, dass bald auch einWallfahrtsbüchlein des Pfarrers Karl Desiderius Royer mit dem Titel „Die glorreiche Erhöhung des Heiligen Kreuzes“ erschien. Nachdem Franz Carl und Marianne von der Leyen ihre Residenz von Koblenz nach Blieskastel verlegt hatten, wurde die Anhöhemit einemKlosterbau samt Lateinschule ausgestattet und in die Obhut der Franziskaner gelegt. Ein jähes Ende fand die Wallfahrt aber durch die Französische Revolution und die anschließenden Revolutionskriege. Die Mönche wurden vertrieben, die Kapelle geplündert, der Raum als Pulvermagazin genutzt, schließlich1802dasgesamteKloster aufgelöst. Erst zu Beginn des 20. Jhs., nachdem die Gräfinthaler Pietà wiederentdeckt, in München restauriert und auf demAltar aufgestellt wurde, wurde auch die Wallfahrt neu belebt. Bis zu 50 Tausend Gläubige beteten jährlichen zur Pfeilenmadonna. Für die vom Bischof von Speyer zur Seelsorge der vielen Besucher aus Bayern einberufenen Kapuziner wurde unter dem berühmten ArchitektenHans Herkommer 1924 zunächst ein Kloster erbaut, vier Jahre später folgten der Südflügel mit der heutigen Pilgerrast und der Herberge sowie die kleine Klosterkirche Mater Dolorosa, ein Friedhof und ein Figurenpark mit Werken des ansässigen Künstlers Karl Riemann. Seit 2005 kümmern sich polnische Minoriten aus der Gegend umKrakau umdie Gläubigen der Region. Kleine Franziskanermönche aus Holz Nach dem großen Erfolg mit seinenweißenZisterziensermönchen imletzten Jahr hat Drechselkünstler Ralf Meisel dieses Jahr nachgelegt. AndieGeschichtedesKlosters Blieskastel sollen kleine Franziskanermönche aus Holz erinnern. Im Jahr 1210 wurde der von Franz von Assisi gegründete Orden vom Papst anerkannt und verbreitete sich rasch. Als Mitglieder eines Bettelordens propagieren die Mitglieder das Leben in Armut. Ihren Die neuen Blieskastler Mönche, produziert und entworfen von Ralf Meisel. Foto: Peter Krupp Klöster im Bliesgau Lebensunterhalt verdienen sich die Geistlichen durch handwerkliche, soziale, pastorale und pädagogische Arbeit. Auch in Blieskastel waren sie ab 1775 für die Belange der Gläubigen zuständig. DerOrnatderFranziskanerbesteht aus einem braunen oder schwarzen Habit, der in Hüfthöhe von einer weißen Kordel, dem sogenanntenZingulum, zusammengehalten wird – daher stammt auch der französische Name der Franziskaner „Cordeliers“. Das Ende derKordel bildet der charakteristische Franziskanerknoten, genauer gesagt drei mehrfache Überhandknoten, die symbolisch für Armut, Ehelosigkeit undGehorsamstehen – die Tugenden, zu denen sich ein jeder Bruder verpflichtet. Da aus Blieskastel kaum historischen Äbte und Mönche namentlich bekannt sind, stehen zwei große Kirchenväter und Ordensmitglieder stellvertretend für die Franziskanermönche aus dem Kloster: der Gründer selbst, Franz von Assisi sowie der Kirchenlehrer Antonius von Padua. Bruder Franziskus hat seine Kapuze auf dem Kopf, während sie bei Bruder Antonius am Rücken herabfällt. Die dunklen Kutten der Figuren bestehen aus gebeizter Eiche vom benachbarten Wörschweiler Hof, die Köpfe aus Birnbaumholz. Verkauft werden die Mönche direkt bei Meisels zuhause beim traditionellen Weihnachtsverkauf an den Adventswochenenden und an weiteren Stellen, die noch bekanntgegeben werden. Fünf Euro pro verkauften Mönch fließen in die Jugendarbeit der Pfarrei Heiliger Franziskus in Blieskastel. Die Namender beidenMönche: Bruder Franziskus trägt dieMütze. Bruder AntoniusMütze trägt keineMütze.

7 Die Rundschau für das Biosphärenreservat Bliesgau Dezember 2021 – Februar 2022 Seit 2019 ist die Pfarrei Heilige Familie Blieskastel Mitglied des Biosphärenvereins. Die daraus entstandene Arbeitsgemeinschaft „Kirche und Biosphäre“ beschäftigt sich damit, eine Verbindung zu schaffen zwischen dem christlichen Glauben und den Leitlinien des Biosphärenreservates Bliesgau. Nach langer Corona-Pause fand im Herbst wieder eine Radtour der AG Kirche und Biosphäre zur Wintringer Kapelle statt, wo sich die Teilnehmer intensiv mit der Installation „Weltenkreis Erde“ von Martin Seifert auseinandersetzten, die selbst die Verantwortung jedes Einzelnen für das Ganze zum Thema hat – ähnlich wie die AG. In Projekten, Gesprächskreisen und Wanderungen beschäftigen sich die Mitstreiter damit, wie in der Biosphäre Leben, Wirtschaften und Arbeiten in Einklang gebracht und Ressourcen genutzt, aber gleichzeitig auch erhalten werden können. „Das Gesicht“ der Arbeitsgemeinschaft ist laut Vereinsvorsitzendem Torsten Czech Pastoralreferent Steffen Glombitza. Im kurzen Interview erzählt er von den Methoden und Zielen der AG sowie seiner eigenenMotivation. Herr Glombitza, was hat Biosphäre mit Kirche zu tun? Als mir die Beschreibung der Biosphärengebiete als „Modellregionen für nachhaltige Entwicklung“ deutlich wurde, war für mich klar, dass Nachhaltigkeit in diesem Kontext ökologisch und sozial zu denken sein muss. Wie können Menschen in einem bestimmten Gebiet so leben, dass es ein gutes Leben für alle sein kann, auch für die nachfolgenden Generationen. Nichts anderes verfolgen die christlichen Kirchen mit den seit den 70er Jahren ausformulierten konziliaren Prozess „Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung“, der seinen höchsten Niederschlag in der Öko-undSozialenzyklikaLaudato Si von 2015 gefunden hat. Bistum und Landeskirche beschäftigen sich aktuell intensiv mit den Herausforderungen der Menschheit, die sich aus dem Anthropozän ergeben. (Klimawandel, Artensterben etc…) Christliche Glaubensgemeinschaften müssten aus sich heraus Modellregionen für nachhaltige Entwicklung sein. Insofern sind für mich die beiden Ziele deckungsgleich. Es liegt für mich deshalb auf der Hand, dass Kirche etwas von Biosphäre lernen kann und umgekehrt. Damit das geschieht, braucht es den Dialog der unterschiedlichen Akteure. Was ist das Ziel der AG Kirche und Biosphäre und wie soll das erreicht werden? Diesen Dialog wollen wir mit unserer AG inGangbringenund stellen uns bewusst die Frage: Welchen Beitrag können Kirchen im Konzept der Biosphäre leistenund wie kann der Biosphärengedanken das kirchliche Leben positiv gestalten? Welche Wechselbeziehungen gibt es in diesem Dialog? Esmuss doch für die Biosphäre einerseits bedeutungsvoll sein, Kirchen vor Ort zu haben und Kirchengemeindenmüssen sichdoch andererseits irgendwie als Teil der Biosphäre begreifen, gerade auch dann, wenn sie ernst machen mit demSchöpfungsgedanken. Was tun Sie selbst dafür? Ich versuche mit meinem Einsatz für die AG kirchliche Akteure und Akteure aus der Biosphäre Bliesgau zusammenzubringen, um diesen Dialog voranzutreiben. Dabei habe ich als Umweltbeauftragter des Bistums zugleich die größere Perspektive über den Kirchturm hinaus auf Bistum und Landeskirche im Blick, was diese AG für mich zugleich zu einem Modellprojekt macht. Die Schlosskirche in Blieskastel gehört zu den barocken Kirchen des Bliesgaus. Foto: Wolfgang Henn EntlangderBlühflächeamSchlangenhöhler Weg in Schwarzenacker ist AnfangNovember imRahmen einer gemeinsamen Baumpflanzaktion eine kleine Allee aus 13 jungen Obstbäumen entstanden. Möglich wurde das Umweltprojekt unter anderem durch eine Spende der Volks- und Raiffeisenbank Saarpfalz eG. „Das Thema Nachhaltigkeit liegt uns sehr am Herzen. Daher war es uns ein besonderes Anliegen, dieses Projekt zu unterstützen und gleichzeitigetwas für unsereRegion zu tun“, so Vorstandsmitglied der VRB Saarpfalz Christoph Palm. Die Volks- und Raiffeisenbank Saarpfalz eG unterstützt die Baumpflanzaktion. Foto: VRB Saarpfalz eG Naturschutzbeauftragter und Stellvertretender Ortsvorsteher UlrichFremgenhielt zuBeginndes gemeinsamen Treffens eine kleine Ansprache und dankte allenBeteiligten für die tatkräftige Unterstützung. Anschließend wurde der letzte der insgesamt 13Bäume eingepflanzt, wobei es sich Christoph Palmnicht nehmen ließ selbst mitanzupacken. Die neu bepflanzte Blühfläche grenzt unmittelbar an den Verbindungsweg zwischen Einöd und Schwarzenacker und befindet sich in direkter Nähe der Wanderhütte und der Kernzone der BiosphäKirche und Biosphäre VRB Saarpfalz eG unterstützt Baumpflanzaktion re Bliesgau. Spaziergänger und Wanderer dürfen sich somit bald auf den schönen Anblick blühender Obstbäume entlang des Weges freuen und bereits gespannt sein, wann diese die ersten Früchte tragenwerden. Die VRB Saarpfalz hat als Genossenschaftsbank den Nachhaltigkeitsgedanken fest in ihrem Unternehmensleitbild verankert. Auch in Zukunft möchte sie einen weiteren Beitrag zur Nachhaltigkeit in der Region leisten und befindet sich bereits in der Planung weiterer spannender Projekte zum Thema Nachhaltigkeit.

8 Die Rundschau für das Biosphärenreservat Bliesgau Dezember 2021 – Februar 2022 Junge Biosphäre Endlich war es wieder soweit: StrahlendeGesichter indenGrundschulen im Biosphärenreservat Bliesgau und in der Stadt Bexbach beim morgendlichen Frühstück: Grund dafür ist die Bliesgau-Bio-Brotbox-Aktion, die ein wichtiges Zeichen für gesundes Frühstück setzt! Die Schulanfänger wurden dieses Jahr wieder mit der gelben Brotdose, gefüllt mit regionalen und fairen Produkten, beschenkt. Und auch der Ausfall des letzten Jahres wurde erfreulicherweise kompensiert, sodass auchdie Zweitklässler ein gesundes Frühstück aus der Heimat erhalten haben. Gemeinsam mit Mitstreitern aus allen Kommunen organisiert der Biosphärenzweckverband Bliesgau die Aktion bereits zum zwölften Mal. Statt einer großen öffentlich Packaktion wie in den vergangenen Jahren, rund 3000 Boxen in kleiner Runde von fleißigen Helfer*innen der Initiative im DHL-Logistikzentrum in St. Ingbert gepackt. In die Brotbox wanderten regionales Brot, Bio-Käsestick, ein Bio-Apfel, eine Bio-Karotte, ein Sesamriegel, vegane Gummibärchen, Bio-Tee und ein Bio-Milch-Gutschein. Zusätzlich bekamjedes Kind eine Trinkflasche Endlich war es wieder soweit: Strahlende Gesichter in den Grundschulen imBiosphärenreservat Bliesgau. Foto: Giusi Faragone Die Naturlandstiftung Saar und der Biosphärenzweckverband Bliesgau haben eine Junior-Ranger-Gruppe ins Leben gerufen. Mitte Oktober wurde die Bewerbungsphase abgeschlossen: 16 Kinder wurden in die Gruppe aufgenommen. Geleitet wird die Gruppe, die sichmonatlich imEuropäischen Kulturpark in Reinheim trifft, vom Bliesgau-Ranger Michael Keßler. Die Themen, denen sich die angehenden Junior-Ranger widmen werden, reichen von den Landschaften, Lebensräumen und Arten im Biosphärenreservat Bliesgau über Formen und Bedeutung menschlichen Wirtschaftens im Biosphärenreservat bis hin zu Verhaltensregeln und der erforderlichen Ausrüstung in der Natur. Auch die Aufgaben von Naturwächtern und anderen Naturschutzakteuren sowie praktisches Arbeiten und Beobachten in der Natur sollen vermittelt werden. Neben den regelmäßigen Gruppenstunden sind auch Exkursionen im Biosphärenreservat und einzelne mehrtägige Veranstaltungen geplant. „Überlegungen, eine entsprechende Gruppe auch im UNESCO-Biosphärenreservat Bliesgau einzurichten, gibt es schon seit längerer Zeit.“, so der Verbandsvorsteher und Landrat Dr. Theophil Gallo. „Mit der saarländischen Naturwacht als Partner ist uns nun endlich der Durchbruch gelungen, eine feste Junior-Ranger-Gruppe einzurichten! Damit können wir unsere bereits bestehenden Angebote für Kinder und Jugendliche, wie z.B. das Projekt „Junge Biosphäre“ oder die Aktivitäten des Ökologischen Schullandheims Spohns Haus, um eine wichtige Facette ergänzen.“ Umweltminister Reinhold Jost sieht in der künftigen Ausbildung von Kindern und Jugendlichen zu Junior Rangern „einen echten Gewinn für das Biosphärenreservat Bliesgau. Das Programm will Interesse an Naturschutzthemen wecken und Kompetenzen vermitteln – ganz im Sinne unserer Bildung für nachhaltige Entwicklung“. Der Minister baut schon mal vor: „Die jungen Leute werden nicht mit trockenem Wissen bombardiert. Abenteuer, Spiel und Spaß sollen hier nicht zu kurz kommen.“ Jetzt gibt es auch imBiosphärenreservat Bliesgau eine Junior-RangerGruppe. Foto: A.Morascher/junior-ranger.de/EUROPARC Bliesgau-Bio-Brotbox-Aktion 2021 Gesundes Frühstück für Erst- und Zweitklässler sowie erstmals einen Regenbogenstift des Biosphärenzweckverbandes Bliesgau. Freudig packten die Kinder ihre gelben Brotboxen aus, die zur alltäglichenWiederverwendung einladen. Durch die Bliesgau-Bio-Brotbox-Aktion können die Kinder bereits für einen nachhaltigen Umgang mit der Natur sensibilisiert werden. „Unsere Ernährung spielt eine große Rolle im Umweltschutz. Schon durch kleine Veränderungen in unserem alltäglichen Konsum können wir Großes bewirken,“ so Umweltpraktikantin Jennifer Majorowski. Doch nicht nur die Natur profitiert von den kurzen Transportwegen der Lebensmittel, sondernauchdieFörderungundUnterstützung heimischer Erzeuger und Landwirte wird durch die Aktion verstärkt ins Bewusstseingerufen. Nähere Informationen zur Bliesgau-Bio-Brotbox-Aktion gibt es bei Stefanie Lagaly (Tel. 06842 96009-13, s.lagaly@biosphaerebliesgau.eu) oder auf der Internetseite des Biosphärenzweckverbandes Bliesgau www.biosphaerebliesgau.eu unter „Bildung und Forschung“. Junior-Ranger-Gruppe eingerichtet „Umweltbildung und -information ist ein wichtiger Bestandteil der Arbeit unserer Naturwacht. Von besonderer Bedeutung ist für uns, die Kenntnis über den Reichtum und den Wert der Natur insbesondere an Kinder und Jugendliche zu vermitteln. Wir freuen uns daher sehr, dieses Projekt zu unterstützen“, ergänzt Udo Weyrath, Kurator der Naturlandstiftung Saar. Ins Leben gerufen wurde das bundesweite Programm „Junior-Ranger“ 2008 vom Dachverband der deutschen Großschutzgebiete, „Nationale Naturlandschaften e.V.“. Ziel ist es, Kinder für Natur, natürliche Dynamik und die Nationalen Naturlandschaften zu begeistern und ihr aktives Mitwirken zu ermöglichen. Neue Mitarbeiterin beim Biosphärenverein Liebe Leserinnen und Leser, mein Name ist Laura Henrich und ich darf seit Oktober den Biosphärenverein in der Geschäftsstelle Blieskastel unterstützen. Deshalb möchte ich mich hier kurz vorstellen. Viele kennen mich, oder zumindest meinen Namen, schon aus der Biosphärenrundschau, für die ich bereits seit 2017 immer wieder einige Beiträge verfasse. Dadurch bin ich schon etwas vertraut mit unserer schönen Biosphäre Bliesgau und ihren vielen, engagierten Akteuren. Zum Jahresanfang beende ich – pünktlich vor der Geburt meines Sohnes - mein Studium der Klassischen Archäologie und Geschichte an der Universität des Saarlandes, wo ich auch als Wissenschaftliche Hilfskraft und Lehrbeauftragte tätig bin. Als Kind der Biosphäre und Geisteswissenschaftlerin hat mich das Angebot, dem Verein künftig in der Geschäftsstelle unter die Arme zu greifen, besonders angesprochen. Ich freue mich auf neue berufliche Erfahrungen, spannende Aufgaben und Herausforderungen, die sich dank der flexiblen Einteilung auch während der Elternzeit sicher gut meistern lassen. Gerade nach demCorona-Stillstand der letzten eineinhalb Jahre hoffe ich, einen Teil dazu beitragen zu können, dass das Vereins- und Kulturleben wieder aufblühen wird. In der Geschäftsstelle bin ich immer freitags von 8:30 bis 12:30 Uhr, ansonsten per Mail oder über das Diensthandy zu erreichen. Laura Henrich ist die neue Mitarbeiterin der Geschäftsstelle des Biosphärenvereins. Foto: privat

9 Die Rundschau für das Biosphärenreservat Bliesgau Dezember 2021 – Februar 2022 Projekte in der Region Von JenniferMajorowski (Umweltpraktikantin Biosphärenzweckverband Bliesgau) Vor kurzem wurde der aufgrund des hohen Arbeitsaufwandes in der Vergangenheit leider vernachlässigte Garten im ökologischen Schullandheim Spohns Haus komplett auf den Kopf gestellt - nun strahlt der Garten nach einem arbeitsreichen Wochenende wieder in vollemGlanze. Bereits am späten Samstagnachmittag staunten die ehrenamtlichen Helfenden, die beim Projektaufruf der Jungen Biosphäre zusammen gekommenwaren, als die ersten großen Veränderungen im Garten sichtbar wurden und das Grinsen hörte trotz Erschöpfung nicht auf. Gemeinsam mit Stefan Pötzsch, Auszubildender zum Permakultur-Designer und Bundesfreiwilligendienst-Leistender von Bliesgau-Obst e.V., konnte die von der Jungen Biosphäre geplante und langersehnte Aktionmit etwa 20 freiwilligen Helfenden starten und war ein voller Erfolg. Motiviert halfen alle bei der Neugestaltung des Gartens in Spohn Haus nach Prinzipien der Permakultur mit und spitzten die Ohren bei wissenswerten Tipps für ihren eigenen Garten. Der Vorteil von Permakultur ist die Minimierung von Arbeits- und Pflegeaufwand beim Gießen und Unkrautjäten und gleichzeitig die Stärkung der Artenvielfalt durch Schaffung von Lebensräumen imGarten. Nachhaltiges Gärtnern durchWiederverwendung alterMaterialien Durch die Aufteilung in vier Teams wurde an mehreren Stationen gleichzeitig gearbeitet. Die vier normalen Beete, die bereits vorhanden waren und von Wildwuchs eingenommen wurden, haben die fleißigen Ehrenamtlichen wieder auf Vordermann gebracht. Die bestehenden Beerensträucher wurden zurückgeschnitten und zum Teilwiederneueingepflanzt, sowie an die Teilnehmenden der Aktion als „Erinnerung“ verschenkt. Um das Wachstum von Unkraut einzudämmen und das Austrocknen des Bodens zu vermeiden, wurden siegroßzügigmit Stroh-Mulchbedeckt. In der Mitte der Beete ist ein neues Schlüssellochbeet aus alten Dachziegeln entstanden, mit integriertemKompost. Die besondere Form ermöglicht nicht nur ein leichteres Gärtnern, sondern durch die WiederverwendungvonaltenMaterialienwird zudemnachhaltig gebaut. Außerdem ist ein weiteres Hochbeet aus alten Paletten und Naturmaterialien entstanden, das zur Gemüsepflanzung einlädt. Die alte Kräuterspirale im Garten wurde von einem Team komplett abgebaut, vergrößert wieder neu errichtet und „gerettete“ Kräuter an neue Standorte zurückgepflanzt. Der Garten rund umSpohns Haus wurde von vielen ehrenamtlichen Jugendlichen neu gestaltet. Foto: ManuelaMayer „Gemeinsam, mit vereinten Kräften, können wir Großes bewirken!“ An der Abgrenzung der beiden Ebenen des Gartenswurde einMilpa-Beet für Mischkulturen vorbereitet, in dem Mais, Bohnen und Kürbisse zukünftig gemeinsam wachsen können und sich gegenseitig positiv bedingen. Weitere Gartenaktion imFrühjahr 2022 Kurzzusammengefassthat andiesen beiden Tagen einfach alles gestimmt: DieMenschen, die sich bei dem Projekt begegnet sind, fanden sich als tolle Gruppe zusammen, in der ein reger Austausch herrschte und die positive Stimmung sowie Motivation jedes Einzelnen zu spüren waren. Das Wetter überraschte uns mit strahlendem Sonnenschein und die Freude, gemeinsam Großes erreicht zu haben, war nicht zu übersehen. Die Arbeit an der frischen Luft und der nachhaltige Umgang mit der Natur haben so manches Herz höherschlagen lassen. Ein Beweis dafür, dass vor allem solche Aktionen unserer Seele guttun! Im Frühjahr 2022 wird der Garten mit einer weiteren Pflanzaktion begrünt, sodass zukünftige Gäste im Spohns Haus mit regionalem Gemüse aus dem eigenen Garten bekocht werden können. Ein großer Dank geht natürlich an Stefan Pötzsch und Andrea Lippmann von Spohns Haus für die Anleitung der Arbeitenden, an die ehrenamtlich helfenden Hände, sowie die Sponsoren, dank derer das tolle Projekt umgesetzt werden konnte: Die Junge Biosphäre konnte das Gartenprojekt durch eine Kleinprojektförderung von Saartoto finanzieren, außerdem haben Sach- undMaterialspenden von Bliesgau Obst e.V., Reichert GmbH in Gersheim, dem Drehbrunnerhof in Niedergailbach sowie demMartinshof inHabkirchen zumErfolg beigetragen. Solarkataster startet Der Biosphärenzweckverband Bliesgau mit Sitz in Blieskastel, Paradeplatz 4, beabsichtigt spätestens zum 01. Dezember 2021 ein elektronisches Solarkataster auf der Basis einer topografischen Karte im Internet zu veröffentlichen. Mit diesem Kataster wird die Sonneneinstrahlung und damit die Eignung für die Nutzung der Sonnenenergie für alle Hausdachflächen im Biosphärenreservat Bliesgau einschließlich der Stadtflächen Homburg und Bexbach sichtbar. Über eineabgestufte farbliche Markierung der Hausdächer wird die Eignung der Dachflächen für die Installation von Photovoltaikmodulen oder Sonnenkollektoren ablesbar. Über einen speziellen Wirtschaftlichkeitsrechner können sich Hauseigentümer auf gesonderten Antrag auch Kosten, Amortisationszeiten und Rentabilität einer Photovoltaik- oder Photothermieanlage kostenfrei digital berechnen lassen. Ziel des Solarkatasters ist es, Hauseigentümer über die Einsatzmöglichkeiten von Sonnenenergie zu informieren und im Biosphärenreservat Bliesgau die Nutzung von Solarenergie deutlich zu steigern. Wer als Hauseigentümer nicht damit einverstanden ist, dass das jeweilige Hausdach über das Solarkataster farblich markiert und für die Eignung für Solarenergie bewertet wird, kann der Markierung und Bewertung seines Hausdaches widersprechen. Der Widerspruch kann jederzeit und ohne Angabe von Gründen beim Biosphärenzweckverband Bliesgau von den berechtigten Hausbesitzer*innen mit der Angabe des Namens und der Hausadresse unter der Telefon 06842/960090 oder über die Mailadresse solarkataster@biosphaerebliesgau.euerfolgen. DasSolarkataster ist über www. solarkataster-bliesgau.eu zu erreichen. Ob sich Ihr Hausdach für eine Soaranlage eignet, lässt sich jetzt schnell und einfachmit einem Solarkataster gut bestimmen. Foto: bee-ev

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