Rundschau St. Ingbert

DIE RUNDSCHAU – Februar 2024 4 Besuchern, und das Ganze unter dem Einfluss der Online-Handels. Stichwort Fachkräftemangel. Wie wirkt sich dieser auf die Unternehmen aus, insbesondere in Bezug auf Auszubildende und die Kostenentwicklung? Ganster: Der Fachkräftemangel hat drastische Auswirkungen. Die fehlenden Auszubildenden und die rasant steigenden Kosten, bedingt durch politische Rahmenbedingungen, setzen vielen Unternehmen zu. Diese Kostensteigerungen, beispielsweise durch ständig steigende Stundenlöhne für Nicht-Fachkräfte, in Kombination mit der Krise gefährden das Überleben zahlreicher Betriebe. Welche weiteren großen Herausforderungen sehen Sie, vor allem für kleinere und mittlere Unternehmen? Ganster: Das Land fordert Gründungen, schafft jedoch nicht die entsprechenden Rahmenbedingungen. Kredite werden nur unter harten Bedingungen vergeben. Auch nach einer erfolgreichen Gründung, wenn Mitarbeitende eingestellt werden, muss der Jungunternehmer häufig so große finanzielle Sprünge machen, dass viele aufgeben. Lange Genehmigungsverfahren erschweren es bestehenden Unternehmen, Neues zu planen und zu entwickeln. Oft geht den Betrieben der Atem aus, noch bevor sie die notwendige Genehmigung erhalten, um etwas Neues zu starten. Gerade bei Start-up Unternehmen gilt die Überwindung der „Todeszone“ als wichtige Wegmarke, es sollten alle Möglichkeiten erwogen werden, dass auch Neugründungen im Handel geholfen wird diese zu erreichen. Wie beurteilen Sie die Lage des Einzelhandels ganz allgemein? Ganster: Signa & Benko ziehen mit gewagten Geschäftsmodellen und oftmals noch abenteuerlicheren Versprechungen Aufmerksamkeit auf sich. Da wird alter Wein in alten Schläuchen als innovatives Geschäftsmodell verkauft. Und dieses Blendwerk reicht dann auch noch, um dreistellige Millionenbeträge an Finanzhilfen zu bekommen. Der kleine Händler staunt und fällt dann doch hinten runter. Unsere Innenstädte dürfen nicht zum „Wunscherfüller“ solcher Unternehmen werden. Die Intensität, mit der sich um Industrieansiedlungen gekümmert wird, hat auch der Handel in St. Ingbert verdient. Wie beurteilen Sie die Lage in St. Ingbert? Ganster: St. Ingbert ist auf dem richtigen Weg. Die Dynamik der Ansiedlungen ist positiv, und für den Handel ergeben sich langfristig vielversprechende Chancen. Dennoch benötigt der Handel auch kurzfristige Erfolge, um zu überleben. Welchen Lösungsansatz sehen Sie persönlich? Ganster: Ich bin fest davon überzeugt, dass nur die Kooperation aller Beteiligten unter professioneller Leitung aus der Krise führen kann. Handel, Stadt, HGSI und die Bevölkerung müssen an einem Strang ziehen. Das klingt nach einer umfassenden Zusammenarbeit. Was bedeutet das konkret? Ganster: Die Stadt muss mit der Politik die richtigen Rahmenbedingungen setzen. HGSI und die Wirtschaftsförderung müssen Aktionen initiieren, um die Stadt mit NEUES AUS DER INNENSTADT . . . WIE GEHT ES WEITER IN DEN INNENSTÄDTEN? Alle Städte sind betroffen. Geschäfte schließen, Unternehmer geben auf. Wir sprachen mit dem Vorsitzenden von Handel & Gewerbe (HGSI) Nico Ganster über die Belastungen der Unternehmer und der Entwicklung der Innenstädte nach den Krisen. Herr Ganster, wie haben sich die Belastungen für die Händler und Gastronomen in St. Ingbert in den letzten Jahren konkret ausgewirkt? Ganster: Die Belastungen sind nicht nur in St. Ingbert, sondern in vielen Städten spürbar. Die Gängelung durch Bürokratie, die fehlende Digitalisierung und die hohen Kosten haben dazu geführt, dass Unternehmer zu wenig Zeit für ihr eigentliches Geschäft haben. Die Suche nach Fachkräften gestaltet sich zudem in einigen Branchen als äußerst schwierig. Eine zurückgehende Frequenz in den wichtigen Lauflagen tut ein Übriges. Wir erleben ein Auseinanderdriften von Öffnungsmöglichkeiten der Geschäfte, Wünsche der Besucherinnen und

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