Die Biosphäre im Herbst

13 Die Rundschau für das Biosphärenreservat Bliesgau September – November 2022 „Das Prinzip ist eigentlich ganz einfach: Da kann alles rein, was eine Kuh auch fressen würde!“ So stellt Katrin Pütz uns die Wirkungsweise der Mikro-Biogasanlage vor. Das, was viele als große Tanks in der Landschaft kennen, funktioniert nämlich auch im Kleinen. Es sind quasi nur zwei gasdichte Gewebesäcke, die über ein Rohr- und Schlauchsystem angeschlossen werden. Katrin Pütz hat dieses simple Prinzip mit ihrem „Social Business“ (B)energy entwickelt und schafft damit ein weltweites Netz aus Installateuren, Gasproduzenten und Endverbrauchern. Ihr geht es nicht darum, Profit zu machen, sondern das Biogas denMenschen näher zu bringen und letztlich auch Wirtschaftssysteme vor Ort zu schaffen und zu unterstützen. Das Beste daran ist, dass augenJunge Biosphäre Eine Biogasanlage selbst gebaut: Foto: LuisaMorlo scheinlicher Abfall genutzt wird, um das Gas zu produzieren und dies im Anschluss sogar noch als Dünger fungiert. „Wir setzen den Abfall ein, um einen nachhaltigen Kreislauf zu erzeugen“ so Pütz. Möglich ist das Projekt durch das Engagement und die Idee von Michelle Herrmann und Tobias Binkle. Die beiden Studierenden kamen im Rahmen eines Junge-Biosphäre-Workshops im vergangenen Jahr auf die Projektleiterin Carmen John zu und entwickelten dann gemeinsam das Konzept für das Biogas-Projekt. Durch die Kooperation der Jungen Biosphäre mit der aej saar (Arbeitsgemeinschaft der evangelischen Jugend) wurde der geeignete Ort für den Aufbau der Anlage gefunden: im Jugendgarten der aej. Ziel: Zügig Alternativen zu fossilen Energieträgern bereitstellen Und so funktioniert es: Als Starter braucht die neu errichtete Anlage Gülle, welche der Biolandhof Wack gestiftet hat. „Der Transport der 2000l flüssigem Kuhdung war spannend und hat uns zu kreativen Höchstleistungen angetrieben“ fasst Lennart Berwanger von der aej saar zusammen. „Es ist wichtig, zügig Alternativen zu fossilen Energieträgern bereitzustellen und zu nutzen“, erläutert Initiatorin Michelle Herrmann. „Biogas und -methan scheint auf den ersten Blick ein perfekter Ersatz für unser Erdgas zu sein - allerdings ist die Thematik nahezu vollständig aus dem öffentlichen Diskurs verschwunden und war in der Vergangenheit häufignegativ konnotiert.“ Infotafeln für Interessierte WermehrüberBiogasunddieWirkungsweiseder Anlage kennenlernen will, kann sie sich vor Ort erklären lassen und ins Gespräch kommen. „Wir arbeiten außerdem gerade daran Infotafeln und Materialien zu erstellen, die vor Ort installiert werden sollen“, erklärt Carmen John, die das Projekt Junge Biosphäre koordiniert. In der letzten Schulwoche vor den Sommerferien war die Junge Biosphäre amBBZ St. Ingbert unterwegs. Bei der Projektwoche zum Thema Nachhaltigkeit sollten bei unterschiedlichen Workshops verschiedene Biosphären-Themen an die Jugendlichen vermittelt werden. Aber nicht nur das Lernen war dabei wichtig: Auch das Mitmachen und aktive Erleben sollten dabei helfen, die jungen Menschen in ihrem Alltag für diese Dinge zu sensibilisieren. Viele unterschiedliche Themen Am 1. Projektwochen-Tag ging es in einem Quiz um das Thema Insekten und Artenvielfalt. Danach wurden gemeinsam „Seedballs“ –also kleine Samenkugelnmit regionalen Blumensaat-Mischungen der Haseler Mühle – hergestellt und auf der im vergangenen Jahr gemeinsamangelegten Blühflache vor der Schule ausgeworfen. Am nächsten Tag stand das Thema Naturkosmetik auf dem Programm. Vor allem die Themen Mikroplastik, Verpackungsmüll sowie schädliche Inhaltsstoffe inKosmetikproduktenwurden hierbei behandelt. Außerdem konnten die jungen Erwachsenen sehen, wie schnell und mit wenigen Zutaten Kosmetik hergestellt werden kann. Das nächste große Thema, dem sich die Jugendlichen im Rahmen ihrer Projektwoche gewidmet haben, war das Thema Lebensmittelverschwendung. Gemeinsam mit der Foodsharing-Initiative wurden Lebensmittel amVortag gerettet und diese dann gemeinsam zu einem leckeren Frühstück verarbeitet. Nachhaltigkeit muss nicht immer kompliziert sein Beim letzten Workshop in St. Ingbert bekam die Junge Biosphäre professionelle Unterstützung von Christine Littig von „Kräuter und Co.“ Aus Salbeiblättern wurde zunächst ein Tee gekocht, der dann mit Apfelessig und ätherischen Ölen vermischt zu einem wirksamen Sprüh-Deo verarbeitet wurde. Viel Spaßmachte vor allem, aus den vielen verschiedenen ätherischen Ölen einen „eigenen“ Deoduft zu kreieren. Ein Fazit der Woche lautete: „Das ist ja echt einfach und kann man zuhause ganz schnell selbst machen!“ Also genau das, was die Junge Biosphäre mit den Workshops bewirken wollte – denn Nachhaltigkeit muss nicht immer kompliziert sein, sondern passt ganz oft mit Spaß in den Alltag. Safe the date: Permakultur-Workshop am1. und 2. Oktober 2022 Die Junge Biosphäre lädt auch in diesem Jahr wieder zu einem Workshop zumThema Permakultur im ökologischen Schullandheim Spohns Haus ein. An zwei Tagen führen die ReferentenHannes Ballhorn und Stefan Pötzsch in die Theorie der Permakultur ein und geben Tipps für die eigene Balkon- und Gartengestaltung. Es warten also zwei spannende Tage mit vielen Infos und auch praktischen Impulsen. Der Workshop wird durch eine Förderung der Jungen Biosphäre durch Saartoto finanziert und ist somit für die Teilnehmenden kostenlos. Es gibt eine begrenzte Anzahl von Plätzen, also bei Interesse gerne direkt anmeldenbei carmen.john@saarpfalz-kreis.de Bei der Projektwoche imBBZ konnten viele Themen bearbeitet werden. Foto: Carnen John Gülle, Schweiß und Energie: Bau einer Mini-Biogas-Anlage beimProjekt „Junge Biosphäre“ Junge Biosphäre bei der Nachhaltigkeitswoche amBBZ St. Ingbert Müll ist etwas allgegenwertiges, wir findenmittlerweile kaumnoch Orte, an denen keiner rumliegt. Denn auch wenn man ihn nicht sieht, haben sich Mikroplastikpartikel schon imBoden abgesetzt. Um diesem Prozess entgegen zu wirken, engagierten sich die Junior-Ranger am Europäischen Kulturpark in Bliesbruck-Reinheim bei ihrem vierten Treffen. Unter der Anleitung des Referenten Sebastian Haßler des Vereins Cleanup Saarland wurden rund 21 kg Müll gesammelt. Zielort für die Müllsammelaktion ist eigentlich ein Parkplatz um Müll, Müll und nochmehr Müll! – Junior-Ranger arbeiten dagegen an die Ecke, doch schon der rund 300 Meter lange Weg entpuppt sich als wahre „Schatzkammer“ weggeworfener Dinge: Die zwischen 9 und 15 Jahre alten Kinder und Jugendlichen sammeln fleißig verrostete Metallstücke, Zementsäcke, jede Menge Plastikverpackungen, Flaschen aus Plastik und Glas, Papierreste sowie alte Taschentücher, unbenutzte Hundekottüten und ein Sammelsurium an Artikeln, die man oft gar nicht mehr erkennen kann. Rund 21kg Müll kam in nur einer Stunde zusammen. Sebastian erzählt, dass eine der größten Mengen, die Cleanup Saarland in einer Gruppe gesammelt hatte, mehr als 750 kg an einem Tag betrug. Bei der Gruppenstunde wurde neben der Praxis auchWissens- und Lernenswertes rund um das Thema Müll vermittelt. AnhandeinesZeitstrahlswurde geschaut, wie lange alltägliche Gegenstände brauchen, umsich zu zersetzen. Lösungsansätze sind vielfältig, meint der Verein Cleanup Saarland: „Auch, wenn ein Einzelner nicht die Welt retten kann, kann jeder Einzelne etwas dazu beitragen, dass mehr Müll aus der Umwelt verschwindet und dass weniger Abfall produziert wird!“ Selbst die Kinder und Jugendlichen wissen, dass zu viel Müll schlecht ist und, dass man beim Einkaufen einfach darauf achten kann, weniger Plastik zu kaufen und bewusster die Einkäufe zu erledigen. DauerthemaMüll imWald. Foto: Pixabay

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