Rundschau St. Ingbert

DIE RUNDSCHAU – Juni 2022 14 Lesung mit Musik in der Stadtbücherei St. Ingbert Nach einer längeren pandemiebedingten Pause war die Konrad-AdenauerStiftung Saar im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe „Jazz und Poesie“ wieder einmal Gast in der St. Ingberter Stadtbücherei. Zahlreiche Zuhörer fanden sich zu dieser spannendenVeranstaltung ein, die in Kooperation mit dem St. Ingberter Literaturforum (ILF) angeboten wurde. Die Lesung mit dem Berliner Publizisten Marko Martin stand unter dem Titel „Die letzten Tage von Hongkong – Der zweifache Tod der Freiheit. Für die musikalische Umrahmung sorgten RobinWeisgerber an der Gitarre und Bernd Nickaes am Saxophon. Dr. Karsten Dümmel, Landesbeauftragter der Konrad-Adenauer-Stiftung für das Saarland und Leiter des Politischen Bildungsforums Saarland, stellte den Autor dieser „Hommage an eine Insel der Freiheit in bedrohlichen Zeiten“ vor und führte in die Thematik des Abends ein. Marko Martin wurde 1970 in Sachsen geboren und reiste 1989 in die Bundesrepublik ein. Er studierte Germanistik, Politikwissenschaft und Geschichte in Berlin. Als Mitglied des „PEN-Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland“ arbeitet er seit Jahren in dessen Sektion „Writers in Prison“ mit. Er ist Jury-Mitglied des KarlWilhelm-Fricke-Preises, den die „Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur“ jährlich an Personen vergibt, die sich um die kritischeAufarbeitung von Diktaturen verdient gemacht haben. „DIE LETZTEN TAGE VON HONGKONG“ Marko Martins stille Reflexion über totalitäreMachtstrukturen während des Jahreswechsels 2019/2020 zeigt das private Leben in Geschäften, Clubs und Restaurants dieser Stadt und die Aufnahme der Nachricht von einem neuartigen Virus namens Sars-Cov-2. Dieses feinsinnige literarische Tagebuch macht an Alltagssituationen die bedrückende Stimmung in der Megacity fest. Die Überlegungen des aus der DDR stammenden Essayisten, der selbst den Prager Frühling 1968 oder die Nelkenrevolution in Portugal 1974 erlebt hat, bieten einerseits eine „Innenansicht totalitärer Repression“ und folgen andererseits den „Spuren der Auflehnung“, denn das Herz Martins schlägt für die Unterdrückten und Verfolgten. Eine lebhafte Diskussion kennzeichnete die sich an die Lesung anschließende Gesprächsrunde. Sie thematisierte vor allem um geopolitische Aspekte und die dramatische Veränderung einer über mehrere Jahrzehnte hinweg stabilen Weltordnung: Mit dem weitgereisten Marko Martin und Dr. Carsten Dümmel standen dem Auditorium erstrangige Experten Rede und Antwort. Es ging bei diesemAustausch vor allem um die Chancen einer Verteidigung der letzten Freiheiten und die Furcht von Autokraten vor einem Wettbewerb der Systeme. In seinem abschließenden Ausblick skizzierte der Autor eine Zukunft, in der China, dessen Bevölkerung wachsenden Wohlstand durch strikten Gehorsam erkauft, mit seiner Synthese von Marktwirtschaft und Parteidiktatur den „Welthegemon“ Amerika ablöst. Der Autor bei der lebhaften Diskussion mit dem Publikum. Foto: Jürgen Bost Als Nachfolger von Gisbert Groh war Günter Jolly von 1995 bis 2007 Leiter der VHS-Nebenstelle Rohrbach. Von der soliden Grundlage ausgehend, Er konnte die Arbeit des Vorgängers erfolgreich weiterführen. Zusätzlich bot er etwa Vorträge zu aktuell interessanten Themen, Kurse zur Bauernmalerei und Ikebana, aber auch Wein- und Bierseminare für Männer EHEMALIGER VHS-NEBENSTELLENLEITER GÜNTER JOLLYVERSTORBEN und Frauen an. Sehr beliebt waren in dieser Zeit auch Film- und Fotokurse sowie gesellige Tagesfahrten unter Leitung von Friedrich Müller. Die Höhepunkte dieser Jahre waren unbestritten die Hausmusikabende in Kooperation mit dem Pfarrorchester Rohrbach unter Leitung von Norbert Feibel und der „kleinen bühne“ der VHS. Darüber hinaus hat Günter Jolly viele Jahre lang mit großer Freude bei Aufführungen der „kleine bühne“ der VHS-St. Ingbert als Schauspieler mitgewirkt. Dabei hat er mit großem Engagement und Können sowohl in klassischen wie in zeitgenössischen Stücken tragende Rollen gespielt. Unvergessen ist etwa seine Darstellung des Schreibers Licht in Kleists Komödie „Der zerbrochene Krug“ oder des George in Edward Albees „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“. „Günter Jolly war ein Mensch, der sich durch fachliche Kompetenz und pädagogisches Geschick ausgezeichnet hat. Mit großem Engagement gestaltete er ein Arbeitsprogramm der VHS, das den spezifischen Bedürfnissen der Bewohnerinnen und Bewohner des Stadtteils gerecht wurde. Und damit hatte er Erfolg. Das Angebot an Kursen, Arbeitsgemeinschaften, Vorträgen, Seminaren, Tagesfahrten oder Konzerten wurde dankbar angenommen“, würdigt Oberbürgermeister Dr. Ulli Meyer die Arbeit von Günter Jolly.

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