Rundschau St. Ingbert

21 Natürlich aus St. Ingbert. Dem Tor zur Biosphärenregion. Juni 2022 Natürlich für St. Ingbert. „Der Zauberkristall“ in Oberwürzbach Sanft weht der kühle Frühlingswind durch die Obstbäume der Streuobstwiese, die TRIANGEL-KLANGSPIEL VERZAUBERT DEN SAGENWEG Sonne wärmt das Gesicht, die Bienen schwirren um die Bienenstöcke und die unterschiedlichsten Vögel trillern ihr Lied. In dieser fröhlichen-entspannten Stimmung über den Dächern von Oberwürzbach am Rand des Sagenweges erhebt sich ein neues Klangspiel. Ein etwa zwei Meter hohes hölzernes Dreieck, in dessen drei Etagen neun Triangeln schweben. Schlägt man eines oder mehrere davon mit einem der beiden Aluminiumstöcke an, mischt sich der helle Klang unter die Töne der Natur. Grundton und Obertöne erklingen am Instrument, schwingen durch die Luft, setzen sich im Kopf fest und verklingen langsam und leise im Wind. Diese Beschreibung kann man ab sofort auch live erleben auf dem Sagenweg in Oberwürzbach. Wir sprachen mit dem „Klangmeister“ und Musiklehrer für Cello und Kontrabass Hermann Müller: Herr Müller, wie kommt man dazu, Klangspiele zu bauen? Schon während des Studiums habe ich mich dafür interessiert, wie Instrumente gebaut werden müssen, um den „perfekten Ton“ zu erzeugen. 2019 durfte ich bereits vier Klangspiele an der Römerstraße in Heckendalheim für den sogenannten Klangweg in der Biosphäre errichten. Hermann Müller testet das neue, von ihm und Musikschülern gebaute Klangspiel in Oberwürzbach. Foto: Martina Panzer DieAbteilungTourismus der Stadt St. Ingbert hat sich in der Coronazeit viele Gedanken darüber gemacht, wie Familien die Gegend rund um die Mittelstadt nutzen können. „Wandern war zu der Zeit eine gute Beschäftigung: frische Luft, Bewegung – Eltern finden das eine gute Idee. Aber leider hört man bei den Kinder oft ein ‚Oh, nein, schon wieder wandern!‘ Also haben wir das Wandern spannend gemacht,“ erzählt Iris Stodden, Mitarbeiterin der Abteilung Tourismus. Mit St. Ingbert sind eine Vielzahl an Sagen und Geschichten verbunden, jede für sich sehr interessant, viele davon allerdings vergessen. So haben Frau Stodden und ihre Kolleg*innen gemeinsammit KonradWeißgerber, dem Vorsitzenden des Heimat- und Verkehrsverein St. Ingbert e.V. fünf Geschichten zusammengestellt und dazu Wanderwege rund um St. Ingbert geplant. BeimWandern auf diesen Sagenwegen erfährt man die Geschichte oder Sage, kann Rätsel lösen und Punkte sammeln. Allerdings gibt es keine Schilder – die gesamte Wegstrecke verfolgt man über dieApp „Actionbound“ (weitere Infos unter https:// urlaub-st-ingbert.de/st-ingberter-sagenwege/). „Hier kommen Natur und Fantasie FÜNF SAGENWEGE, EIN KLANGSPIEL, BIENEN UND EINE OBSTWIESE mit Technik zusammen“, lobt Oberbürgermeister Dr. Ulli Meyer das Konzept. „Damit wurde ein tolles Angebot für junge Menschen geschaffen – das allerdings auch mir sehr viel Spaß macht“, fügt er lachend hinzu. Und das sind die fünf St. Ingberter Sagenwege: – Der ‚Riese Kreuzmann‘ am Stiefel in Sengscheid – Der ‚Mori-Taten-Weg‘ an der Gehnbach, St. Ingbert Mitte – Der ‚Zauberkristall‘ in Oberwürzbach – Der ‚Fröschenpfuhl‘ in Hassel – Der ‚Gebrannte‘ bei Rohrbach Die offizielle Einweihung dieser attraktiven Wanderwege wurde an der Streuobstwiese des Obst- und Gartenbauvereins Oberwürzbach e.V. am Farrenberg gefeiert. Hier verläuft der „Zauberkristall“-Weg. Zwischen Obstbäumen, Erdbienenhotels, Bienenstöcken und einer Esel- und Pferdewiese ist dies einer der stillsten und ammeisten entspannenden Orte St. Ingberts. „DieWiese muss täglich gepflegt werden. Wir beobachten den Pflanzen -und Baumwuchs, mähen die Wiese, ernten Obst, beseitigen Wildsauschäden usw. Es gibt immer etwas zu tun“, erzählt Margit Frenzel-Klemsch, 1. Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins. Und einen Rätselpunkt für den Sagenweg gibt es auch. Die traumhafte Atmosphäre wird verstärkt durch das von Musiklehrer Herrmann Müller gebaute Klangspiel, das gleichzeitig eingeweiht wird. Unter seiner und der Leitung von Musiklehrerin Friederike Tosolini geben 10 Schüler*innen der Musikschule in der Natur ein kleines Konzert mitten in der Natur. Die Kosten für die fünf Sagenwege trägt die Stadt, allerdings waren so viele engagierte und fleißige Hände beteiligt, ohne die die Idee und Gestaltung gar nicht möglich gewesen wären. Im Einzelnen sind dies: • Abteilung Tourismus (Organisation) • Städtischer Bauhof (Ausstattung der Sagenwege) • Stadtgärtnerei (Säubern und Herrichten derWege) • Frau Schmiedel (Recycling-Art, Herstellung von Figuren) • Herrmann Müller (Erbauer des Klangspiels auf dem Farrenberg) • Maurice Eickhoff (Holzkünstler) • Heimat-und Verkehrsverein & Gehnbachfreunde e.V. (Recherche und Bereitstellung von Geschichten, Stiftung einer Figur durch die Gehnbachfreunde) • Wolfgang Blatt (Vorleser der Geschichte von Matz und Greth) • Thomas Nothof (Band „Rebelsouls“, Genehmigung zur Nutzung des Songs von Matz und Greth) • Bodo Marschall (Buchautor „Der Zauberkristall“) • Obst- und Gartenbauverein Oberwürzbach (Bereitstellung Stellplatz Klangspiel und die Schaffung einer genialen Picknick-Möglichkeit für die ganze Familie!) • SaarForst Landesbetrieb: (Revierleiter Benedikt Krächan und Michael Weber mit wohlwollender Zustimmung zur Einrichtung derWege!) „Auf den Sagenwegen wird Geschichte lebendig erzählt, in der Natur kann man jeden Tag etwas Neues entdecken und durch die App haben wir ein modernes Medium mit Hintergrundinformationen und jeder Menge Spiel und Spaß“, fasst der Oberbürgermeister begeistert zusammen. Gemeinsam mit den Ortsvorstehern, Lydia Schaar, Irene Kaiser und Dieter Schörkl pflanzt er einen weiteren Baum an der sagenumwobenenWiese: einen Herbstapfel. DreiWochen habe ich jetzt gemeinsammit Schülern der Musikschule an dem Klangspiel in Oberwürzbach gebaut. Würden Sie uns ein bisschen von der Zeit des Baus erzählen? Für das Klangspiel in Oberwürzbach habe ich zusammen mit drei interessierten Musikschülern Holz ausgewählt und von Hand geschliffen und Edelstahl gebogen, um die Triangeln zu formen. Diese ersten Instrumente aus Edelstahl hatten überhaupt keinen Klang. Deshalb versuchten wir es mit einem anderen Material, Messing aus. Das war zwar deutlich schwieriger zu formen, hat aber einen wunderbar natürlichen Klang entwickelt. Auch an der Aufhängung haben wir lange gebastelt. Damit sich der Klang entfaltet, musste die Triangel quasi frei „schweben“, aber gleichzeitig sollte sie robust und diebstahlsicher sein. Seit dem Frühjahr schmiegt sich das neue Klangspiel in die Atmosphäre der Streuobstwiese ein. Wie man an den Einkerbungen der Stöcke erkennen kann, wird damit auch schon richtig viel musiziert. Ihre Schüler nehmen bei solchen Projekten eine wichtige Rolle ein. Warum? Mir ist wichtig, dass an meinen Projekten immer Schüler beteiligt sind. Musik zu lernen bedeutet so viel mehr als Üben und Unterricht. Dazu gehört auch das gemeinsame Musizieren und das Vorspielen in Form von Konzerten. Neben der Musik lernten die Schüler bei dieser Arbeit aber auch Material- und Instrumentenkunde, handwerkliches Arbeiten, Problemlösungen, Arbeiten imTeam und vieles mehr.

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