Die Biosphäre im Herbst

6 Die Rundschau für das Biosphärenreservat Bliesgau September – November 2022 Ziel der Landesregierung ist es, bis 2030 den Anteil erneuerbarer Energien im Saarland zu verdoppeln. Ein sportliches Ziel, das nur mit Großprojekten wie das der Saarbrücker Greencells umgesetzt werden kann. Eines davon entsteht derzeit auf einem Bergplateau oberhalb von Bliesransbach. Greecells baut dort gemeinsam mit der Gemeinde Kleinblittersdorf einen 21 Hektar großen Solarpark, dessen 34Tausend Solarmodule abNovember dieses Jahres für alle Kleinblittersdorfer Haushalte Stromerzeugenwird. Über 20Megawarr. Derzeit werden die Module mit Maschinen aufgestellt. Sie arbeiten mit modernster Technik: „Die Module folgen der Sonne von morgens nach abends nach einer Achse. Und diese Module, die wir verwenden, erzeugen von beiden Seiten Energie. Das heißt, nicht nur die Sonneneinstrahlung, sondern auch das reflektierte Licht vom Boden erzeugt elektrische Energie. Wir haben dadurch 20 Prozent mehr Energieausbeute“, erklärte der Geschäftsführer von Greencells, Andreas Hoffmann dem SR. Dies sei einzigartig inDeutschland. Neben dem Beitrag zur Nachhaltigkeit durch grünen, Co2 -freien Strom wird der Solarpark auch einen direkten Vorteil für die Kleinblittersdorfer Bürger bringen. Durch das Konzept der Bürgerbeteiligung wird es den Bürgern der Gemeinde möglich sein, sich über eine Genossenschaft finanziell am entstehenden Park zu beteiligen. Bürger aus der Gemeinde Kleinblittersdorf können sich bevorzugt amProjekt beteiligen, danach steht dieBeteiligung allen interessierten Bürgern offen. Der Startschuss für die finanzielle Bürgerbeteiligung soll nach heutiger Planung mit dem Netzanschluss erfolgen. Die Öffentlichkeit wird hierzu rechtzeitig und im Vorfeld über die regionalen Medien und das Internet informiert werden. Wirtschafts- und Energieminister Jürgen Barke: „Der Bürgersolarpark Hartungshof ist ein Vorzeigeprojekt, das uns einen weiteren Schritt in Richtung unabhängige Energieversorgung bringt. Der massive Ausbau der Erneuerbaren Energien ist längst nicht mehr nur ökologisch geboten, sondern auch industriepolitisch. Langfristig ist das der Weg, um die Abhängigkeit von Öl und Gas zu reduzieren und Der Spatenstich amHartungshof. Foto: Greencells Im Rahmen des von der EU geförderten Projekts „LIFE Insektenfördernde Regionen“ lud der Global Nature Fund (GNF) gemeinsam mit dem Kirchheimerhof und dem Biosphärenzweckverband Bliesgau zu einer Blühflächenführung mit Fachdiskussion ein. 20 Teilnehmer aus Landwirtschaft,NaturschutzundBehörden diskutierten über die Möglichkeiten und Grenzen von Blühflächen als Insektenschutzmaßnahme. Richard Schreiner, der federführende Landwirt, berichtete: „Ich habe in diesem Jahr zusammen mit verschiedenen Partnern und in Eigenregie insgesamt 7 Hektar Blühflächen umgesetzt. Die Blühflächen wurden sowohl mit einjährigen Kulturpflanzenmischungen als auch mit mehrjährigen Wildpflanzenmischungen angesät.“ Genau diesemehrjährigen Mischungen mit heimischen Wildpflanzen bieten Insekten ein Nahrungsangebot und damit eine Überlebenschance in der Agrarlandschaft, wie Jenja Kronenbitter, GNF-Projektmanagerin, erläuterte: „Viele heimische Insekten haben sich im Laufe der Evolution auf bestimmte, ebenfalls heimische Pflanzen spezialisiert. Verschwinden diese Nahrungspflanzen, dann verschwinden auch die angepassten Insekten. Blühflächen können neben anderen Maßnahmen einen Beitrag zum Erhalt der Pflanzenvielfalt in der Agrarlandschaft leisten.“ Rahmenbedingungen müssen stimmen Damit Blühflächen diese Wirkung entfalten können, müssen die Rahmenbedingungen für die Maßnahmen stimmen. Aktuell bestehen noch viele bürokratischen Hürden, Landwirten fehlt es immer wieder an einer attraktiven Finanzierung für mehrjährige Blühflächen mit heimischen Wildpflanzen – auf einer Blühfläche findet ja keine Agrarproduktion statt. Für diesen Einnahmeverlust und für die Kosten für Anlage und Pflege der Fläche wollen die Landwirte fair bezahlt werden. Im Projekt LIFE Insektenfördernde Regionen sorgt dafür Projektpartner Nestlé. Interesse an Blühflächenmaßnahmen groß Wie die Veranstaltung gezeigt hat, ist das Interesse an Blühflächenmaßnahmen, der landwirtschaftlichen Praxis bei der Anlage und Pflege und einer naturschutzfachlich sinnvollen Umsetzung groß. Die Diskussion zwischen Landwirtschaft, Naturschutz und Behörden hilft allen, den nachhaltigen Schutz unserer heimischen Insekten gemeinsam auf den Weg zu bringen. Hintergrund Biodiversitätsverlust ist neben dem Klimawandel das größte Umweltproblem unserer Zeit. So gelten 48 Prozent der Wildbienenarten in Deutschland als bestandsgefährdet oder sind bereits ausgestorben. Laut Weltbiodiversitätsrat sind weltweit rund eine Million Arten akut vomAussterben bedroht. EULIFE-Pilotprojekt: Wie kann die Landwirtschaft unserer Zukunft aussehen Das EU LIFE-Pilotprojekt Insektenfreundliche Regionen soll u.a. Erkenntnisse dazu liefern, wie die Landwirtschaft unserer Zukunft aussehen könnte, damit sie Bestäubern ausreichend LebensBlühflächen für die Vielfalt. Foto: Hartmann Bürgersolarpark Hartungshof produziert Strom für ganz Kleinblittersdorf die Preise zu senken.“ Zwei weitere solcher Großprojekte sind im Saarland in Planung. Es sei nicht einfach, entsprechend große Flächen zu finden. Klar ist aber, das Saarland hat mit Greencells einen idealen Partner gefunden. Die UnternehmenderGreencells-Gruppe beschäftigen rund 100 Mitarbeiter sowie mehrere hundert Facharbeiter auf ihrenaktivenBaustellen. Als einer der größteneuropäischen Anbieter von Solarkraftwerken war die Greencells-Gruppe bereits erfolgreich an der Errichtung oder Planung von mehr als 135 Photovoltaikanlagen in über 25 Ländern beteiligt. raum bietet. Auf den Blühflächen des EU LIFE-Projekts blühen im Ansaatjahr hauptsächlich einjährige Kulturpflanzen wie Buchweizen, Phacelia oder Sonnenblume. Ab dem zweiten Jahr werden die Flächen von heimischen Wildpflanzen dominiert. Welche Wildbienen sich auf diesen Blühflächen im Biosphärenreservat Bliesgau tummeln und von der Maßnahme profitieren, wird ein projektbegleitendes Monitoring zeigen. Projektpartner sind die Bodensee-Stiftung, das Netzwerk Blühende Landschaft, die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall und Nestlé. Weitere Pilotregionen sindder Bodensee, das Allgäu, Hohenlohe, der Nördliche Oberrhein, das Sächsische Lössgefilde und das Wendland. Die Erkenntnisse aus den Pilotprojekten sind auf Regionen in ganz Europa übertragbar. Erfahren Sie mehr über unser EU-LIFEProjekt Insektenfördernde Regionen Kontakt Global Nature Fund (GNF) – Büro Bonn Stefan Hörmann, Projektleiter Tel.: +49228 1848694 11 E-Mail: hoermann@globalnature.org Global Nature Fund (GNF) – Büro Bonn Jenja Kronenbitter, Projektmanagerin Tel.: +49 157 33085788 E-Mail: kronenbitter@globalnature.org Blühfläche, aber richtig! Fachdiskussion für insektenfördernde Regionen erntet Zuspruch

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