9 Die Rundschau für das Biosphärenreservat Bliesgau Juni – August 2026 Natürlich in St. Ingbert Wo die Biosphäre Stadt wird: St. Ingbert – Impulsgeber im Biosphärenreservat Bliesgau Es ist ein leiser Wandel – keiner, der mit großem Getöse daherkommt. Und doch verändert er eine ganze Region. Wer heute durch St. Ingbert geht, spürt schnell: Hier geht es nicht nur um Stadtentwicklung. Hier geht es um ein Versprechen – an die Zukunft, an Nachhaltigkeit, an eine neue Art des Zusammenlebens von Stadt und Land. Nur wenige Kilometer weiter beginnt der Bliesgau. Sanfte Hügel, Streuobstwiesen, Landwirtschaft. Ein Gegenentwurf? Nicht ganz. Vielmehr ist es eine Partnerschaft, die in dieser Form einzigartig ist und die von der UNESCO gewürdigt wurde. Denn hier existiert etwas, das selten ist: eine echte, gelebte Stadt-Land-Beziehung innerhalb eines Biosphärenreservats. Eine alte Verbindung mit neuer Kraft Die Wurzeln dieser Verbindung reichen weit zurück. Schon im 17. Jahrhundert war St. Ingbert Industriestandort. Die Hüttenindustrie brachte Arbeit in die Stadt und gleichzeitig eine enge Verzahnung mit dem Umland. Im Bliesgau wurde Landwirtschaft betrieben, oft im Nebenerwerb von Familien, die zugleich in der Industrie arbeiteten. Die Produkte fanden ihren Weg zurück in die Stadt, auf Wochenmärkte und in Haushalte. Was damals aus Notwendigkeit entstand, ist heute ein Modell mit Zukunft. „Hidden Champions, die im Hintergrund an genau den Technologien arbeiten, die morgen entscheidend sein werden“ Während der Bliesgau heute für naturnahe Landwirtschaft, Biodiversität und Landschaftsschutz steht, interpretiert St. Ingbert Nachhaltigkeit auf seine eigene Weise: urban, technologisch, innovativ. Moderne Mobilität ist dabei ein Schlüsselthema. Dass mit Kettler eines der modernsten Fahrradwerke Europas seinen Sitz in St. Ingbert hat, ist kein Zufall. Es passt zur Vision einer Stadt, die Bewegung neu denkt: emissionsarm, alltagstauglich, zukunftsfähig. Doch die Transformation geht tiefer. „In St. Ingbert entstehen im IT-Bereich maßgeschneiderte Lösungen für nachhaltige Prozesse, oft von Unternehmen, die man nicht auf den ersten Blick kennt. Hidden Champions, die im Hintergrund an genau den Technologien arbeiten, die morgen entscheidend sein werden“, erklärt Melanie Fritsch von der St. Ingberter Wirtschaftsförderung. Biosphäre findet Stadt Der Impuls geht dabei zunehmend von der Stadt aus. Initiativen entstehen, Netzwerke wachsen, Ideen werden getestet. Und das Entscheidende: Die Akteure im Bliesgau ziehen mit. Sie erkennen das Potenzial, bringen ihre Perspektiven ein, erweitern den Blick. So wird aus einem Nebeneinander ein Miteinander. „Biosphäre findet Stadt“ ist dabei mehr als ein Schlagwort. Es beschreibe eine Dynamik, in der beide Seiten voneinander profitieren“, so Fritsch. „Die Stadt bringt Innovation, Forschung und Arbeitsplätze. Der ländliche Raum bietet Lebensqualität, Natur und Entschleunigung.“ Attraktiv: Leben zwischen zwei Welten Was heute als Stadt-Land-Modell beschrieben wird, hat in der Region um St. Ingbert eine lange Tradition. Viele Menschen arbeiten in St. Ingbert und wohnen im Bliesgau. Sie pendeln nicht nur räumlich, sondern auch zwischen zwei Lebenswelten. Denn wer im Bliesgau zuhause ist und in St. Ingbert arbeitet, bewegt sich selbstverständlich zwischen Naturraum und urbanem Arbeitsumfeld. Genau dieser Mix macht die Region attraktiv. Er schafft Synergien, die man nicht planen kann, sondern die entstehen müssen. Und er sorgt dafür, dass sich die Region weiterentwickelt, ohne ihre Identität zu verlieren. Transformation mit Weitblick St. Ingbert zeigt, wie Transformation im dicht besiedelten Raum funktionieren kann, ohne die industrielle Basis aufzugeben. Stattdessen wird sie weitergedacht: durch Mittelstand, Forschungseinrichtungen und neue Technologien. Gerade im Umfeld der saarländischen Landeshauptstadt Saarbrücken positioniert sich St. Ingbert damit bewusst als Zukunftsstandort. Nicht laut, nicht überheblich, aber konsequent. Forschungsinstitute bringen neue Ideen in die Stadt. Unternehmen setzen sie um. Und die Region profitiert als Ganzes. Ein Modell für morgen Was hier entsteht, ist mehr als regionale Entwicklung. Es ist ein Modell, das zeigt, wie Nachhaltigkeit konkret aussehen kann: nicht als Verzicht, sondern als Verbindung. Nicht als Gegensatz zwischen Stadt und Land, sondern als gemeinsame Bewegung. St. Ingbert und der Bliesgau machen vor, wie Transformation gelingt, wenn man sie gemeinsam denkt. Und vielleicht liegt genau darin ihre größte Stärke: dass sie nicht versuchen, etwas völlig Neues zu erfinden. Sondern das weiterentwickeln, was schon immer da war. Mobilitätswoche in St. Ingbert – Nachhaltig unterwegs im Alltag Wie bewegen wir uns morgen – und was können wir heute schon dafür tun? Die Mobilitätswoche in St. Ingbert im September liefert konkrete Antworten mit Angeboten, die direkt im Alltag ansetzen und zum Mitmachen einladen. Die Mobilitätswoche setzt gezielt auf konkrete, alltagsnahe Aktionen, die nachhaltige Mobilität erlebbar machen. Ein fester Bestandteil ist das Pendlerfrühstück, bei dem Berufspendlerinnen und Berufspendler am Morgen eine kleine Aufmerksamkeit erhalten, als Dankeschön und als Impuls, über das eigene Mobilitätsverhalten nachzudenken. Am 16.09.2026 geht es in einem Vortrag um die Anfänge des VCD und des ADFC. Am 21.09.2026 darum, was beim ÖPNV geschehen muss, um im Saarland eine wirkliche Mobilitätswende zu erreichen. Ein weiterer zentraler Programmpunkt ist der Aktionstag am Samstagvormittag in der Fußgängerzone. Dort stehen Informations- und Mitmachangebote im Mittelpunkt, die direkt in der Innenstadt zeigen, wie vielfältig und praktisch nachhaltige Mobilität im Alltag sein kann. Ergänzt wird das Programm durch die Fahrrad- und Rollatoren-Segnung in der Alten Kirche. Sie verbindet den praktischen Alltag mit einem symbolischen Moment der Gemeinschaft und des bewussten Umgangs mit Mobilität – verbunden mit dem Gedanken von Sicherheit, Rücksicht und Verantwortung. Ein weiterer Höhepunkt sind sicher die Führungen durch das Kettler-Werk, die die Biosphären-VHS in der Mobilitätswoche anbietet. Das vollständige Programm, das weiter ergänzt wird, finden Sie auf der Seite der VHS (https://vhsigb.de/) unter dem Suchbegriff „Mobilitätswoche“. St. Ingberter Sagenwege starten in die neue Saison Familienfreundliche App-Touren jetzt auch mit Erinnerungsweg zu jüdischem Leben Auch in diesem Sommer laden die St. Ingberter Sagenwege wieder dazu ein, Natur, Geschichte und spannende Erlebnisse miteinander zu verbinden. Zauberkristalle, Riesen und andere Fabelwesen führen Groß und Klein auf familienfreundlichen Wegen durch die Wälder rund um St. Ingbert. Die Sagenwege sind app-basiert und können jederzeit individuell begangen werden. Mithilfe der Actionbound-App erleben Besucherinnen und Besucher interaktive Touren mit Rätseln, Hörstationen und liebevoll gestalteten Erlebnisorten mitten in der Natur. Die Wege eignen sich besonders für Familien und Kinder, bieten aber auch Erwachsenen abwechslungsreiche Ausflüge an der frischen Luft. Neues Format erinnert an jüdisches Leben in St. Ingbert Erstmals ergänzt nun ein neues Wegeformat die bekannten Sagenpfade. Statt Fantasiegeschichten stehen dabei reale Schicksale und ein wichtiges Kapitel der Stadtgeschichte im Mittelpunkt. Ab August 2026 lädt der neue „Erinnerungsweg jüdischen Lebens in St. Ingbert“ dazu ein, die Geschichten ehemaliger jüdischer Bürgerinnen und Bürger auf besondere Weise kennenzulernen. Entwickelt wurde das Projekt von sieben Schülerinnen und Schülern des Albertus-Magnus-Gymnasiums innerhalb der AG „Zweitzeugen“. Die Jugendlichen beschäftigten sich intensiv mit den Lebensgeschichten jüdischer Familien aus St. Ingbert und wandelten diese in kurze Hörtexte um. Über die Actionbound-App können diese an ausgewählten Stolpersteinen in der Innenstadt angehört werden. Der etwa einstündige Rundweg ist selbsterklärend aufgebaut, setzt keine Ortskenntnisse voraus und ist barrierefrei gestaltet. Persönliche Geschichten statt abstrakter Zahlen Im Mittelpunkt stehen die Menschen selbst: Familien wie die Beers, Kahns, Meyers oder Schmitts werden durch die Hörstationen wieder lebendig. Der Weg zeigt eindrucksvoll, wie eng jüdische und christliche Bürgerinnen und Bürger früher in St. Ingbert zusammenlebten und zusammenarbeiteten. Eine besondere Station befindet sich in der Gustav-Clauss-Anlage. Dort erzählt „Steffi Beer“ aus ihrer Familiengeschichte. Die ruhige Grünanlage lädt gleichzeitig zum Verweilen oder zu einem kleinen Picknick ein. Grundlage vieler Inhalte sind Briefe und Dokumente, die das Jüdische Museum in München den Schülerinnen und Schülern zur Verfügung gestellt hat. Dadurch konnten zahlreiche Details aus dem Leben von Fritz und Elisabeth Beer rekonstruiert werden. Quizfragen und Angebote für Schulen Ergänzt werden die Hörstationen durch kleine Quizfragen, die den Erinnerungsweg besonders für Kinder und Jugendliche zwischen acht und 14 Jahren interessant machen. Gleichzeitig richtet sich das Angebot ausdrücklich auch an Erwachsene. Die frisch ausgebildeten „Zweitzeugen“ bieten zudem Besuche in Schulklassen an. Mithilfe umfangreicher Materialien erzählen sie die Geschichten der ehemaligen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger weiter und beantworten Fragen der Schülerinnen und Schüler. Weitere Informationen zu den klassischen Sagenwegen sowie zum neuen „Erinnerungsweg jüdischen Lebens in St. Ingbert“ gibt es zeitnah auf der Internetseite der Stadt St. Ingbert. Sagenwege St. Ingbert: Smartphone -App. Foto: Stadt St. Ingbert
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