Kostenlos – zum Mitnehmen! Waldhauptstadt Blieskastel Gratis Bus- und Bahnfahren Biosphärenfest in Walsheim 11. Jahrgang | Ausgabe 2 Juni – August 2026
2 Die Rundschau für das Biosphärenreservat Bliesgau Juni – August 2026 Das PEFC-Zertifikat: Verlässliche Standards statt Symbolpolitik Hinter der Auszeichnung steht das internationale System Programme for the Endorsement of Forest Certification (PEFC), das weltweit als größtes unabhängiges Zertifizierungssystem für nachhaltige Waldwirtschaft gilt. Anders als viele freiwillige Umweltlabels basiert PEFC auf überprüfbaren Kriterien und regelmäßigen Kontrollen. Zertifiziert wird nicht nur der Wald selbst, sondern die gesamte Wertschöpfungskette – vom stehenden Baum bis zum fertigen Holz- oder Papierprodukt. Konkret bedeutet das: Wälder müssen so bewirtschaftet werden, dass ihre ökologische Funktion erhalten bleibt, wirtschaftliche Nutzung möglich ist und gleichzeitig soziale Aspekte berücksichtigt werden. Biodiversitätsschutz, der Verzicht auf großflächige Kahlschläge, der Erhalt gesunder Böden sowie sichere Arbeitsbedingungen gehören ebenso dazu wie die öffentliche Zugänglichkeit des Waldes. Wer diese Standards nicht erfüllt, verliert das Zertifikat. Genau diese Verbindlichkeit unterscheidet das System von bloßen Absichtserklärungen. Naturnahe Waldwirtschaft: Arbeiten mit dem Wald statt gegen ihn Die Grundlage der Arbeit in Blieskastel ist die naturnahe Waldwirtschaft – ein Ansatz, der sich bewusst von früheren, stark industrialisierten Formen der Forstwirtschaft abgrenzt. Ziel ist es, den Wald nicht als Produktionsfläche zu behandeln, sondern als komplexes Ökosystem, das sich möglichst eigenständig entwickeln kann. In der Praxis zeigt sich das vor allem in stabilen Mischwäldern statt anfälliger Monokulturen. Unterschiedliche Baumarten erhöhen die Widerstandsfähigkeit gegenüber Stürmen, TrockenBlieskastel als Waldhauptstadt 2026: Ein Modell für nachhaltige Forstwirtschaft Wenn eine vergleichsweise kleine Stadt wie Blieskastel den Titel „Waldhauptstadt Deutschlands“ erhält, ist das kein Zufall und schon gar kein reines Marketinglabel. Die Auszeichnung, vergeben durch PEFC Deutschland, steht für ein über Jahre gewachsenes System aus konsequenter Waldbewirtschaftung, klaren Standards und einer Haltung, die den Wald als langfristige Aufgabe versteht. Mit der Staffelstabübergabe im März 2026 ist Blieskastel nun für ein Jahr im Fokus – als Beispiel dafür, wie nachhaltige Forstwirtschaft auf kommunaler Ebene konkret umgesetzt werden kann. heit und Schädlingen. Statt ganzer Flächen werden einzelne Bäume gezielt entnommen, wodurch der Wald als Ganzes erhalten bleibt. Neue Bäume wachsen häufig aus natürlicher Verjüngung nach, ohne großflächige Pflanzmaßnahmen. Auch scheinbar „unordentliche“ Elemente wie Totholz bleiben bewusst im Wald, da sie wichtige Lebensräume für zahlreiche Arten darstellen. Dieser Ansatz erfordert mehr Planung, mehr Fachwissen und vor allem Geduld. Kurzfristige Erträge stehen nicht im Vordergrund – entscheidend ist die Stabilität des Waldes über Generationen hinweg. Langfristige Verantwortung: Blieskastel als forstwirtschaftlicher Akteur Die Entscheidung für Blieskastel fiel laut Jury eindeutig. Ein wesentlicher Grund dafür ist die Dimension und Organisation der Waldarbeit vor Ort. Rund 4.000 Hektar Waldfläche werden betreut – nicht nur innerhalb der Stadtgrenzen, sondern auch im Rahmen interkommunaler Zusammenarbeit mit umliegenden Gemeinden. Damit gehört Blieskastel zu den größten kommunalen und privatwald-betreuenden Einheiten im Saarland. Geprägt wird diese Entwicklung seit Jahrzehnten durch Helmut Wolf, der die Waldstrategie der Stadt kontinuierlich aufgebaut und weiterentwickelt hat. Sein Ansatz ist klar: nachhaltige Bewirtschaftung funktioniert nur, wenn sie konsequent und über lange Zeiträume umgesetzt wird. Einzelmaßnahmen oder kurzfristige Projekte reichen nicht aus. Große Freude bei den Verantwortlichen in Blieskastel, Deutschlands Waldhauptstadt 2026 zu sein. Foto: Helmut Wolf Initiator Dr. Helmut Wolff freut sich über die Ernennung zur Waldhauptstadt. Foto: PEFC Deutschland Pflanzaktion der Grundschule Kirchberg Schlossberg im Rahmen der Waldhauptstadt Blieskastel. Foto: PEFC Deutschland Staffelübergabe an den Blieskastler Bürgermeister Bernd Hertzler (rechts). Foto: PEFC Deutschland Auch politisch wird diese Arbeit anerkannt. Ministerpräsidentin Anke Rehlinger hat die Schirmherrschaft für das Waldhauptstadtjahr übernommen und damit die Bedeutung der Auszeichnung für das gesamte Saarland unterstrichen. Der Wald als Lernort: Nachhaltigkeit praktisch vermitteln Ein weiterer zentraler Baustein in Blieskastel ist die Verbindung von Forstwirtschaft und Bildung. Der Wald wird hier gezielt als außerschulischer Lernort genutzt, um ökologische Zusammenhänge verständlich zu machen. Bereits im Jahr 2000 wurde der Erlebniswald Schellental eingerichtet, später folgte der Erlebnisweg „Ökologischer Rucksack“, der Besucher an verschiedenen Stationen mit den Auswirkungen des eigenen Lebensstils auf die Umwelt konfrontiert. Hinzu kommen regelmäßige Bildungsangebote für Schulen und Kindergärten sowie ein eigener Waldkindergarten. Diese kontinuierliche Bildungsarbeit sorgt dafür, dass das Thema Nachhaltigkeit nicht abstrakt bleibt, sondern konkret erfahrbar wird. „Wer den Wald versteht, entwickelt in der Regel auch ein anderes Verhältnis zu seinem Schutz und seiner Nutzung“, so der Chefforstwirt Helmut Wolf. Zwischen Nutzung und Schutz: Der entscheidende Balanceakt Trotz aller positiven Beispiele bleibt die grundlegende Herausforderung bestehen: Wälder müssen genutzt werden, gleichzeitig aber ihre ökologischen Funktionen erfüllen. Dieser Zielkonflikt lässt sich nicht auflösen, sondern nur ausbalancieren. Genau darin liegt die eigentliche Leistung moderner Forstwirtschaft. Auch Peter Gaffert betonte bei der Staffelübergabe im Frühjahr, dass
3 Die Rundschau für das Biosphärenreservat Bliesgau Juni – August 2026 Der Biosphärenwald Baumpflanzaktion anlässlich Waldhauptstadt Was ist eine Waldhauptstadt ohne Bäume? Genau das fragten sich auch die Schülerinnen und Schüler der Nachmittagsbetreuung der Grundschule Kirchberg- Schlossberg in Blieskastel- Lautzkirchen. Zusammen mit Umweltdezernent Helmut Wolf, Forstamtsleiter Hannes Born und den PEFC- Regionalmanagerin Lea Bächle pflanzten sie im nahen Pirmannswald Buchen und Linden. Die Buchen stammten direkt aus dem Stadtwald Blieskastel. Die jungen Linden stammten aus einer zertifizierten Baumschule. Beide Baumarten sollen nun auf dieser Borkenkäferfläche eine neue Waldgeneration begründen und möglichst dem Klimawandel trotzen. Zum Abschluss der Pflanzaktion gab es natürlich auch eine kleine Stärkung in Form von Apfelschorle und Brezeln, die von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald zur Verfügung gestellt wurden. weder romantische Verklärung noch rein wirtschaftliches Denken zielführend sind. Der Wald ist weder unberührtes Naturidyll noch reine Produktionsfläche. Er ist beides zugleich und muss auch so behandelt werden. Blieskastel zeigt, dass dieser Spagat funktionieren kann, wenn klare Leitlinien vorhanden sind und diese konsequent umgesetzt werden. Ein Titel mit Wirkung – und Verantwortung Mit der Ernennung zur Waldhauptstadt beginnt für Blieskastel ein Jahr mit erhöhter Aufmerksamkeit. Zahlreiche Veranstaltungen, Bildungsprojekte und Aktionen sollen das Thema weiter in die Öffentlichkeit tragen. Erfahrungen aus anderen Städten zeigen, dass die Auszeichnung durchaus positive Effekte auf Tourismus, Image und regionale Identität haben kann. Entscheidend ist jedoch, wie diese Aufmerksamkeit genutzt wird. Der Titel allein verändert nichts. Er schafft lediglich die Bühne. Blieskastel hat die Voraussetzungen, diese Rolle auszufüllen: eine funktionierende forstliche Struktur, langjährige Erfahrung und eine klare strategische Ausrichtung. Genau deshalb gilt die Stadt derzeit als eines der überzeugendsten Beispiele dafür, wie nachhaltige Waldbewirtschaftung auf kommunaler Ebene umgesetzt werden kann. Aktionen im Waldhauptstadtjahr: Nachhaltigkeit wird sichtbar Wie konkret dieses Engagement aussieht, zeigt sich im laufenden Programm des Waldhauptstadtjahres. In Blieskastel reicht das Spektrum von klassischen Pflanzaktionen, bei denen Bürgerinnen und Bürger aktiv neue Bäume setzen, bis hin zu Bildungsprojekten für Kinder und Jugendliche, etwa beim Bau von Nistkästen oder bei geführten Walderkundungen. Schulen und Kindergärten werden gezielt eingebunden, um das Thema früh zu verankern. Gleichzeitig entstehen kreative Ansätze aus der Region selbst: Ein örtlicher Bäcker entwickelt ein spezielles „Waldbrot“ mit regionalen Zutaten, Unternehmen beteiligen sich mit Informationsangeboten, und Veranstaltungen wie das Biosphärenfest machen den Wald auch touristisch erlebbar.
4 Die Rundschau für das Biosphärenreservat Bliesgau Juni – August 2026 Wanderbarer Bliesgau Seit seiner Auszeichnung zu „Deutschlands schönstem Fernwanderweg 2025“ im vergangenen Jahr zieht der Bliessteig Wanderbegeisterte aus ganz Deutschland in die Region. Um diesen Erfolg nachhaltig auszubauen, starten die Saarpfalz-Touristik und die Stabsstelle für Nachhaltige Entwicklung und Mobilität des Saarpfalz-Kreises nun eine großangelegte Marketingkampagne für die Saison 2026. Mit neuen Großflächenplakaten und Citylight-Postern im gesamten Kreisgebiet wird ab sofort auf ein besonderes Kombi-Angebot aufmerksam gemacht, das Wanderspaß und klimafreundliche Mobilität perfekt vereint. Im Fokus der Kampagne steht der neue Wander-Stempelpass für den Bliessteig. Das Plakatmotiv lädt dazu ein, sich den Wanderpass kostenlos über die Website urlaub-bliesgau.de nach Hause zu bestellen oder in den lokalen Tourist-Informationen abzuholen. Das Besondere für alle Wanderer: Der Wanderpass kommt zusammen mit einem Gutschein für ein Biosphärenticket für bis zu 5 Personen im Wert von 9 Euro für die Nutzung von Bus und Bahn in der Biosphäre. Besser Bus & Bahn fahren im Saarpfalz-Kreis! Samstags, sonntags, feiertags in Bus und Bahn im Saarpfalz-Kreis und der Gemeinde Kleinblittersdorf NACHHALTIG REISEN ZU FAIREN PREISEN! Samstags, sonntags, feiertags in Bus und Bahn im Saarpfalz-Kreis und der Gemeinde Kleinblittersdorf DAS NEUE BIOSPHÄRENTICKET FÜR BIS ZU 5 PERSONEN nur 9,00€ Um den Wanderpass zu füllen, wurden an den Etappenzielen des Bliessteigs Stempelstationen eingerichtet. So können Wanderer ihren Fortschritt dokumentieren und sich zudem nach Abschluss aller Etappen mit vollem Wanderpass eine weitere Überraschung bei der Saarpfalz-Touristik oder den Tourist-Informationen sichern. Da der Bliessteig als Etappenweg konzipiert ist, stellt sich oft die Frage nach der Rückkehr zum Ausgangspunkt. Hier greift das integrierte Mobilitätskonzept: Da die Etappenziele gut an den Nahverkehr angebunden sind, gestaltet sich die Rückreise ganz einfach mit Bus oder Bahn. Der mit dem Wanderpass überreichte Gutschein lädt zum kostenfreien Ausprobieren ein. Der Gutschein kann einfach beim Busfahrer gegen ein Biosphärenticket eingelöst werden. Dieses ist als Tageskarte an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen für bis zu fünf Personen im gesamten Saarpfalz-Kreis, der Gemeinde Kleinblittersdorf und somit auch im kompletten Biosphärenreservat Bliesgau gültig. Da alle Etappenenden gut an den ÖPNV angebunden sind, wird die Rückreise so zum komfortablen Teil des Naturerlebnisses. Landrat Frank John betont die Bedeutung der Kampagne für die Region: „Der Titel ‚Deutschlands schönster Fernwanderweg 2025‘ war erst der Anfang. Im Jahr 2026 wollen wir zeigen, dass wir uns auf diesem Erfolg nicht ausruhen, sondern den Service für unsere Gäste konsequent weiterentwickeln. Durch die enge Verzahnung von Tourismus und Mobilität bieten wir mit dem kostenlosen Biosphären-Busticket – das immerhin eine Ersparnis von 9 Euro pro Gruppe bedeutet – einen unschlagbaren Anreiz, das Auto stehen zu lassen und unsere wunderschöne Biosphäre stressfrei zu genießen.“ Alle Details zum Bliessteig, den genauen Standorten der Stempelstationen und zur Bestellung des Wanderpasses finden Interessierte online unter: www.urlaub-bliesgau.de In der Biosphäre Bliesgau wandern und gratis Bus- und Bahnfahren Maurice Eickhoff, Torsten Czech, Landrat Frank John und Katrin Thieser stellen die Kampagne rund um das neue Biosphärenticket vor. Foto: Paula Jacob
5 Die Rundschau für das Biosphärenreservat Bliesgau Juni – August 2026 Stempelstelle Gräfinthal mit Wegepate Lukas Bosslet und Katrin Thieser. Foto: Julia Serov, Saarpfalz-Touristik gegeben. Dadurch ist eine Anreise problemlos auch ohne Auto möglich. Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke: • Altstadt Blieskastel • Höcherberg, • Festung Hohenburg • Römermuseum Bliessteig Wanderpass mitnehmen und an den jeweiligen Stempelstationen abstempeln. Fotos: Saarpfalz-Touristik Bliessteig – die wichtigsten Infos für Wanderer Strecke: Rund 108 Kilometer durch den Bliesgau von Sarreguemines (FR) bis Bexbach. Der Weg durchquert sämtliche Naturräume des Bliesgaus und verbindet Natur- und Kulturlandschaften im UNESCO-Biosphärenreservat. Etappen: 9 Tagesetappen, jeweils zwischen ca. 10 und 16 Kilometern. Die Etappen können auch flexibel kombiniert und mancherorts auch abgekürzt werden. Schwierigkeitsgrad: Leicht bis mittel. Es ist eine gute Grundkondition und Trittsicherheit erforderlich, die einzelnen Etappen sind aber auch für Wander-Einsteiger attraktiv. Markierung: Durchgehend einheitlich ausgeschildert mit dem Bliessteig-Logo. Zusätzlich Orientierung über Wegweiser und Kartenmaterial. An- und Abreise: Alle Etappenstart- und Endpunkte sind über kurze Zuwege mit Bus und Bahn erreichbar. Die Haltestellenempfehlungen sind bei den Etappenbeschreibungen mit an- • Vauban-Festung Homburg • Gollenstein (Menhir bei Blieskastel) • Klosterruine Wörschweiler • Blies-Auenlandschaften und Streuobstwiesen • Grenzabschnitt zu Frankreich mit wechselnden Landschaftsbildern • Keramikmuseum Sarreguemines Beste Wanderzeit: Ganzjährig begehbar. Besonders attraktiv im Frühling zur Blüte der Streuobstwiesen und im Herbst mit farbintensiven Laubwäldern. Tipp: Etappen lassen sich individuell kombinieren. Stempelstationen entlang des Weges laden zum Sammeln und Dokumentieren der Wanderung ein. Einen Stempelpass erhalten Sie bei der Saarpfalz-Touristik und bei allen Tourist-Informationen! Weitere Informationen: Saarpfalz-Touristik – Bliessteig: https://www.saarpfalz-touristik. de/erlebnisse/wandern/bliessteig Foto: Saarpfalz-Touristik, Manuela Meyer
6 Die Rundschau für das Biosphärenreservat Bliesgau Juni – August 2026 Wegepaten im Einsatz für den Bliesgau Sie gehen voran, bevor andere den Weg nutzen: Als Wegepatin und Wegepate sorgen Tilli und Willi Sauer dafür, dass Wanderwege im Biosphärenreservat Bliesgau sicher, gepflegt und gut begehbar bleiben. Ihr Einsatz passiert meist im Stillen – bei regelmäßigen Kontrollen, mit wachem Blick für Schäden, Beschilderung und Natur. Wir sprachen für diese Ausgabe mit der jüngsten Patin und dem ältesten Paten. Das Interview zeigt, wie viel Engagement hinter gut funktionierenden Wanderwegen steckt – und warum sich dieser Einsatz lohnt. Fragen an Tilli (jüngste Wegepatin) Tilli, du bist acht Jahre alt und die jüngste Wegepatin im Bliesgau – wie bist du zu dieser besonderen Aufgabe gekommen und was hat dich daran begeistert? Meine Patentante Julia hat mich gefragt, ob ich Wegepatin werden möchte, da ich gerne mit meiner Oma und meinem Opa wandere. Die Natur und die Bäume haben mich begeistert. Mir ist wichtig, dass anderen Wanderern auf meinem Weg nichts passiert. Würde es Wegepaten nicht geben, würde es nicht funktionieren. Wenn du auf „deinem“ Weg unterwegs bist: Worauf achtest du besonders und was macht dir dabei am meisten Spaß? Mein Weg ist die „Klingenklamm“ in Blickweiler. Ich achte besonders darauf, dass keine Äste in den Weg hängen oder Brombeeren auf dem Weg wachsen, sodass niemand stolpert. Beim Beschildern achte ich darauf, die Nägel nicht ganz in den Baum zu schlagen, damit er nicht beschädigt wird. Am meisten Spaß macht es mir, in der Natur unterwegs zu sein und die Wassergeräusche der Klingenklamm zu hören. Engagement, das Wege sichert Was würdest du anderen Kindern in deinem Alter sagen, warum es sich lohnt, sich für Natur und Wanderwege einzusetzen? Es lohnt sich, weil es viel Spaß macht. Kinder sollten auch mal die Natur auf meinem Weg sehen, also die vielen Bäume und das Wasser. Außerdem macht es Spaß, den Weg zu beschildern. Mit der Klingenklamm habe ich sozusagen meinen eigenen Wanderweg, für den ich verantwortlich bin. Das macht mich sehr stolz. Gibt es ein besonderes Erlebnis auf deinem Weg, an das du dich immer wieder gern erinnerst? Es gibt viele besondere Erlebnisse, an die ich gerne denke. Auf meinem Weg gibt es viele Bänke, Holztreppen und einen kleinen Wasserfall. Das ist sehr abenteuerlich. Was mir besonders in Erinnerung geblieben ist, sind zwei Ereignisse bei der Wegekontrolle: Bei unserer ersten Tour habe ich den Wanderweg frisch als Wegepatin übernommen. Die Pfade waren voller Brombeeren und das Gras am Wegesrand war höher als ich. Das Freischneiden hat eine lange Zeit gedauert. Wir mussten uns richtig durchkämpfen. Da es so schlimm war, mussten wir Thomas Menges vom Wegemanagement um Hilfe bitten. Der hat größere Geräte als ich. Nun ist der Wanderweg wieder gut begehbar. Leider gibt es keine Mülleimer unterwegs. Bei unserer letzten Tour musste ich also meine Bananenschale den restlichen Weg tragen. Als ich dann die Hände freihaben wollte zum Beschildern, habe ich sie kurzerhand auf der Mütze gelagert. Bananenschalen und anderer Müll sollten nämlich nicht im Wald landen. Das verrottet nicht so schnell. Fragen an Willi Sauer (ältester Wegepate) Herr Sauer, Sie engagieren sich im Ruhestand und mit 88 Jahren als Wegepate – was hat Sie motiviert, diese Verantwortung zu übernehmen? Ich bin Mitglied im Pfälzer Wanderverein und daher schon ein bisschen „vorbelastet“. Es ist für mich eine schöne Aufgabe, nach dem Wanderweg zu schauen – etwa drei- bis viermal im Jahr. Dazu kommt eine starke Verbundenheit mit der Heimat, die mich zusätzlich motiviert. Welche Herausforderungen begegnen Ihnen bei Ihrer Arbeit als Wegepate am häufigsten? Ein Problem sind immer wieder Hinweisschilder an Kreuzungen, die nicht optimal platziert sind und so immer wieder übersehen werden.. Hier wäre es sinnvoll, diese anders zu platzieren. Ein anderes Problem: Die Schilder werden aus den unterschiedlichsten Gründen entfernt, so dass die Route nicht durchgängig klar markiert ist. Gibt es einen Moment oder eine Begegnung auf dem Weg, die Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist? Ein Abschnitt meines Weges führt zwischen zwei Windrädern entlang. Dort kommt es immer wieder zu Gesprächen und Diskussionen mit Wanderern über das Thema Windkraft im Wald. Die Meinungen gehen dabei weit auseinander. Das ist jedes Mal spannend zu erleben. Was bedeutet Ihnen dieses Ehrenamt persönlich – und was würden Sie Menschen mitgeben, die überlegen, sich ebenfalls zu engagieren? Für mich ist es die enge Verbundenheit mit der Natur. Es ist einfach ein Bedürfnis, der Allgemeinheit etwas Gutes zu tun. Wer gern draußen ist und sich einbringen möchte, für den ist das eine sehr erfüllende Aufgabe. Die jüngste Wegepatin ist gerade acht Jahre alt geworden. Foto: privat Willi Sauer ist der älteste Wegepate mit fast 88 Jahren. Foto: privat Wer klimafreundlich ins Biosphärenreservat Bliesgau reist, wird jetzt nicht nur mit Naturerlebnissen belohnt, sondern auch ganz konkret: Mit der Aktion „Säckchen füll dich“ setzt die Saarpfalz-Touristik ein Zeichen für nachhaltigen Tourismus – und ruft gleichzeitig weitere Gastgeber zur Teilnahme auf. Die Idee ist so einfach wie wirkungsvoll: Gäste, die mit Bus und Bahn, Fahrrad, E-Bike oder E-Auto anreisen, erhalten bei ihrer Unterkunft ein hochwertiges Leinensäckchen. Gefüllt ist es mit ausgewählten regionalen Produkten – etwa Bärlauchsenf von der Bliesgau Ölmühle, Nudeln aus heimischem Gelbweizen, ein Lyonerpfannen-Gewürz oder ein aromatisches Bärlauchsalz. Ergänzt wird das Ganze durch nachhaltige Informationsmaterialien für den Aufenthalt in der Region. Fairtrade ist mit am Start Ein besonderer Akzent liegt zudem auf fairem Handel: In jedem Säckchen steckt eine süße Überraschung – vegane Bio-Fruchtgummis aus Mango-Püree. Die Früchte stammen von den Philippinen und werden teilweise von Angehörigen der indigenen Aeta geerntet. Ein Teil des Erlöses fließt in ein Kinderschutzprojekt vor Ort. Damit knüpft die Aktion auch an das langjährige Engagement des Saarpfalz-Kreises und der Fairtrade-Stadt Homburg an. 17 Unterkunftsbetriebe: Mit dabei Ferienwohnung „Maison baroque“ in Blieskastel Aktuell beteiligen sich 17 Unterkunftsbetriebe im Saarpfalz-Kreis – vom Hotel bis zur Ferienwohnung. Einer davon ist die Ferienwohnung „Maison baroque“ in Blieskastel, ein liebevoll „Säckchen füll Nachhaltig anreisen und belohnt werden – restauriertes Stadthaus aus dem Jahr 1770. Inhaberin Katja Fürst ist zugleich Betreiberin der Boutique ruma und engagierte Partnerin des Biosphärenreservats. Interview mit Katja Fürst, Gastgeberin aus Blieskastel Frau Fürst, warum haben Sie sich entschieden, an der Aktion „Säckchen füll dich“ teilzunehmen? Als Gastgeberin im Biosphärenreservat Bliesgau nehme ich an der Aktion „Säckchen füll dich“ teil, um nachhaltigen Tourismus aktiv zu unterstützen und meinen Gästen einen besonderen Mehrwert zu bieten. Durch die Förderung einer klimafreundlichen Anreise leiste ich gemeinsam mit meinen Gästen einen Beitrag zum Umweltschutz und zur Reduzierung von CO2-Emissionen. Gleichzeitig stärke ich die regionale Wirtschaft, da die im Säckchen enthaltenen Produkte von lokalen Erzeugern und fairen Partnern stammen. Die Aktion ermöglicht es mir, mein nachhaltiges Engagement sichtbar zu machen und Gäste anzusprechen, die bewusst und verantwortungsvoll reisen möchten. Kurz gesagt, ich nehme teil, weil es meine Ferienwohnung nachhaltiger, attraktiver und sichtbarer macht - und gleichzeitig die Region stärkt. Welche Erfahrungen haben Sie bislang mit der Aktion gemacht? Ich habe sehr positive Erfahrungen mit der Aktion gemacht. Meine Gäste reagieren durchweg erfreut auf das nachhaltige Willkommensgeschenk und fühlen sich in ihrem umweltbewussten Reiseverhalten bestärkt. Ich habe außerdem festgestellt, dass es die Möglichkeit bietet mit den Gästen über nachhaltigen Tourismus, regionale Produkte und die BeDruck, Lager- & Versandlogistik, Shopsysteme Wir beraten Sie gerne: Tel. 06531 509-335 · www.johnen-gruppe.de · Bornwiese 5 · 54470 Bernkastel-Kues QR-Code scannen & weitere Informationen erhalten
7 Die Rundschau für das Biosphärenreservat Bliesgau Juni – August 2026 Projekte in der Region dich“ – Initiative im Biosphärenreservat Bliesgau startet sonderheiten der Region zu sprechen. Auch für mich persönlich ist die Teilnahme bereichernd, da ich stärker mit regionalen Produzenten vernetzt bin und mein nachhaltiges Profil als Gastgeberin weiter schärfen konnte. Erinnern Sie sich an Ihren ersten Gast, der das Säckchen erhalten hat? Besonders in Erinnerung geblieben ist mir mein erster Gast, dem ich ein „Säckchen füll dich“ überreichen durfte. Er war nachhaltig mit seinem E-Bike und der Bahn aus Kaiserslautern angereist, ganz im Sinne der Idee hinter der Aktion. Als ich ihm das Säckchen überreichte, war die Freude sofort spürbar. Er hat sich nicht nur über die regionalen Produkte gefreut, sondern vor allem darüber, dass seine umweltfreundliche Anreise bewusst wahrgenommen und wertgeschätzt wurde. Ganz besonders gefreut hat mich auch seine spontane Bereitschaft, diesen ersten Moment der Übergabe fotografisch festzuhalten. So bleibt diese Begegnung nicht nur in Erinnerung, sondern wurde auch sichtbar gemacht als schöner Auftakt für mein Engagement Dann lade ich Sie herzlich in meine Ferienwohnung Maison baroque ein. Mit viel Liebe zum Detail eingerichtet, verbindet sie stilvolles Ambiente im historischen Altbau mit einem bewussten, nachhaltigen Gastgeberkonzept und einer denkmalgerechten Modernisierung mit natürlichen Baumaterialien. Ob Sie mit der Bahn, dem Fahrrad oder dem E-Bike anreisen - bei uns sind Sie genau richtig, um die Region entspannt und umweltfreundlich zu entdecken. Die Teilnahme an der Aktion „Säckchen füll dich“ ist dabei nur ein Beispiel dafür, wie wir Nachhaltigkeit erlebbar machen. Als offizieller Partnerbetrieb des Biosphärenreservat Bliesgau steht die Ferienwohnung Maison baroque für gelebte Nachhaltigkeit, Regionalität und Qualität. Die Auszeichnung als Partnerbetrieb unterstreicht den Anspruch, Gästen einen verantwortungsvollen und zugleich genussvollen Aufenthalt zu ermöglichen - im Einklang mit Natur, Kultur und den Besonderheiten der Region. Dazu gehören unter anderem die Förderung umweltfreundlicher Mobilität, die Zusammenarbeit mit regionalen Produzenten sowie ein bewusster Umgang mit Ressourcen. Für Sie als Gast bedeutet das: authentische Erlebnisse, ein gutes Gefühl beim Reisen und die Möglichkeit, denBliesgau auf nachhaltige Weise zu entdecken. Neugierig geworden auf einen nachhaltigen Aufenthalt im Biosphärenreservat Bliesgau? Bei Katja Fürst erhalten Feriengäste ein gefülltes Säckchen mit Informationen und feinen Produkten aus dem Biosphärenreservat. Foto: Katja Fürst Helle Möbel im Maison barroque in Blieskastel. Foto: privat Vorfreude auf das Frühstück im Maison baroque. Foto: privat Masterarbeit liefert konkrete Ansätze für mehr Teilhabe in der Naherholung Wie Naherholung für Menschen mit kognitiven Einschränkungen besser gestaltet werden kann, zeigt die Masterarbeit von Clara Sophie Raber an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes. Am Beispiel des Biosphärenreservats Bliesgau untersucht sie nicht nur bestehende Hürden, sondern entwickelt vor allem praxisnahe Maßnahmen, um Angebote tatsächlich nutzbar zu machen. Ein zentrales Ergebnis: Die größten Barrieren entstehen nicht vor Ort, sondern bereits in der Informationsphase. Viele Angebote scheitern daran, dass sie für die Zielgruppe nicht verständlich, nicht auffindbar oder nicht entscheidungsfähig aufbereitet sind. Komplexe Texte, unübersichtliche Webseiten oder fehlende visuelle Unterstützung führen dazu, dass vorhandene Möglichkeiten gar nicht erst genutzt werden. Genau hier setzt Raber mit konkreten Lösungen an. Ein wichtiger Baustein ist ein mehrkanaliges Kommunikationskonzept, das Informationen in einfacher Sprache, mit Piktogrammen und ergänzenden Videos bereitstellt. Ein praktisches Beispiel: Statt einer langen textlastigen Beschreibung eines Wanderwegs könnten klare Symbole den Schwierigkeitsgrad, die Dauer oder besondere Erlebnispunkte wie Tiere oder Spielstationen darstellen. Videos könnten zusätzlich zeigen, was Besucher vor Ort erwartet – ein entscheidender Faktor für Menschen, die Informationen besser visuell verarbeiten. Ein weiterer zentraler Ansatz ist die gezielte Einbindung von Multiplikatoren. In der Praxis bedeutet das: Informationen werden nicht nur online veröffentlicht, sondern aktiv über Betreuungspersonen, soziale Einrichtungen oder Werkstätten verbreitet. Diese übernehmen eine Schlüsselrolle, indem sie Angebote erklären, bei der Planung unterstützen und Sicherheit vermitteln. Die Thesis zeigt, dass Teilhabe häufig erst über diese vermittelnden StruktuMehr Teilhabe in der Naherholung ren entsteht und weniger über eigenständige Recherche. Auch bei den Angeboten selbst sieht Raber konkreten Handlungsbedarf – allerdings nicht im Sinne von „mehr“, sondern „passender“. Bestehende Freizeitangebote sollen gezielt weiterentwickelt werden. Besonders gut angenommen werden laut Untersuchung Naturerlebnisse, Tierkontakte und Mitmachformate. Ein Beispiel aus der Praxis: Geführte Angebote mit klarer Struktur, festen Abläufen und aktiver Beteiligung – etwa gemeinsames Füttern von Tieren oder einfache Naturerkundungen – erhöhen die Motivation und senken Hemmschwellen deutlich. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die durchgängige Gestaltung der gesamten Nutzungskette. Von der ersten Information über die Planung bis hin zum Erlebnis vor Ort muss alles verständlich und verlässlich sein. Brüche in dieser Kette – etwa unklare Wegführung, fehlende Orientierungshilfen oder widersprüchliche Informationen – führen dazu, dass Angebote trotz grundsätzlicher Eignung nicht genutzt werden. Die Arbeit macht deutlich: Mit gezielten Anpassungen in Kommunikation, Vernetzung und Angebotsgestaltung lässt sich die Teilhabe deutlich verbessern – ohne komplett neue Strukturen schaffen zu müssen. Für das Biosphärenreservat Bliesgau und vergleichbare Regionen bietet die Untersuchung damit eine konkrete Grundlage, um Naherholung inklusiver und zugänglicher zu gestalten. Clara Raber schrieb ihre Masterarbeit an der htw in Saarbrücken über die Barrierefreiheit im Biosphärenreservat Bliesgau. Foto: privat Ein guter Start in den Tag beginnt bei uns mit einem Frühstück, das ganz im Zeichen der Region steht. In der Ferienwohnung Maison baroque genießen Sie ausgewählte Produkte aus dem Biosphärenreservat Bliesgau: frische Backwaren vom Bäcker, saisonales Obst, hausgemachte Spezialitäten sowie weitere Erzeugnisse von regionalen Produzenten. So lernen Sie schon am Frühstückstisch die Vielfalt und Qualität der Region kennen - nachhaltig, authentisch und mit kurzen Wegen. Gleichzeitig unterstützen Sie lokale Betriebe und starten bewusst in einen genussvollen Urlaubstag. Ich freue mich darauf, Sie bald persönlich willkommen zu heißen! Buchungen und Kontakt unter 0176•21631821 oder maison.baroque@gmx.de , Website https:// boutique-ruma.de/ bei der Aktion. Dieser Moment hat mir gezeigt, wie wirkungsvoll kleine Gesten sein können. Das Säckchen war weit mehr als ein Geschenk. Es war ein verbindendes Element zwischen Gastgeber und Gast und ein gelungener Einstieg in einen bewussten, nachhaltigen Aufenthalt. Aufruf an Gastgeber in der Region Die Initiative zeigt: Nachhaltiger Tourismus muss nicht kompliziert sein – er kann konkret, sichtbar und für Gäste erlebbar gemacht werden. Genau hier setzt „Säckchen füll dich“ an. Weitere Unterkunftsbetriebe im Saarpfalz-Kreis sind herzlich eingeladen, sich an der Aktion zu beteiligen. Der organisatorische Aufwand ist überschaubar, der Mehrwert dagegen groß: Gastgeber positionieren sich als nachhaltige Anbieter, stärken regionale Wertschöpfungsketten und schaffen gleichzeitig einen echten Mehrwert für ihre Gäste. Alle teilnehmenden Betriebe sowie weitere Informationen zur Aktion „Säckchen füll dich“ sind auf der Internetseite der Saarpfalz-Touristik zu finden. Wer ebenfalls bei dem Projekt als Unterkunftsbetrieb mitmachen möchte, kann sich bei der Saarpfalz-Touristik melden. https://www.saarpfalz-touristik.de/die-biosphaere-bliesgau/ nachhaltig-reisen/saeckchenfuell-dich#/article Saarpfalz-Touristik Paradeplatz 4 66440 Blieskastel Tel.: (0 68 41) 1 04 – 71 74, E-Mail: touristik@saarpfalz-kreis.de
8 Die Rundschau für das Biosphärenreservat Bliesgau Juni – August 2026 Städte und Gemeinden in der Biosphäre Hof Hochscheid im Biosphärenreservat Bliesgau Der Biohof Hochscheid bei St. Ingbert zeigt, wie sich Landwirtschaft, Gemeinschaft und regionale Vermarktung zu einem funktionierenden Gesamtkonzept verbinden lassen. Der Betrieb setzt dabei bewusst nicht auf klassische Strukturen, sondern auf ein Modell, das Verantwortung, Transparenz und direkte Beziehungen zwischen Erzeugern und Verbrauchern in den Mittelpunkt stellt. Solidarische Landwirtschaft als tragende Säule Kern des Hofes im Biosphärenreservat Bliesgau ist die solidarische Landwirtschaft (SoLaWi). Eine feste Gemeinschaft aus Mitgliedern finanziert gemeinsam die laufende Produktion und erhält im Gegenzug regelmäßig Anteile der Ernte. „Wir wirtschaften nicht für einen abstrakten Absatzmarkt, sondern für Menschen aus der Region“, beschreibt Ayleen Hunsicker das Grundprinzip. „Die Mitglieder tragen dabei auch Schwankungen mit – etwa bei wetterbedingten Ernteausfällen oder bei besonders ertragreichen Phasen.“ Das schaffe Planungssicherheit auf der einen Seite und geteilte Verantwortung auf der anderen. Die Zusammensetzung der Ernteanteile richtet sich nach Saison und Verfügbarkeit. Standardisierte Warenkörbe gibt es bewusst nicht. Stattdessen bestimmt das, was die Natur gerade hervorbringt, den Inhalt. Beteiligung ausdrücklich erwünscht Die Mitglieder der SoLaWi sind nicht einfach nur Abnehmer oder Verbraucher. Jeder kann auf den Hof kommen, in alle Bereiche hineinschauen, eigene Ideen einbringen und bei einer Vielzahl an Aktionen mitwirken. Neben den Landwirtschaft neu gedacht „Kräuterhexen“, die sich um das Anlegen und Pflegen von permanenten oder temporären Kräuterbeeten für die Solawi kümmern, gibt es die „Beerenbande“, eine Gruppe, die Beerensträucher pflanzt, bewässert und pflegt. Andere Mitglieder sind beispielsweise in der Tomatenanzucht aktiv. So kann jedes Mitglied etwas lernen, direkt auf den Erfolg der Ernte einwirken und jede Menge Erfahrungen auf diesem vielseitigen Bauernhof sammeln. Die Kinder der Mitglieder sind auch gerne auf dem Hof mit dabei. Eine Vielzahl an tierischen Bewohnern freut sich immer über eine extra Streicheleinheit oder ein paar leckere Gemüsereste, die von der Ernte übrig geblieben sind. Wochenmärkte in St. Ingbert und Kirkel Neben der SoLaWi bietet der Hof hochwertige Lebensmittel auch im direkten Verkauf an. Auf den Wochenmärkten in St. Ingbert und Kirkel präsentieren die Betreiber dreimal pro Woche ihre Produkte. Im Angebot stehen saisonales Gemüse sowie ausgewählte Erzeugnisse aus regionaler Produktion. Die Marktstände sind dabei mehr als nur Verkaufsflächen: Sie Das Team um Ayleen Hunsicker freut sich über die große Nachfrage. Foto: Hof Hochscheid dienen als direkter Kontaktpunkt zur Bevölkerung. Viele Menschen kommen hier erstmals mit dem Hof in Berührung und informieren sich anschließend über die SoLaWi oder weitere Angebote. Wanderhütte als Ort der Begegnung Ergänzend betreibt das Team auf Hof Hochscheid eine Wanderhütte, die sich an Spaziergänger, Wanderer und Ausflügler im Bliesgau richtet. Sie ist bewusst einfach gehalten und fügt sich in das naturnahe Gesamtkonzept ein. Sonntags von 11-17 Uhr werden dort Speisen und Getränke angeboten, ein Ort der Begegnung mitten in der Natur. Mit Speisen aus Bioprodukten des eigenen Anbaus, selbstgebackenem Kuchen, eigenem Bio-Rindfleisch und wechselnden Tagesgerichten ergänzt die Hütte das Hofkonzept um einen sozialen und touristischen Baustein, der den Hof stärker in die Region öffnet. Hier können Besucher einen Blick auf die Gemüsefelder werfen, tierische Bewohner kennenlernen oder einfach nur in absolut ruhiger Lage die Natur und das Essen genießen. Geplant sind auch Workshops und weitere Veranstaltungen. Vortragsreihe Die Stiftung für Umwelt und Kultur der Kreissparkasse Saarpfalz und der Biosphärenzweckverband Bliesgau laden in diesem Jahr zu einer Vortragsreihe ein, die die Region aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet: wissenschaftlich fundiert, regional verankert und für ein breites Publikum verständlich aufbereitet. Die Resonanz auf die ersten Termine zeigt: Das Interesse an der Biosphäre ist groß. Bereits zwei Veranstaltungen haben stattgefunden. Zum Auftakt Neue Perspektiven auf die Biosphäre Bliesgau führte Dr. Dieter Dorda die Zuhörerinnen und Zuhörer in die beeindruckende Artenvielfalt des Bliesgaus ein. Besonders das europaweit bedeutsame Orchideenvorkommen in Gersheim sorgte für Staunen und machte deutlich, wie wertvoll und zugleich sensibel dieser Lebensraum ist. Beim zweiten Termin widmete sich Prof. Dr. Jürgen Rissland einem Thema, das zunehmend an Bedeutung gewinnt: Klimawandel und Gesundheit. Er zeigte auf, wie steigende Temperaturen, neue Krankheitserreger und veränderte Umweltbedingungen auch im SaarDie St. Ingbert präsentiert sich beim diesjährigen Biosphärenfest am 30. August in Walsheim mit einem eigenen Infostand zu aktuellen Projekten, Veranstaltungen und Angeboten der Stadt. Besucherinnen und Besucher erhalten dort Einblicke in laufende Entwicklungen sowie Informationen zu verschiedenen Aktionen und Initiativen in St. Ingbert. Eine besondere Mitmachaktion erwartet Gäste in diesem Jahr gemeinsam mit Lehrkräften der Musikschule: Beim Panflötenbau aus Stängeln des Japanischen Knöterichs können Kinder und Erwachsene selbst kreativ werden. Dabei werden die Pflanzenstängel zunächst mithilfe einer Schablone markiert, anschlieMitmachaktion beim Biosphärenfest am Stand der Stadt St.Ingbert. Foto: C.Pfaff pfalz-Kreis spürbar werden und welche Herausforderungen auf Kommunen und Bevölkerung zukommen. Die nächsten Termine: Einladung an die Öffentlichkeit Streuobstwiesen im Fokus – 15. September 2026 Die dritte Veranstaltung richtet den Blick auf einen der prägendsten Lebensräume des Bliesgaus: die Streuobstwiesen. Harry Lavall, ausgewiesener Kenner der Materie, erläutert ihre ökologische Bedeutung, ihren kulturellen Wert und die Vielfalt der Produkte, die aus ihnen entstehen. Ein Thema, das Naturfreunde ebenso anspricht wie Menschen, die regionale Wertschöpfung schätzen. Stadt-Land-Beziehungen – 3. November 2026 Zum Abschluss der Reihe beleuchtet Dr. Susanne Nimmesgern die historischen und gesellschaftlichen Verflechtungen zwischen der Industriestadt St. Ingbert und ihrem ländlichen Umland. Der Vortrag zeigt, wie eng wirtschaftliche Entwicklung, Landschaftsbild und Alltagskultur miteinander verbunden sind und wie diese Beziehungen die Region bis heute prägen. Ein Angebot für alle, die den Bliesgau besser verstehen möchten Die Vortragsreihe macht deutlich, wie vielfältig die Themen rund um die Biosphäre Bliesgau sind: von Natur- und Artenschutz über Gesundheitsfragen bis hin zu historischen Perspektiven. Die kommenden Termine bieten erneut die Gelegenheit, die Region aus neuen Blickwinkeln kennenzulernen. Die Stiftung für Umwelt und Kultur der Kreissparkasse Saarpfalz und der Biosphärenzweckverband laden alle Interessierten herzlich ein, die nächsten Vorträge zu besuchen. ßend zugeschnitten und auf ihre Tonhöhe getestet. Zum Schluss werden mehrere Röhren zu einer eigenen kleinen Panflöte zusammengebunden. Stadt St. Ingbert beim Biosphärenfest vertreten
9 Die Rundschau für das Biosphärenreservat Bliesgau Juni – August 2026 Natürlich in St. Ingbert Wo die Biosphäre Stadt wird: St. Ingbert – Impulsgeber im Biosphärenreservat Bliesgau Es ist ein leiser Wandel – keiner, der mit großem Getöse daherkommt. Und doch verändert er eine ganze Region. Wer heute durch St. Ingbert geht, spürt schnell: Hier geht es nicht nur um Stadtentwicklung. Hier geht es um ein Versprechen – an die Zukunft, an Nachhaltigkeit, an eine neue Art des Zusammenlebens von Stadt und Land. Nur wenige Kilometer weiter beginnt der Bliesgau. Sanfte Hügel, Streuobstwiesen, Landwirtschaft. Ein Gegenentwurf? Nicht ganz. Vielmehr ist es eine Partnerschaft, die in dieser Form einzigartig ist und die von der UNESCO gewürdigt wurde. Denn hier existiert etwas, das selten ist: eine echte, gelebte Stadt-Land-Beziehung innerhalb eines Biosphärenreservats. Eine alte Verbindung mit neuer Kraft Die Wurzeln dieser Verbindung reichen weit zurück. Schon im 17. Jahrhundert war St. Ingbert Industriestandort. Die Hüttenindustrie brachte Arbeit in die Stadt und gleichzeitig eine enge Verzahnung mit dem Umland. Im Bliesgau wurde Landwirtschaft betrieben, oft im Nebenerwerb von Familien, die zugleich in der Industrie arbeiteten. Die Produkte fanden ihren Weg zurück in die Stadt, auf Wochenmärkte und in Haushalte. Was damals aus Notwendigkeit entstand, ist heute ein Modell mit Zukunft. „Hidden Champions, die im Hintergrund an genau den Technologien arbeiten, die morgen entscheidend sein werden“ Während der Bliesgau heute für naturnahe Landwirtschaft, Biodiversität und Landschaftsschutz steht, interpretiert St. Ingbert Nachhaltigkeit auf seine eigene Weise: urban, technologisch, innovativ. Moderne Mobilität ist dabei ein Schlüsselthema. Dass mit Kettler eines der modernsten Fahrradwerke Europas seinen Sitz in St. Ingbert hat, ist kein Zufall. Es passt zur Vision einer Stadt, die Bewegung neu denkt: emissionsarm, alltagstauglich, zukunftsfähig. Doch die Transformation geht tiefer. „In St. Ingbert entstehen im IT-Bereich maßgeschneiderte Lösungen für nachhaltige Prozesse, oft von Unternehmen, die man nicht auf den ersten Blick kennt. Hidden Champions, die im Hintergrund an genau den Technologien arbeiten, die morgen entscheidend sein werden“, erklärt Melanie Fritsch von der St. Ingberter Wirtschaftsförderung. Biosphäre findet Stadt Der Impuls geht dabei zunehmend von der Stadt aus. Initiativen entstehen, Netzwerke wachsen, Ideen werden getestet. Und das Entscheidende: Die Akteure im Bliesgau ziehen mit. Sie erkennen das Potenzial, bringen ihre Perspektiven ein, erweitern den Blick. So wird aus einem Nebeneinander ein Miteinander. „Biosphäre findet Stadt“ ist dabei mehr als ein Schlagwort. Es beschreibe eine Dynamik, in der beide Seiten voneinander profitieren“, so Fritsch. „Die Stadt bringt Innovation, Forschung und Arbeitsplätze. Der ländliche Raum bietet Lebensqualität, Natur und Entschleunigung.“ Attraktiv: Leben zwischen zwei Welten Was heute als Stadt-Land-Modell beschrieben wird, hat in der Region um St. Ingbert eine lange Tradition. Viele Menschen arbeiten in St. Ingbert und wohnen im Bliesgau. Sie pendeln nicht nur räumlich, sondern auch zwischen zwei Lebenswelten. Denn wer im Bliesgau zuhause ist und in St. Ingbert arbeitet, bewegt sich selbstverständlich zwischen Naturraum und urbanem Arbeitsumfeld. Genau dieser Mix macht die Region attraktiv. Er schafft Synergien, die man nicht planen kann, sondern die entstehen müssen. Und er sorgt dafür, dass sich die Region weiterentwickelt, ohne ihre Identität zu verlieren. Transformation mit Weitblick St. Ingbert zeigt, wie Transformation im dicht besiedelten Raum funktionieren kann, ohne die industrielle Basis aufzugeben. Stattdessen wird sie weitergedacht: durch Mittelstand, Forschungseinrichtungen und neue Technologien. Gerade im Umfeld der saarländischen Landeshauptstadt Saarbrücken positioniert sich St. Ingbert damit bewusst als Zukunftsstandort. Nicht laut, nicht überheblich, aber konsequent. Forschungsinstitute bringen neue Ideen in die Stadt. Unternehmen setzen sie um. Und die Region profitiert als Ganzes. Ein Modell für morgen Was hier entsteht, ist mehr als regionale Entwicklung. Es ist ein Modell, das zeigt, wie Nachhaltigkeit konkret aussehen kann: nicht als Verzicht, sondern als Verbindung. Nicht als Gegensatz zwischen Stadt und Land, sondern als gemeinsame Bewegung. St. Ingbert und der Bliesgau machen vor, wie Transformation gelingt, wenn man sie gemeinsam denkt. Und vielleicht liegt genau darin ihre größte Stärke: dass sie nicht versuchen, etwas völlig Neues zu erfinden. Sondern das weiterentwickeln, was schon immer da war. Mobilitätswoche in St. Ingbert – Nachhaltig unterwegs im Alltag Wie bewegen wir uns morgen – und was können wir heute schon dafür tun? Die Mobilitätswoche in St. Ingbert im September liefert konkrete Antworten mit Angeboten, die direkt im Alltag ansetzen und zum Mitmachen einladen. Die Mobilitätswoche setzt gezielt auf konkrete, alltagsnahe Aktionen, die nachhaltige Mobilität erlebbar machen. Ein fester Bestandteil ist das Pendlerfrühstück, bei dem Berufspendlerinnen und Berufspendler am Morgen eine kleine Aufmerksamkeit erhalten, als Dankeschön und als Impuls, über das eigene Mobilitätsverhalten nachzudenken. Am 16.09.2026 geht es in einem Vortrag um die Anfänge des VCD und des ADFC. Am 21.09.2026 darum, was beim ÖPNV geschehen muss, um im Saarland eine wirkliche Mobilitätswende zu erreichen. Ein weiterer zentraler Programmpunkt ist der Aktionstag am Samstagvormittag in der Fußgängerzone. Dort stehen Informations- und Mitmachangebote im Mittelpunkt, die direkt in der Innenstadt zeigen, wie vielfältig und praktisch nachhaltige Mobilität im Alltag sein kann. Ergänzt wird das Programm durch die Fahrrad- und Rollatoren-Segnung in der Alten Kirche. Sie verbindet den praktischen Alltag mit einem symbolischen Moment der Gemeinschaft und des bewussten Umgangs mit Mobilität – verbunden mit dem Gedanken von Sicherheit, Rücksicht und Verantwortung. Ein weiterer Höhepunkt sind sicher die Führungen durch das Kettler-Werk, die die Biosphären-VHS in der Mobilitätswoche anbietet. Das vollständige Programm, das weiter ergänzt wird, finden Sie auf der Seite der VHS (https://vhsigb.de/) unter dem Suchbegriff „Mobilitätswoche“. St. Ingberter Sagenwege starten in die neue Saison Familienfreundliche App-Touren jetzt auch mit Erinnerungsweg zu jüdischem Leben Auch in diesem Sommer laden die St. Ingberter Sagenwege wieder dazu ein, Natur, Geschichte und spannende Erlebnisse miteinander zu verbinden. Zauberkristalle, Riesen und andere Fabelwesen führen Groß und Klein auf familienfreundlichen Wegen durch die Wälder rund um St. Ingbert. Die Sagenwege sind app-basiert und können jederzeit individuell begangen werden. Mithilfe der Actionbound-App erleben Besucherinnen und Besucher interaktive Touren mit Rätseln, Hörstationen und liebevoll gestalteten Erlebnisorten mitten in der Natur. Die Wege eignen sich besonders für Familien und Kinder, bieten aber auch Erwachsenen abwechslungsreiche Ausflüge an der frischen Luft. Neues Format erinnert an jüdisches Leben in St. Ingbert Erstmals ergänzt nun ein neues Wegeformat die bekannten Sagenpfade. Statt Fantasiegeschichten stehen dabei reale Schicksale und ein wichtiges Kapitel der Stadtgeschichte im Mittelpunkt. Ab August 2026 lädt der neue „Erinnerungsweg jüdischen Lebens in St. Ingbert“ dazu ein, die Geschichten ehemaliger jüdischer Bürgerinnen und Bürger auf besondere Weise kennenzulernen. Entwickelt wurde das Projekt von sieben Schülerinnen und Schülern des Albertus-Magnus-Gymnasiums innerhalb der AG „Zweitzeugen“. Die Jugendlichen beschäftigten sich intensiv mit den Lebensgeschichten jüdischer Familien aus St. Ingbert und wandelten diese in kurze Hörtexte um. Über die Actionbound-App können diese an ausgewählten Stolpersteinen in der Innenstadt angehört werden. Der etwa einstündige Rundweg ist selbsterklärend aufgebaut, setzt keine Ortskenntnisse voraus und ist barrierefrei gestaltet. Persönliche Geschichten statt abstrakter Zahlen Im Mittelpunkt stehen die Menschen selbst: Familien wie die Beers, Kahns, Meyers oder Schmitts werden durch die Hörstationen wieder lebendig. Der Weg zeigt eindrucksvoll, wie eng jüdische und christliche Bürgerinnen und Bürger früher in St. Ingbert zusammenlebten und zusammenarbeiteten. Eine besondere Station befindet sich in der Gustav-Clauss-Anlage. Dort erzählt „Steffi Beer“ aus ihrer Familiengeschichte. Die ruhige Grünanlage lädt gleichzeitig zum Verweilen oder zu einem kleinen Picknick ein. Grundlage vieler Inhalte sind Briefe und Dokumente, die das Jüdische Museum in München den Schülerinnen und Schülern zur Verfügung gestellt hat. Dadurch konnten zahlreiche Details aus dem Leben von Fritz und Elisabeth Beer rekonstruiert werden. Quizfragen und Angebote für Schulen Ergänzt werden die Hörstationen durch kleine Quizfragen, die den Erinnerungsweg besonders für Kinder und Jugendliche zwischen acht und 14 Jahren interessant machen. Gleichzeitig richtet sich das Angebot ausdrücklich auch an Erwachsene. Die frisch ausgebildeten „Zweitzeugen“ bieten zudem Besuche in Schulklassen an. Mithilfe umfangreicher Materialien erzählen sie die Geschichten der ehemaligen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger weiter und beantworten Fragen der Schülerinnen und Schüler. Weitere Informationen zu den klassischen Sagenwegen sowie zum neuen „Erinnerungsweg jüdischen Lebens in St. Ingbert“ gibt es zeitnah auf der Internetseite der Stadt St. Ingbert. Sagenwege St. Ingbert: Smartphone -App. Foto: Stadt St. Ingbert
10 Die Rundschau für das Biosphärenreservat Bliesgau Juni – August 2026 Die Leader-Region Hier wurde in den ländlichen Raum investiert. Gefördert durch: Teil 2: „Einführung der tierwohlfreundlichen, teilmobilen Schlachtung“ und der „Machbarkeit des Umbaus des Kreissparkassengebäudes in Blieskastel zu einem Biosphärenhaus“ Der Biosphärenzweckverband Bliesgau setzt aktuell vier Förderprojekte, die mit LEADER-Mitteln gefördert werden, um. Die Geschäftsstelle des Zweckverbandes will mit den Projekten die Biosphäre Bliesgau in ihrer nachhaltigen Entwicklung weiter voranbringen. Insgesamt konnten Fördermittel in Höhe von knapp 440.000 € in die Biosphäre Bliesgau geholt werden, 80% der Mittel kommen von der Europäischen Union, 20% vom Saarland. Die LAG Biosphäre Bliesgau hat die Projekte von Anfang an unterstützt und über die Regionalmanagerin Christina Danner gut begleitet. Die hier vorgestellten Projekte beschäftigen sich mit der Einführung der tierwohlfreundlichen, teilmobilen Schlachtung und der Machbarkeit des Umbaus des Kreissparkassengebäudes in Blieskastel zu einem Biosphärenhaus. Hierzu werden der Geschäftsführer des Biosphärenzweckverbandes zum Konzept der teilmobilen Schlachtung und die beauftragte Innenarchitektin als federführende Sprecherin einer interdisziplinären Bietergemeinschaft zur Machbarkeitsstudie befragt. Die Biosphärenrundschau beleuchtete in der Frühjahrsausgabe die Ergebnisse der LEADER-Projekte zum Aufbau des Netzwerks Biosphären-Kitas und zur Stärkung der Regionalvermarktung. Aus letzterem Projekt liegen aktuell schon eine Vielzahl von Werbemitteln für die regionalen Produkte vor, die in vielen Verkaufsstellen und im Einzelhandel für mehr Sichtbarkeit der Bliesgau-Produkte und deren Produzenten sorgen sollen. Praxisbeispiele aktueller LEADER-Projekte in der Biosphäre Bliesgau Rinder und Schafe tierwohlgerecht im Herkunftsbetrieb schlachten Drei Fragen an Gerhard Mörsch: Warum kümmert sich der Biosphärenzweckverband um ein Konzept zur teilmobilen Schlachtung? Seit der Schließung des Schlachthofes in Zweibrücken beklagen die Landwirte im Biosphärenreservat Bliesgau, dass sie jetzt große Schwierigkeiten haben, ihre Tiere schlachten zu lassen und ihnen der Weg zum neuen Schlachthof in Perl-Borg, im äußersten Nordwesten des Saarlandes an der Grenze nach Luxemburg und Frankreich, zu weit ist. Auch wollen sie ihre Tiere nicht der Tortur einer langen Fahrt zu irgendeinem Schlachthof in der Republik aussetzen. Gerade Nebenerwerbslandwirte sind betroffen. Einige teilten mit, dass sie ihre Tiere und ihren Betrieb aufgeben müssten, wenn keine regionale Lösung gefunden wird. Das wäre für die Offenhaltung unserer Kulturlandschaft und den Erhalt der Biodiversität in der Biosphäre ein schwerer Schlag. Immer mehr artenreiche Wiesen, als bisherige Futtergrundlagen der Tiere, würden brachfallen. Um dies zu verhindern und zur Unterstützung der landwirtschaftlichen Betriebe sowie zur Einführung einer nachhaltigen und tierwohlfreundlicheren Schlachtung, hat sich der Biosphärenzweckverband Bliesgau angeboten, für die betroffenen Landwirte ein Konzept in Auftrag zu geben: Wie könnte die teilmobile Schlachtung im Biosphärenreservat umgesetzt werden, welche rechtlichen Regelungen sind zu beachten und welche Kosten kommen auf die Landwirte zu? Gab es denn überhaupt Interessenten für ein solches Konzept zur teilmobilen Schlachtung? Ja, wir hatten im Rahmen einer Absichtserklärung die Unterschriften von 26 Landwirten, die ihre in Summe rund 200 Tiere gerne auf der eigenen Hofstelle schlachten und in kurzer Entfernung in der Region in einer stationären Schlachtstätte in geeignete Fleischportionen zerlegen lassen wollten. Schon in früheren Jahren hatten sich immer wieder Landwirte gemeldet, die ihre Tiere auf der Weide oder mobil auf der eigenen Hofstelle schlachten wollten und nach den geeigneten mobilen Schlachteinrichtungen fragten. Eine Gruppe von Landwirten wollte sogar vor der Erstellung des Konzeptes schon eine „Schlachtgenossenschaft“ gründen, um ihr Problem des fehlenden Schlachthofs zu lösen, ohne jedoch konkret zu wissen, was da auf sie zukommt. Und genau da wollten wir helfen. Wie geht es jetzt weiter mit dem Konzept und der Umsetzung? Der Biosphärenzweckverband wird die mit LEADER-Mitteln geförderte Erstellung des Konzeptes zur Einführung der teilmobilen Schlachtung im Biosphärenreservat Bliesgau abschließen und das Konzept mit allen Angaben zu den möglichen Schlachteinrichtungen, mobil und stationär, zu den rechtlichen Vorgaben und zu den Kosten den betroffenen und interessierten Landwirten und Metzgern an die Hand geben. Dann müssen Landwirte und Metzger selbst die Verantwortung übernehmen und das Konzept umsetzen. Mit Karin Wanzel, vom gleichnamigen Ingenieurbüro aus Reutlingen, hatten wir nach einer öffentlichen Ausschreibung ein gutes Büro gefunden, das sehr solide und eng mit den amtlichen Veterinärinnen und Veterinären sowie den Landwirtinnen und Landwirten abgestimmte Ergebnisse geliefert hat. Doch leider fehlen uns im Moment die Landwirte und Metzger, die Verantwortung übernehmen wollen und sich für das Konzept und die teilmobile Schlachtung einbringen. Vielleicht findet das Konzept doch noch bald die entsprechenden Anwender. Der Biosphärenzweckverband hat mit dem Konzept seine Zusage zur Unterstützung der Landwirte erfüllt. Wie kann ein Biosphärenhaus in einer Kreissparkassenfiliale funktionieren? Drei Fragen an Anja Welle: Was hat Sie gereizt, sich für diese Machbarkeitsstudie zu bewerben? Für mich war das Projekt von Anfang an ein echtes Leuchtturmprojekt für Nachhaltigkeit im UNESCO-Biosphärenreservat Bliesgau, auf das ich mich sehr gerne mit großer Überzeugung beworben habe. Die Herausforderungen schienen mir von Beginn an sehr hoch zu sein, aber gerade das war für mich der Anreiz, mich intensiv mit dem Projekt und dem nachhaltigen Bauen im Bestand zu befassen. Als regional verwurzelte Büroinhaberin habe ich mich sehr über den Zuschlag gefreut und habe mich gerne den Herausforderungen gestellt. Mir war aber früh bewusst, dass ich das umfangreiche Leistungsverzeichnis des Biosphärenzweckverbandes allein als Innenarchitektin nicht stemmen kann, deshalb habe ich eine leistungsstarke Bietergemeinschaft mit namhaften Büros und Agenturen aus der gesamten Bundesrepublik zusammengestellt, die deutschlandweit arbeiten und beste Erfahrungen mit Informations- und Besucherzentren haben. Zur Bietergemeinschaft gehören epm Sessinghaus Homburg; Ingenieurbüro Plan S, Saarbrücken; DWIF, München, FWi und Skobe, Hamburg.. Mit der Erarbeitung der Machbarkeitsstudie für ein Biosphärenhaus ist es mir zudem ein wichtiges Anliegen, zu zeigen, dass nachhaltiges Bauen im alten, sanierungsbedürftigen Bestand auch zu einem attraktiven, innovativen und nachhaltigen Gebäude mit Strahlkraft führen kann, ohne zusätzliche Flächen zu versiegeln und deutlich weniger Ressourcen zu verbrauchen. Welche Ergebnisse haben Sie schon erarbeiten können? Wir sind mit der Bearbeitung der gestellten Aufgaben fast fertig. Wir haben für alle Geschosse Umbaupläne entwickelt, die grundsätzlich alle Anforderungen an ein modernes und funktionales Biosphärenhaus als zentrales Besucher- und Informationszentrum und als Bürostandort der Geschäftsstelle des Biosphärenzweckverbandes und der Saarpfalz-Touristik erfüllen. Wir haben das Erdgeschoss, die bisherige Schalterhalle der Kreissparkasse, freigeräumt für eine moderne und anspruchsvolle Ausstellung, die auf rund 400 Quadratmetern allen Besuchern und Gästen das UNESCO-Biosphärenreservat, seine einzigartige Natur, seine Aufgaben und seine Akteure anschaulich und lebendig präsentieren wird. Es war dem Biosphärenzweckverband und uns als Bietergemeinschaft von Anfang an ein gemeinsames Anliegen, dass das Biosphärenhaus auch für die Bürger der Region eine offene Anlaufstelle und Treffpunkt werden muss. Entsprechend haben wir einen Veranstaltungsraum, einen barrierefreien Zugang und eine für alle Besucher zugängliche, inklusive Toilette vorgesehen. Darüber hinaus ist ein Bereich für wechselnde Ausstellungen geplant, die regelmäßig neue Themen präsentieren und Impulse setzen sollen. Ein weiterer besonderer Bestandteil des Konzepts ist eine einladende „Bibliothek“ beziehungsweise Aufenthaltszone, die Raum zum Verweilen, Austauschen und Recherchieren bietet. Dort sollen Informationen und Literatur zu Nachhaltigkeitsthemen, zu unserer Region sowie zu Biosphärenreservaten weltweit zugänglich gemacht werden. Architektonisch soll das Projekt deutliche Zeichen für Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Zukunftsfähigkeit setzen: Hochwertige Geschäftsführer Dr. Gerhard Mörsch betreut in der Geschäftsstelle u.a. das LEADER-Projekt zur Einführung der teilmobilen Schlachtung im Biosphärenreservat Bliesgau. Foto: Manuela Meyer Symbolische Scheckübergabe durch Staatssekretär Sebastian Thul für das LEADER Projekt zur teilmobilen Schlachtung, vor dem Bliesberger Hof im Limbach. Foto: Pia Schramm Symbolische Scheckübergabe durch Umweltministerin Petra Berg für das LEADER Projekt zur Machbarkeit des Umbaus des Kreissparkassengebäudes zu einem Biosphärenhaus. Foto: Paula Jacob
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