Die Biosphäre Bliesgau im Sommer

15 Die Rundschau für das Biosphärenreservat Bliesgau Juni – August 2024 Aus der Nachbarschaft . . . Eine erfolgreiche Idee mit Perspektive Geboren wurde die Idee der Waldwerkstatt in der Zusammenarbeit mit Lothar Wilhelm, der auf Projekte im Kontext mit Wald spezialisiert ist. Bürgermeister Michael Adam lud ihn 2017 ein, um einen nahe der Stadt Sulzbach gelegenen Wald zu einem „Abenteuer- und Entdeckerwald“ zu entwickeln. Den Impuls gab ein bereits eingerichteter „Karl-May-Wanderweg“, der auf den Spuren des Abenteurers und Kinderbuchautors schon einige Jahre bestand. Der Natur- und Kulturberater Wilhelm ist kein Unbekannter in der Szene, er entwickelte bereits das Konzept für das Waldkultur-Zentrum „Scheune Neuhaus“ inmitten des Urwaldes vor den Toren der Stadt Saarbrücken und berät den Saarpfalz-Kreis seit vielen Jahren bei seinen touristischen Aktivitäten. Als ersten Schritt auf dem Weg zu einem attraktiven Waldzugang für Kinder schlug er als Tages-Aktion eine „Waldwerkstatt“ am 1. Mai 2018 vor. Ort des Geschehens: Eine Schlucht und ehemaliger Schießstand mit mehr als 100 m Länge und so abenteuerlicher Anmut wie die Romane des Indianerpoeten Karl May. Wilhelm: „Hier hätten im Wilden Westen früher bestimmt die Sioux die Postkutsche überfallenen!“ Dank seiner vielverzweigten Kontakte zu Natur- und Waldpädagogen, Musikern und Wildnislehrern startete diese erste Waldwerkstatt mit einem breiten Angebot und großer Resonanz. Ein Atelier im Wald für Jung und Alt „Das Fest viel völlig aus dem Rahmen dessen, was man gemeinhin so kennt. Weil die Werkstatt voll und ganz auf originelle Mitmach-Angebote setzte und der Kommerz außen vor blieb, was allein schon für sich erfrischend war. Schnitzen, Sägen, Drechseln, auf einem Seil balancieren mit Unterstützung anderer Kinder, das und vieles andere mehr galt es zu erleben und gestalten“ lobte die Saarbrücker Zeitung tagsdrauf überschwänglich. Die Philosophie der Waldwerkstatt ist klar: Naturmaterialien kennen lernen und mit ihnen kreativ arbeiten, spielen und gestalten, erfahren mit Werkzeugen umzugehen und Leder oder Holz mit seinen vielfältigen Eigenschaften entdecken und bearbeiten können. Aber auch neue Aspekte durch Holzhandwerker anderer Kulturen kennenzulernen, wie Omar mit seiner Schnitzkunst oder Hany aus Syrien mit seiner Ornamentmalerei in den Jahren darauf. Eine Bereicherung waren die Akteure von „WaldWerken“ als Projekt der Biosphäre Bliesgau. Sie lieferten einen besonderen Beitrag auch zur diesjährigen Waldwerkstatt mit ihrem Projekt „Wildholzbau“. Und auch die Perspektive für die nächsten Jahre steht für die Akteure bereits fest. Zusammen mit Bürgermeister Michael Adam will Lothar Wilhelm mit seinem Team Wege entwickeln, Kindern den „Nachhaltigkeits“-Gedanken spielerisch und naturpädagogisch näher zu bringen. Und das wie bisher mit praktischen Mit-mach-Aktivitäten über die einmalige Aktion am 1. Mai hinaus. Mehr wollte man sich leider aus der Ideenschmiede noch nicht entlocken lassen. Man kann also gespannt sein. Stimmen von Teilnehmern nach der 5. Sulzbacher Waldwerkstatt Norbert Margardt: „Ich bin einer derjenigen, die seit Beginn bei allen Waldwerkstätten dabei gewesen war. Leder ist halt mein Ding und die Leder-Objekte zu machen ist immer gut angekommen. Mir ist aufgefallen, dass von Jahr zu Jahr deutlich mehr Familien unsere Angebote wahrnehmen. Das ist einerseits gut, andererseits müssen wir Wege finden, es für alle stressfrei zu halten, vielleicht noch ein paar Akteure einzuladen, dass sich die große Nachfrage auf mehr Aktivitäten besser verteilt.“ Leonie Dauer: „Bei der letzten Waldwerkstatt hatten die Kinder aus Holzbrettchen Wildschweine mit der Laubsäge ausgesägt als Unterstützung für die Zertifizierung von regionalem Qualitäts-Holz durch PEFC. Für diese Waldwerkstatt haben wir uns etwas anderes einfallen lassen zum Thema Zertifizierung. Die Kinder konnten Jutesäckchen mit Stempeln nach ihren eigenen Vorstellungen bedrucken. Das hat sich als Idee einfach angehört, hat sich aber in der Vorbereitung als ganz schön arbeitsintensiv erwiesen. Den Kindern hat es jedenfalls Spaß gemacht und wir waren froh, dass wir mal etwas anderes ausprobiert haben.“ Omar Zlak: „Ich komme aus Damaskus und diese Stadt ist eine der ältesten kontinuierlich bewohnten Städte der Welt und hat natürlich auch ein reichhaltiges Handwerkswissen. Bei der letzten Waldwerkstatt haben Kinder bei mir geschnitzt und dieses Mal habe ich als Schreiner dieses ganz alte Handwerk des Wippdrechselns vorgestellt und die Kinder hatten einen totalen Spaß, selbst Sachen herzustellen. Vom Förster hatten wir auch perfektes Holz zur Verfügung gestellt bekommen. So eine Art von Veranstaltung habe ich in meiner Heimat noch nie gesehen. Eine prima Idee!“ Silke Reinig: „Auch ich bin, zusammen mit meiner Freundin Eva Rabanus, eine derjenigen, die seit Beginn bei den Waldwerkstätten dabei ist. Dudweiler – von Sulzbach aus gesehen auf der anderen Seite des „Brennenden Berges“ gelegen, ist mir seit Jahren eine zweite Heimat geworden, wobei meine erste Heimat nicht ganz so weit weg liegt wie die von Omar ;)) Die ersten Jahre haben wir als NABU-Wolfsbotschafterinnen zu dem faszinierenden Wildtier „Wolf“ die vielen Fragen großer und kleiner Besucher beantwortet und auch die eine oder andere Aktivität zu diesem Thema angeboten. Dieses Jahr sind wir – ganz wie die Wildtiere selbst – barfuß unterwegs gewesen und haben mit den Kids gemeinsam einen Barfußpfad angelegt und ausgiebig ausprobiert und genossen: bei dem warmen Wetter wahrlich eine Wohltat! Meine persönliche Leidenschaft als Naturerlebnis-Pädagogin ist es, große und kleine Menschen (wieder) mit der Natur und damit auch sich selbst in Berührung zu bringen. Dafür bietet die Waldwerkstatt einen wunderbaren Rahmen, den ich sehr gerne nutze!“ Einige Orte nahe der Blies kamen bei diesem Hochwasser nicht mehr glimpflich davon, so eine Bilanz der Hochwasserlage im Saarpfalz-Kreis. Straßenzüge in Homburg, Mandelbachtal, Kirkel und Gersheim sowie die Innenstadt von Blieskastel mit ihren Bewohnerinnen und Bewohner tragen erheblich Schäden davon. Auch den Europäischen Kulturpark in Reinheim hat es schwer getroffen. Es wird viel Zeit vergehen, bis wieder eine gewisse Normalität einkehren kann. Mehrere Hundert Einsätze koordiniert - Landrat vor Ort Vom Krisenstab der Unteren Katastrophenschutzbehörde des Bewegende Solidarität Saarpfalz-Kreises im Homburger Landratsamt wurden mehrere Hundert Einsätze der Spezialkräfte von Feuerwehr, THW, Bundeswehr, DRK, Malteser Hilfsdienst, privatem Rettungsdienst und den überörtlichen Kräften aus den anderen Landkreisen und dem Bundesgebiet koordiniert. Der Landrat Dr. Theophil Gallo dazu: „Besonders freue ich mich über die zahlreichen Bürger aller Altersgruppen, die in den Gemeinden in einer bewegenden Solidarität ihre Hilfe angeboten und ohne große Umschweife mit angepackt haben, um ihren Ort und damit unseren Kreis vor weiteren Schäden zu bewahren. Wir werden auf Basis der vielfältigen Erfahrungen in den nächsten Wochen eine ganze Reihe von Blieskastel hatte das Hochwasser ganz besonders in der Innenstadt getroffen. Foto: Saarpfalz-Kreis Hausaufgaben zu erledigen haben. An erster Stelle steht die Auswertung der Erkenntnisse aus dem aktuellen Starkregen- und Hochwasserereignis. Wir müssen uns zukünftig auch auf die Bewältigung zahlreicher anderer Ereignisse einstellen. Es ist davon auszugehen, dass es zunehmend Unwetterereignisse wie diese – aber auch andere Naturereignisse wie Hitze- und Dürreperioden oder Vegetationsbrände geben wird, eventuell sogar in einer dichteren Abfolge“. Das erfordere eine konsequente Optimierung der Einsatzpläne und die Stärkung der Strukturen im Bereich der Gefahrenabwehr, aber auch die frühzeitige Beschaffung des zur Bewältigung der Ereignisse erforderlichen Equipments. Klar ist, dass wir solche Ereignisse nur gemeinsam bewältigen können: die Gemeinden auf interkommunaler Ebene gemeinsam mit den Landkreisen und dem Land. Alle sind hier gleichermaßen gefordert. IMPRESSUM Herausgeber/verantwortlich für Anzeigen und Vertrieb: Andrea Klein, Auf‘m Hahnacker 1, 66583 Spiesen-Elversberg, Tel. 06821 9728359, Fax 06821 73403, E-Mail: rundschau@t-online.de. Redaktion: Andrea Klein (V. i. S. d. P.); Redaktionsleitung: Barbara Hartmann. Titelfoto: „Eine Oase der Entspannung, der Wald in St.Ingbert“, Stadt St Ingbert. Layout und Druckvorstufe: Siffrin.net CrossMedia UG, Mandelbachtal-Ommersheim. Druck und Weiterverarbeitung: johnen-druck GmbH, Bernkastel-Kues. Alle Rechte vorbehalten. © 05/2024.

RkJQdWJsaXNoZXIy NjQ0NDQ=