Rundschau St. Ingbert

17 Natürlich aus St. Ingbert. Dem Tor zur Biosphärenregion. Juni 2022 Natürlich für St. Ingbert. „Ich erinnere mich, wie ich hier in dem schönen Raum zum Ballettunterricht und anschließend ins Schwimmbad ging“, erinnert sich eine St. Ingberterin. Doch etwa 2001 wurde dasAlte Hallenbad geschlossen und verkommt seitdem zu einem Schandfleck in der Mittelstadt. Nun hat das marode Gebäude am Eingang zum schönen Park der Gustav-Clauss-Anlage einen Investor gefunden: die Victor‘s Group aus Saarbrücken, die schon mit 13 Hotels und zahlreichen Seniorenheimen in ganz Deutschland umfassende Erfahrung im Bau, Umbau und Betrieb von Gebäuden vorweisen kann. Die Projektleitung der Victor’s Group stellt das Konzept vor: Es wird zwei Baukörper geben. Im ersten 4- bis 5-geschossigen Teil wird ein Hotel mit etwa 100 Zimmern im 4-Sterne-Standard Platz finden. Als Tagungs- und Tourismushotel wird es über drei verbindbare Konferenzräume mit insgesamt 300 Plätzen Raum für Meetings, Tagungen und Veranstaltung für Firmen und Institutionen bieten. Gleichzeitig wird der Hotelbetrieb Touristen aus der Biosphäre begrüßen, die hier u. a. eine Ausstattung für Elektromobilität vorfinden werden. „St. Ingbert braucht dringend Hotelkapazität“, freut sich der Beigeordnete für nachhaltige Stadtentwicklung Markus Schmitt. „In letzter Zeit haben sich zahlreiche große Firmen in St. Ingbert angesiedelt, die immer wieder Hotel- und Tagungsräume benötigen. Außerdem sind wir damit als Biosphärenstadt der ideale Ausgangspunkt fürWanderer, Radfahrer und alle Menschen, die Erholung suchen.“ Im zweiten ebenfalls 4- bis ALTES HALLENBAD WIRD ZU BIOSPHÄREN-HOTEL, WOHNUNGEN UND RESTAURANT – PLÄNEWURDENVORGESTELLT 5-geschossigen Baukörper werden etwa 64 Wohnungen guten Standards gebaut, alle barrierefrei, teilweise Rollstuhl-gerecht. Laut Forderung der Stadt werden ca. 10 Prozent als geförderterWohnraum vorgesehen. Damit wird das neue Gebäude auch einem Teil der Wohnungsknappheit in St. Ingbert entgegenkommen. Die beiden Gebäudeteile werden durch einen eingeschossigen, transparenten Mittelteil verbunden, der den Blick zum Park freigibt. „Hier richten wir ein Restaurant ein, das ein schöner Treffpunkt für Bewohner, Hotelgäste und die St. Ingberter werden wird“, freut sich Klaus Meiser, der Projektleiter. Zum Park hin wird ein Biergarten eingerichtet. Der niedrige Gebäudeteil dient zudem als Frischluftschneise zwischen Park und Innenstadt. Im Untergeschoss des gesamten Komplexes wird eine Tiefgarage mit etwa 81 Stellflächen entstehen. Dauerhafter Betreiber von Hotel und Restaurant wird dieVictor’s Group sein. Nachhaltiger Bau in der Biosphärenstadt Ganz im Sinne der Biosphäre ist Nachhaltigkeit das Gebäudekonzept: „Der Bauwird der höchsten Energieeffizienzstufe entsprechen, dieMöglichkeit einer Photovoltaikanlage wird derzeit geprüft. Als Erweiterung zum Park wird das Gebäude mit Grünanlagen umgeben sein, wobei der Erhalt alten Baumbestands soweit möglich Vorrang hat“, erklärt Architekt Markus Walter. Die Beauftragung vorrangig regionaler Bauunternehmen, E-Mobilität, Barrierefreiheit, eine öffentliche Toilette am Biergarten, eine harmonische Einheit mit dem Park und zahlreiche Balkone vervollständigen das Nachhaltigkeitsprinzip. Schon bald werden die ersten Bauarbeiten zu sehen sein: Denn es müssen Erdbohrungen für die Erkundung des Bauuntergrundes durchgeführt werden. Dazu ist bereits eine Spezial-Tiefbaufirma beauftragt. „Erst aufgrund der Ergebnisse dieser Tests können wir an die Planung des Tiefbaus gehen; das wird, neben dem Abriss, die größte Herausforderung der gesamten Baumaßnahme sein“, erläutert der Architekt Markus Walter. Die alten Pfahlgründe desAlten Hallenbades werden aber wahrscheinlich für die Statik des neuen Gebäudes erhalten bleiben. Attraktiver Treffpunkt amTor zum Park Insgesamt veranschlagt die Victor’s Group für den Bau des Hotel-, Wohn- und Gastronomiekomplexes etwa 36 Monate. Meiser und Walter sind sich einig: „Wir freuen uns, dass der Stadtrat unser Projekt mit großer Mehrheit genehmigt hat. Darüber hinaus hat uns die Stadt bereits sehr schnell Dokumente und Erfahrungswerte bereitgestellt – die Zusammenarbeit ist großartig.“ Markus Schmitt ist als Vertreter der Stadt wirklich erleichtert, dass das Thema Altes Hallenbad nun ein gutes Ende nimmt: „St. Ingbert braucht dringendWohnungen, für unsere Gäste und Firmen brauchen wir ein gutes Biosphären-Hotel und das Tor zur Gustav-Clauss-Anlage muss wieder attraktiv werden. Das alles werden wir, reibungslose Abläufe vorausgesetzt, wohl in etwa 3 Jahren hier haben. So entwickelt sich unsere Stadt immer weiter zu einem Schmuckkästchen mitten in der Biosphäre.“ Beigeordneter Markus Schmitt (l.) und Markus Walter (r.) präsentieren die Zukunftspläne am alten Hallenbad. Foto: G. Faragone Durch energetische Sanierungen und den Abriss alter Gebäude finden Mauersegler leider kaum noch Nistmöglichkeiten, denn ursprünglich nisteten die flinkenVögel in Felsnischen und Baumhöhlen. Aus diesem Grund ist es wichtig, spezielle Brutkästen für diese Vogelart sowohl an öffentlichen Gebäuden als auch an Privathäusern aufzuhängen. An der Lagerhalle des städtischen Betriebshofes wurde nun eine Nisthilfe angebracht, die auf Initiative des NABU St. Ingbert in der Offenen Jugendwerkstatt der Alten Schmelz gebaut wurden. Drei baugleiche Kästen wurden bereits im Dezember 2019 auf der Alten Schmelz angebracht und sind teilweise auch schon bewohnt. Außerdem wurde in Absprache mit dem Gebäudemanagement der Stadtverwaltung bei der Sanierung des Laborgebäudes auf der Alten Schmelz weitere zehn Nistmöglichkeiten geschaffen. Bei der Befestigung des neuen Nistkastens waren auch Claus Günther, der Gabi Stein erklärt Oberbürgermeister Dr. Ulli Meyer (links) und Claus Günther (rechts) den optimalen Platz für den Mauersegler-Nistkasten. Foto: G. Faragone MAUERSEGLER SOLLENAUF DEM BAUHOF EIN NEUES ZUHAUSE FINDEN voll ist,Mauersegler gezielt zu fördern. „Ich freue mich besonders über solche Aktionen, die die Artenvielfalt in unserer Stadt sichern. Und mit dem NABU haben wir einen kompetenten Partner an unserer Seineue Nachhaltigkeitsbeauftragte der Stadt, und Gabi Stein vom NABU St. Ingbert anwesend. Beide unterstrichen die Wichtigkeit dieser Maßnahme und erklärten Oberbürgermeister Ulli Meyer, warum es sinnte, der uns im Natur- und Artenschutz perfekt unterstützt“, freut sich Claus Günther und dankt ausdrücklich der Stadt und dem NABU. Natürliche Brutmöglichkeiten seien rar, denn neue Häuser hätten kaum noch Nischen und bei der Renovierung alter Gebäude würden die Schlupflöcher oft zugemauert. „Aber allein mit der Nisthilfe ist es nicht getan. Auch die Nahrung der Mauersegler sowie allerVögel überhaupt, nämlich Insekten, muss gedacht werden. Vielfältige Strukturen im öffentlichen und privaten Grünbereich sind da ein Muss, damit auch in der Zukunft der Mauersegler an unserem Himmel seine Kreise zieht“, so die klaren Worte des Nachhaltigkeitsbeauftragten. „Ich bin sehr froh über die enge Zusammenarbeit mit der Stadt, denn die nächsten sechs Nisthilfen, die ebenfalls an städtischen Gebäuden angebracht werden, liegen schon bereit“, freut sich Gabi Stein, die Ansprechpartnerin fürAmphibien, Reptilien und Gebäudebrüter beimNABU St. Ingbert.

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