Die Biosphäre im Herbst

4 Die Rundschau für das Biosphärenreservat Bliesgau September – November 2022 Energiesparen Die Nachrichten malen Horrorszenarien. Handwerkliche Unternehmen, die bei Produktion und Wartung viel Energie benötigen, müssen sich auf härtere Zeiten einstellen. Unterstützung dabei gibt es für alle Gewerke beim Saar-Lor-Lux-Umweltzentrum in Saarbrücken. Mit Hilfe der „Mittelstandsinitiative Energiewende und Klimaschutz“, die durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert wird, unterstützt das Team die Handwerksbetriebe beim Analysieren der Energiedaten und bei der Umsetzung der Energiesparmaßnahmen. Basis ist eine elektronische Plattform, das „E-tool“ sowie der umfangreiche Leitfaden Energieeffizienz im Handwerk.. Die Software ist einfach und selbsterklärend zu bedienen. Unterstützung gibt es jederzeit von Hans-Ulrich Thalhofer, Geschäftsführer des Saar-Lor-Lux-Umweltzentrums und seinem Team. Wir sprachen mit demEnergieexperten: Herr Thalhofer, wie schätzen Sie die nächsten zwölf Monate im Energiebereichein.Washabendie Handwerksbetriebe zu erwarten? Wir erlebengeradeeinegroßeVeränderung auf den Energiemärkten. Lange gekannte Energieversorgungsstrukturen brechen zusammen und es wird uns mit aller Brutalität deutlich in welche Abhängigkeiten wir uns in den vergangenen Jahrzehnten begeben haben. Der Ausbau der ErneuerbarenEnergienaber auchdieUmsetzung von Energieeffizienzmaßnahmen werden von zentraler Bedeutung sein. Wie sich der Markt in den kommenden zwölf Monaten entwickelt ist schwer abzuschätzen. Klar ist aber, dass wir nicht mehr in einer Energieversorgungswelt ankommen werden, wie wir sie vor dem 24. Februar 2022, dem Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine, gekannt haben. Die Betriebe werden sich mit steigenden Energiekosten auseinandersetzen müssen. Die gute Nachricht ist, dass es in allen Betrieben Einsparpotenziale gibt, die durchschnittlich zwischen 10% und 20% liegen. Jeder Betrieb ist also aufgerufen tätig zu werden, um diese Einsparpotenziale zu identifizieren und diese zu heben. Dabei wird dasHandwerkvondenkostenfreien Beratungsangeboten der Mittelstandsinitiative Energiewende und Klimaschutz mit dem E-Tool unterstützt. Welche Handwerksbetriebe benötigen Ihre Hilfe ganz besonders? Alle Gewerke des Handwerks sind betroffen. Wir haben natürlich besonders energieintensive Gewerke wie zum Beispiel die Bäcker, die Frisöre, die Textilreiniger aber auch die KFZ-Betriebe, den Metallbau und die Fleischer. Alle sind von den Preissteigerungen stark betroffen. Es geht aber auch um das Thema Mobilität und die stark gestiegenen Spritpreise. Hier sind alle Handwerksbetriebe betroffen, die auf Fahrzeuge angewiesen sind, umzu ihrenKunden zu kommen. Es gibt also kein besonderes Gewerk, das mehr oder weniger betroffen wäre. Alle Handwerksbetriebe sind von den Preissteigerungen betroffen. Die Betriebe brauchen Unterstützung, um die Energieverbräuche zu identifizieren, die bekommen sie vom SaarLor-Lux Umweltzentrum. Es bedarf aber auch einer finanziellen Unterstützung bei der Umsetzung der Maßnahmen. Hier ist die Politik gefordert entsprechende Förderprogramme und Entlastungsmaßnahmen bereitzustellen. Das Handwerk wird als Umsetzer von Klimaschutz- und Energieeffizienzmaßnahmen aber auch als Dienstleister in vielen Bereichen des täglichen Bedarfs dringend gebraucht und muss deshalb unterstützt werden. 3. Was raten Sie den Handwerksbetrieben in einemersten Schritt? Wer sich energieeffizienter aufstellt spart bares Geld – in Zeiten steigender Energiekosten stehen effizient ausgerichtete Betriebe sichtlich besser da. Wer aber Kostensparenmöchte,muss zunächst verstehen, wo im Unternehmen überhaupt wie viel Energie verbraucht wird. Man muss sich also im ersten Schritt mit seinen Verbräuchen auseinandersetzen, um dann entscheiden zu können, wo man am besten ansetzen sollte bzw. ansetzen kann und welche Maßnahmen den größten Erfolg versprechen. Dieser Prozess lässt sich mit dem E-Tool der Mittelstandsinitiative gezielt darstellen und begleiten. Um was genau handelt es sich bei der Lösung „E-tool“? Das E-Tool ist ein kostenloses digitales online-Werkzeug mit dessen Hilfe betriebliche Energiedaten systematisch erfasst und zentral gesammelt werden können - sie bilden so eine Basis für das eigene Monitoring sowie eine Entscheidungsgrundlage hinsichtlich zukünftiger Effizienzmaßnahmen. Welche Daten liefert die Software bzw. welche Fragen beantwortet sie? Neben der reinen Sammlung der betrieblichen Energiedaten ermöglicht das E-Tool eine individuelle Auswertung der Jahresenergieverbräuche und der zugehörigen CO2-Emissionen (Erstellung CO2-Fußabdruck möglich!) sowie die Darstellung von Kennzahlen zur Bewertung und Einordnung. Dies ist nicht nur für einen einzigen Standort möglich, sondern auch für Mehrere (z.B. Hauptstandort und Filialen / Lager etc.). Dabei bietet das Tool auch die Möglichkeit, sichmit anderen Betrieben des eigenen Gewerks zu vergleichen, um so besser zu verstehen, wo man imHinblick auf seine Verbräuche steht. Alle diese Informationen können über Jahre hinweg übersichtlich verfolgt werden. Das E-Tool stellt den Nutzern außerdem verschiedene „Zusatzmodule“ für die praktische Alltagsarbeit zur Verfügung und beantwortet so, neben den Standardfragen „Welche Energieträger benötige ich in meinem Betrieb?“, „Wie viel Energie verbrauche ich?“, „Was kostet mich das?“, „Wie veränHans Ulrich Thalhofer, Geschäftsführer Saar-Lor-Lux UmweltzentrumGmbH. Foto: Jennifer Weyand BeimEnergie sparen im Handwerk gibt es jedeMenge Unterstützung. Foto: pixabay Energiesparen fürs Handwerk leichtgemacht Handwerksbetriebe benötigen häufig viel Energie und die wird immer teurer. Erschreckend teurer, so dass die höheren Kosten ordentlich zu Buche schlagen werden. Die gute Nachricht: Es gibt kostenfreie Lösungen, wie jedes kleine oder größere Unternehmen seine Energiedaten erfassen, analysieren und damit effizienter einsetzen kann. dert sich dieser Verbrauch über die Jahre?“ auch weitere wichtige Aspekte wie „Lohnt sich eine Photovoltaik-Anlage für mich?“ (siehe PV-Rechner), „Habe ich ein Anrecht auf Strom- und Energiesteuer-Rückvergütung?“; „WelcheMehrkosten entstehen inmeinemBetrieb durch die 2021 eingeführte CO2-Bepreisung?“, „Wie hoch sind die durch meinen Betrieb verursachten klimarelevantenEmissionen (siehe CO2 Fußabdruck)?“ u.v.m.. Zudem lässt sich ein „Betriebsentwicklungsplan“ erstellen, der einen strukturierten Überblick über den Status Quo und die Entwicklungsperspektiven des Unternehmens bietet. Wie sieht die Handhabung in der Praxis aus? Das Tool wurde speziell für kleine und mittlere Betriebe entwickelt und ermöglicht eine konsequent einfache Datenerfassung über einen Schritt für Schritt-Modus. Es wurde intuitiv gestaltet und gleichzeitig mit zahlreichen Hinweisen versehen, sodass bei jedem Eingabeschritt erläutert wird, was genau zu tun ist. Es kann somit i.d.R. von jedem Nutzer ohne großes Vorwissen angewendet werden. Einmal eingerichtet, können die erforderlichen Daten mit sehr geringem Aufwand jährlich erfasst werden und zeigen so, wie sich die betriebliche Situation über die Jahre verändert. Wer dennoch auf Probleme stößt und Hilfe beimAusfüllen des E-Tools benötigt, kann seine Daten online mit einem Berater des Umweltzentrums teilen. Dieser meldet sich dann und bietet entsprechende Unterstützung – sowohl im Sinne einer „Ferndiagnose“, gerne aber auch im Rahmen eines Vor-OrtTermins imBetrieb. Wie geht es weiter, wenn die Daten analysiert sind? Die Datenauswertung erfolgt im Tool größtenteils automatisch – für die Interpretation dieser Auswertung kann es hilfreich sein, sich Unterstützung von Experten zu holen, gerade wenn es um die zukünftige Umsetzung von Effizienzmaßnahmen oder um entsprechende Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen geht. Die Experten kennen typischerweise auch die relevanten Förderprogramme, und unterstützen bei der Antragstellung. Infos zum E-Tool und eine interaktive Karte zu den Modellbetrieben – im Saarland sind es vier – findet man unter www.energieeffizienzhandwerk.de und www.saar-lor-luxumweltzentrum.de Mehr dazu unter www.johnen-gruppe.de

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