Die Biosphäre im Herbst

16 Die Rundschau für das Biosphärenreservat Bliesgau September – November 2021 Der Biosphären-Geschichte Der WaldPark Schloss Karlsberg, der sich von Sanddorf über die saarländisch-pfälzische Grenze erstreckt, hält für seine Besucher überaus spannende Geschichten und kleine Geheimnisse bereit. Mit seinen erhaltenen und teil- weise neu in Szene gesetzten Re- likten stellt das Waldgebiet einen touristischen „Leuchtturm“ un- serer Region dar. Ein ganz besonderes Kapitel ver- knüpfte nun die Geschichte des Karlsberges im Jahr 2003 mit der des Edelhauses im Römermuse- um in Schwarzenacker. 30Gemäl- de treten in der Rolle der Vermitt- ler zwischen den Bauwerken auf. Seitdem werden diese Prunkstü- cke der einstigenBildersammlung des Herzogs Karl II. August von Pfalz-Zweibrücken (1746-1795) in der Galerie im Edelhaus als Dauerleihgabe der Bayerischen Gemäldesammlungen in Mün- chen ausgestellt. Edelhaus als Ort für vergangene Schätze Das barocke Edelhaus, das auf einen Entwurf des schwedi- schen Baumeisters Jonas Erikson Sundahl (1678-1762) zurückgeht, war schon im späten 18. Jahrhun- dert mit dem Karlsberg verbun- den. Herzog Karl II. August ließ damals den Maler Johann Chris- tian Mannlich (1741-1822) in der Nähe nach Münzen und „Alter- tümern“ aus der Antike gegra- ben, um sie den Sammlungen auf dem Karlsberg einzuverleiben. Es bestand jedoch, so befand Mann- lich damals, „nicht die geringste Hoffnung, eine Venus, einen Lao- koon oder Apoll zu finden“. Ein Schatzfund blieb Mannlich ver- wehrt. Dass eigene Werke zwei Jahrhunderte später als Schatz an diesen Ort zurückkehren würden, hätte er niemals gedacht. 2000 Gemälde in der Sammlung der „Zweibrücker Malerschule“ Ihren ursprünglichen Platz hat- ten die imEdelhaus gezeigten Ge- mälde in der Gemäldegalerie des Schlosses auf dem nahen Karls- berg, das sich der Herzog ab 1777 hatte erbauen lassen. Galt das In- teresse des Herzogs anfänglich mehr den Naturwissenschaften als der Kunst, so änderte sich dies ausgesprochen plötzlich. Nach- dem er die kleine Kollektion des Malers JohannChristianMannlich (1741-1822) in dessen Wohnung zu Gesicht bekommen hatte, war seine Sammelleidenschaft ent- flammt. Am Ende waren es 2000 Gemälde, die im Schloss selbst keinen Platz mehr fanden. Sie wurden in einer Bildergalerie un- tergebracht, welche die wenigen Zeitgenossen in Erstaunen ver- setzte, die sie damals überhaupt betreten durften. Niederländi- sche und flämischeMaler bildeten den Schwerpunkt, ergänzt durch deutsche, italienische und fran- zösische Künstler. Zudem hatte Mannlich der Sammlung Werke zeitgenössischer Künstler beige- fügt, die sich schon unter Herzog Christian IV. am Zweibrücker Hof zusammengefunden hatten. Auch eigene Bilder und Gemälde seines Vaters gehörten dazu. Heute be- zeichnet man sie als die „Zwei- brücker Malergruppe“. 1793 marschierten französi- sche Revolutionstruppen auf und rückten dem Feenschloss auf dem Karlsberg zu Leibe. Mannlich schaffte die Gemälde durch eine Geheimtür aus dem Schloss und von dort nach Mannheim. Nach dem plötzlichen Tod des Herzogs im Jahr 1795 gelangten sie nach München und wurden Bestand- teil der Schätze der dortigen Pina- kothek, bis einige wieder den Weg in die Nähe ihrer ursprünglichen Aufhängung antreten durften. Neue Kooperation erinnert. Studierende erarbeitenWerke neu inmodernen Formaten Leider sind diese Galerie im Edel- haus und der „Schatz“ unserer Region, der sich daran knüpft, ein wenig in Vergessenheit geraten, obwohl doch das einstige Wohn- haus des Freiherrn von Ambot- ten, der angrenzende Barockpark und die Gemälde ein so wunder- bares Ensemble bilden. Abhil- fe schaffte nun eine Kooperation der Museumsleiterin des Römer- museums, Sabine Emser, und Dr. Jutta Schwan als wissenschaftli- cher Mitarbeiterin im Kulturma- nagement des Saarpfalz-Kreises mit Prof. Barbara Christin von der Hochschule Kaiserslautern. Prof. Barbara Christin hat die dorti- ge Professur für Audio- und Vi- deoproduktionen inne und stell- temit 30 ihrer ebenso engagierten wie talentierten Studierenden der Hochschule in Zweibrücken ein Semesterprojekt auf die Beine. Die Studentinnen und Studen- ten erweckten die Bilder in un- terschiedlichster Weise mit Sach- verstand, Kompetenz und Herz- blut zu neuemLeben. Mittels neu- er Medien wurden die Bilder der Zweibrücker Malerschule für ein breiteres Publikum in völlig neu- es Licht gesetzt. In Teams erar- beiteten sie Projekte in frischen, digitalen Video- und Audio-For- maten, die im Edelhaus im Bei- sein von Philipp Scheidweiler, dem Geschäftsführer der Stiftung Römermuseum, des ersten Beige- ordneten Dieter Knicker als Ver- treter für den Saarpfalz-Kreis und vonRichardWeber für die Stiftung Karlsberger Hof mit einer Präsen- tationoffiziell vorgestellt wurden. Weitere Informa- tionen: www. roemermuseum- schwarzenacker.de Gruppe der Studierendenmit Dr. Jutta Schwan (hintere Reihe, rote Jacke) und Prof. Barbara Christin (links daneben). Foto: Sabine Emser Zeitreise in die Gemäldegalerie von Schloss Karlsberg Foto: Sebastian Bauer Trinken Krane- wasser! Reinhold Jost Minister für Umwelt und Verbraucherschutz Weitere Informationen unter: wasser.saarland.de

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