Die Biosphäre Bliesgau im Herbst 2026

10 Die Rundschau für das Biosphärenreservat Bliesgau September – November 2026 Die Leader-Region Hier wurde in den ländlichen Raum investiert. Abschied nach zehn Jahren im Dienst der Biosphäre Zehn Jahre lang hat Dr. Gerhard Mörsch als Geschäftsführer des Biosphärenzweckverbandes Bliesgau die Entwicklung der Region mitgestaltet. In dieser Zeit hat sich das UNESCO-Biosphärenreservat zu einem bundesweit anerkannten Beispiel für nachhaltige Regionalentwicklung entwickelt. Nun geht er in den Ruhestand. Im Gespräch blickt er auf wichtige Meilensteine, besondere Begegnungen und Projekte zurück, spricht über die Herausforderungen der vergangenen Jahre und darüber, was er sich für die Zukunft des Bliesgaus wünscht. Dabei wird deutlich, wie sehr ihn die Arbeit für die Biosphäre persönlich geprägt hat – und warum ihm der Abschied trotz Vorfreude auf die kommende Zeit nicht ganz leichtfällt. Herr Dr. Mörsch, Sie haben die Entwicklung des UNESCO-Biosphärenreservats Bliesgau von den ersten Ideen bis heute maßgeblich begleitet. Wenn Sie zurückblicken: Welche Momente waren aus Ihrer Sicht die wichtigsten Meilensteine? Von Anfang an habe ich die Entwicklung des Biosphärenreservates nicht begleitet. Bis 2016 war ich noch Geschäftsbereichsleiter in der Kreisverwaltung in Homburg und habe bis dahin die Entwicklung des Biosphärenreservates oft nur von außen mitbekommen, obwohl ich damals schon für Naturschutz, Landschaftspflege und Landwirtschaft zuständig war. Erst im Juli 2016 wurde ich zusammen mit Holger Zeck vom Umweltministerium als Geschäftsführer zum Biosphärenzweckverband abgeordnet. Erst mit einer halben Stelle und später in Vollzeit. Aus meiner Sicht waren die ersten großen und wichtigen Meilensteine des Biosphärenreservates, die rechtliche Festsetzung des Biosphärenreservates im saarländischen Naturschutzgesetz 2006 und natürlich die UNESCO Anerkennung 2009. Ich hatte damals nicht geglaubt, dass sich alles so gut entwickeln wird. Die Evaluierung 2019 war dann ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung des Biosphärenreservates. Diese Evaluierung erfolgreich bestanden zu haben, wäre ohne das große Engagement vieler Akteure in der Region sowie der Kolleginnen und Kollegen in der Geschäftsstelle, aber auch in der Kreisverwaltung und dem Umweltministerium nicht möglich gewesen. So ist die Evaluierung gelungen und das Biosphärenreservat ist bis 2029 zur nächsten Evaluierung weiter als UNESCO-Biosphärenreservat anerkannt. Ein Meilenstein in der Zukunft könnte die Gestaltung des Biosphärenhauses sein. Als die Idee eines Biosphärenreservats entstand, gab es viele Chancen, aber sicherlich auch Skepsis. Welche Hürden waren in den Anfangsjahren am größten – und wie ist es gelungen, Menschen für die gemeinsame Vision zu gewinnen? Die größte Hürde am Anfang war, und ist sie manchmal heute immer noch, dass die Menschen nicht genau wissen, was ein UNESCO-Biosphärenreservat ist und was seine Verwaltung macht. Daher haben einige Menschen Angst, dass ihr Leben einschränkt wird und sich ein Biosphärenreservat negativ auf sie auswirken könnte. Das ist natürlich nicht der Fall. Die einzigen Vorgaben, die ein Biosphärenreservat rechtlich macht, ist die Festlegung und rechtliche Sicherung seiner Zonierung. Danach ist quasi alles „freiwillig“ und ein Biosphärenreservat will mit seiner MAB-Strategie (Mensch und Biosphäre im Einklang) eine nachhaltige Entwicklung für die Region und für die Menschen erreichen. Jeder ist aufgefordert, sich einzubringen, sein Verhalten nachhaltiger zu gestalten und mitzuhelfen, die Region nachhaltig im Einklang mit Natur und Umwelt in die Zukunft zu führen. Am Anfang hatte die Landwirtschaft die größten Vorbehalte gegen das Biosphärenreservat. Man fürchtete Verbote und Nachteile für die Bewirtschaftung. Aber so ist es nicht gekommen. Nach der Festlegung der Zonierung, gab es keine weiteren Einschränkungen mehr und der Biosphärenzweckverband hat von Anfang an die Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft angeboten und regionale Produkte unterstützt, wenn ihre Produzenten dies wollten. Aktuell haben wir über die EU-LEADER Förderung sogar ein Konzept zur Einführung der teilmobilen Schlachtung im Biosphärenreservat Bliesgau erarbeiten lassen, das den Landwirten helfen soll, ihre Tiere mit mehr Rücksicht auf das Tierwohl und die Fleischqualität auf dem eigenen Hof zu schlachten und in einem nahe gelegenen Zerlegebetrieb weiter verarbeiten zu lassen. Um die Biosphärenidee für eine nachhaltige Entwicklung der Region weiter voranzubringen, braucht der Biosphärenzweckverband viele Mitstreiter, nicht nur Landwirte, sondern auch Partner- und Kooperationsbetriebe, die die Idee einer nachhaltigen Entwicklung in ihren Betrieben leben und ihren Kunden weitergeben. Heute gilt der Bliesgau bundesweit als Vorbild für nachhaltige Regionalentwicklung. Worauf sind Sie persönlich besonders stolz? Ja, das ist tatsächlich so, dass das Biosphärenreservat Bliesgau bundesweit einen guten Namen hat. Allein darauf kann man stolz sein. Besonders stolz bin ich aber darauf, dass wir so viele Partnerbetriebe haben, aktuell 56 Betriebe und Einzelpersonen. Besonders stolz bin ich auch, dass wir so viele engagierte Mitglieder in den „Biosphärenvereinen“ haben, die sich um eine nachhaltige Entwicklung jeweils in ihren Bereichen bemühen. So setzen sich die Mitglieder von Bliesgau Obst unermüdlich für die Erhaltung der Streuobstwiesen und der Kulturlandschaft des Bliesgaus ein. Der Biosphärenverein fördert mit seinen Veranstaltungen das bürgerschaftliche Engagement in der Biosphäre. Die Mitglieder von Bliesgau Genuss e.V. stellen nachhaltige Produkte aus den Ressourcen her, die ihnen die Region und die Natur zu bieten haben. Erst kürzlich haben wir, über eine weitere LEADER Förderung, eine Marketingstrategie erarbeiten lassen, wie wir regionale Produkte und ihren Wert wieder besser für die Kunden und Konsumenten sichtbar machen und die Regionalvermarktung stärken können. Jeden Monat haben wir die Akteure in der Biosphäre zum gemeinsamen Austausch der Aktivitäten eingeladen. Diese gute Tradition zur weiteren Vernetzung untereinander wird auch ohne mich fortgesetzt werden. Ein Biosphärenreservat lebt von den Menschen, die sich engagieren – von Landwirten, Kommunen, Unternehmen, Vereinen und Ehrenamtlichen. Was hat Sie in der Zusammenarbeit mit ihnen besonders beeindruckt? Besonders beeindruckt hat mich immer das Engagement der Menschen, die sich für das Biosphärenreservat eingesetzt haben. Sie waren in der Regel allesamt immer stolz auf die UNESCO-Anerkennung ihrer Region und ihrer Heimat. Viele sind überzeugt von der Biosphärenidee für eine nachhaltige Entwicklung und sie wollen ihren Beitrag dazu leisten. Es ist wichtig, dass ein Biosphärenreservat solche aktiven Unterstützer hat, vor allem auch junge Menschen, die selbst die Biosphärenideen nach vorne bringen wollen. Die relativ kleine Biosphärenverwaltung kann nicht alle Projekte alleine angehen und umsetzen. Es bedarf immer auch Partnern und Akteuren, die sich gleichermaßen für das UNESCO-Biosphärenreservat einsetzen und eine nachhaltige Regionalentwicklung unterstützen. Wenn Sie an die vielen Projekte und Begegnungen der vergangenen Jahre denken: Gibt es eine Geschichte oder einen Moment, der Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist? Besondere Freude gemacht hat mir das Projekt „Landwirtschaf(f)t Vielfalt“. Da hat der Biosphärenzweckverband Landwirte mit Saatgut unterstützt, dass sie auf ihren Ackerflächen zusätzlich Blühflächen anlegen für mehr Biodiversität in der Landbewirtschaftung. Die Blühflächen kannte man bis damals noch nicht so im Bliesgau, höchstens mal von Wildäckern. Besonders beeindruckt hat mich, dass am Anfang sofort viele Landwirte und Privatpersonen mitgemacht und Blühflächen angelegt haben. Inzwischen hat sich das Projekt verselbständigt, der Bauernverband bietet das eigene Projekt „Saartenvielfalt“ an und das Land unterstützt in weit höherem Maß auch das Anlegen von blühenden Ackerflächen. Der Biosphärenzweckverband konnte nur das Saatgut kostenfrei zur Verfügung stellen. Besonders in Erinnerung blieb mir ein Acker mit Blühpflanzen zwischen Webenheim und Mimbach. Der blühende Acker wurde auch von vielen Spaziergängern bewundert. Ein vom Biosphärenzweckverband beauftragter Experte konnte eines Tages dort die Malveneule, eine selten gewordene, tagaktive Nachtfalterart, nachweisen, zum ersten Mal im Saarland. Das ist mir gut in Erinnerung geblieben, weil damit klar wurde, dass auch einfache Maßnahmen und Projekte etwas bringen und bewirken können. Und die Landwirte mussten noch nicht einmal groß auf eine Bewirtschaftung verzichten. Sie haben einen großen Teil Ihres Berufslebens in den Dienst der Biosphäre gestellt. Wie hat diese Aufgabe Sie persönlich geprägt? Das stimmt nicht ganz. Ich war vorher viel länger bei der Kreisverwaltung. Dort aber immer schon für den Natur- und Umweltschutz zuständig, aber auch eine Zeitlang für eine Deponie und eine Kompostanlage sowie für die Außenanlagen der weiterführenden Schulen. Das war natürlich auch eine lange und prägende Zeit für mich. Aber besonders geprägt hat mich bei meiner Arbeit für die Biosphäre, dass ich dort im Grunde für eine große Organisation arbeiten durfte, nämlich für die UNESCO und ihr Weltnetz der UNESCO-Biosphärenreservate. Gerade bei den zweijährigen Treffen der europäischen Biosphärenreservate habe ich gespürt, dass der Bliesgau zu dieser großen, weltweiten „Familie“ dazu gehört und wir gemeinsam an einer guten und großen Idee arbeiten. Ich habe gespürt, dass auch unsere gefühlt „kleinen“ Projekte im Bliesgau für mehr Klimaschutz, für mehr Biodiversität und für mehr Nachhaltigkeit auf das große Ganze weltweit einzahlen und wichtig sind. Alles, was wir tun, hat immer auch seine Auswirkungen auf die Entwicklung und den Zustand dieser Welt. Diese Treffen haben mir immer sehr viel „Unterstützung“ mitgegeben, später für die tägliche Arbeit. Alle Bewohner im Biosphärenreservat Bliesgau sollten spüren und stolz sein, dass wir zur großen, die Welt umspannenden UNESCO-Familie gehören. Die UNESCO-Anerkennung ist eine große und einmalige Auszeichnung für die Region, die es wert ist, sich dafür einzusetzen. Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Biosphärenreservats Bliesgau? Welche Themen werden in den kommenden Jahren entscheidend sein? Ich wünsche mir für die Zukunft mehr Unterstützung für das Biosphärenreservat aus der Politik. Man hatte oftmals das Gefühl, dass man völlig allein an der nachhaltigen Entwicklung arbeitet. Wir brauchen mehr Unterstützung von unseren Kommunen und auch von der Landesregierung. Dabei geht es oft nur um die richtige Wertschätzung für die Region und das Biosphärenreservat, die dann auch die Bevölkerung spürt und diese in ihren Aktivitäten stärkt. Wenn alles nur so „unbeachtet dahinplätschert“, ist das schlecht und für viele Akteure demotivierend. Das Biosphärenreservat wird sich in Zukunft noch mehr um die Klimawandelanpassung kümmern müssen. Dafür wird man viele Unterstützer und Fördergeber brauchen, die sich um dieses Thema kümmern, um notwendigen Projekte durchzuführen. Das Wasser beispielsweise wird zukünftig immer weniger für und in den Böden verfügbar sein. Wir brauchen Strategien, um es möglichst lange in der Landschaft und im Boden zu halten für die Natur und für die Landwirtschaft, letztlich auch für die notwendige Trinkwasserneubildung. Mit Ihrem Ruhestand endet ein bedeutendes Kapitel. Fällt Ihnen der Abschied schwer – oder überInterview mit Dr. Gerhard Mörsch Abschied als Geschäftsführer des Biosphärenzweckverbandes Bliesgau

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