Die Biosphäre im Sommer

16 Die Rundschau für das Biosphärenreservat Bliesgau Juni – August 2020 Freizeit in der Biosphäre Mountainbiken, Felsklettern und Naturschutz – ein Widerspruch? Keineswegs! „Rücksichtnahme auf Mensch und Natur ist in den saarländischenWäldern geboten. Abseits der Waldwege habenMountainbikes dabei nichts verloren.“ (Copyright: grafikplusfoto, AdobeStock) Hilfe für Tiere in Not Für verletzte und kranke Wildtiere und Wildvögel hält das Saarland mehrere Auffangstationen vor. Dort wird Fundtieren professionell geholfen. Nach der fachgerechten Pflege werden sie wieder ausge- wildert. Diese zum Teil ehrenamtliche Arbeit ist ein wichtiger Beitrag für den Tierschutz im Saarland. Infos unter: www.umwelt. saarland.de © Han s u nd C h ri s t a E d e , A d o b e S t o c k Im Biosphärenreservat Bliesgau herrscht derzeit ganz besonders gro- ßer Andrang. Vor allem in der Kern- zone Taubental bei Kirkel. Neben zahlreichen Spaziergängern, Wan- derern und Familien mit Kindern sind auch vermehrt Natursportler auf zwei Rädern, vor allem Moun- tainbiker, anzutreffen. In jüngs- ter Zeit kam es nicht selten zu we- nig rücksichtsvollen bis äußerst ge- fährlichen Begegnungen zwischen Mountainbikern und anderer Grup- pen Erholungssuchender; insbeson- dere auf den beliebten Routen Ta- feltour, Felsenpfad und Schmetter- lingspfad. Regelmäßig werdenWald- besucher durch den rücksichtslosen Fahrstil und zu hohe Geschwindig- keit der Biker gefährdet. Weil natür- liche Hindernisse manchen nicht ge- nügen, haben Unbekannte sogar mit SprungschanzenundRampenabseits bestehender Wege und Wanderpfade neue Trails angelegt. Felsenpfad auch für Kletterer attraktiv Aber nicht nur die beeindruckende Natur zu Boden wird in der Kernzo- ne bei Kirkel gerne für Freizeitakti- vitäten genutzt, das Taubental bie- tet auch in luftiger Höhe durch die schroffe Felsenlandschaft Kletterern attraktiveMöglichkeiten. Das Klettern ist in der Kernzone Tau- bental an der östlichen Felsengrup- pe, an den Felsen „Sonnendach“, „Schräge Platte“ und Felsengruppe „Unglücksfelsen“ gestattet. Klette- rer finden eine Informationstafel am Zugang zum Felsenpfad, auf welcher diese Felsen als Kletterfelsen darge- stellt und ihre Namen eingetragen sind. Bei allen anderen Felsen in der Kernzone Taubental gilt das Betre- tungsverbot. Sie bieten Lebensraum für besonders geschützte und seltene Pflanzen, Flechten undMoose. Aber warum ist gerade die Natur imTaubental in Kirkel so schützenswert? Die Kernzone Taubental zählt zu den Juwelen der saarländischen Natur. Denn dort steht die natürliche Ent- wicklung hin zu Wildnis im Vorder- grund. Es geht also darum „Natur Natur sein zu lassen“. In den Kern- zonen des Biosphärenreservates sol- len sich die Flächen ganz bewusst oh- ne menschlichen Einfluss, hin zu ei- nem Urwald von morgen, entwickeln können. Der Arten-undBiotopschutz spielt hier eine ganz besonders wich- tige Rolle. Ein Beispiel ist die sehr scheue EuropäischeWildkatze, die im Kirkeler Wald ihren Lebensraum hat. Sie gehört zu den Arten, für die wir in Deutschland international eine be- sondere Verantwortung haben und die nach dem Bundesnaturschutzge- setz als streng geschützte Art gelistet ist. Als Sympathieträger wird sie auch als der „kleine Tiger Deutschlands“ bezeichnet und benötigt strukturrei- che und vor allen Dingen störungsar- me Lebensräume. Keine Verkehrssicherungspflicht, bei Verstößen Geldstrafen Das Biken abseits von zulässigenWe- gen ist nicht nur nach Landeswald- gesetz verboten, sondern kann für die Biker über das sowieso schon be- stehende Verletzungsrisiko hinaus zusätzliche Gefahren bergen. Denn auf illegal angelegten Strecken be- steht keine Verkehrssicherungs- pflicht, wohingegen offizielle Trails regelmäßig von Grundstückseigen- tümern, Förstern oder sogenannten Trailpaten kontrolliert undGefahren, die aus kranken Bäumen oder Ästen resultieren, entfernt werden. Gelten- de Verhaltensregeln, insbesondere auch in Schutzgebieten werden im- mer seltener ernst genommen. Diese Entwicklung zwingt das Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz zum Schutz unserer Natur, verstärkt Kontrollen durch Revierförster oder die Ranger der Naturwacht zu veran- lassen. Nicht selten werden bei Ver- stößen Geldstrafen verhängt. Umweltministerium an konstruktiven Lösungen interessiert Von Seiten des Landes soll keines- wegs nur auf Verbote hingewiesen werden. Das Umweltministerium ist immer auch daran interessiert, mög- liche Alternativen und konstruktive Lösungen zu den verschiedenen Nut- zungsinteressen zu finden. So wurde z.B. in St. Ingbert in Zusammenarbeit von den zuständigen Revierleitern des SaarForst Landesbetriebes, des Radsportclub St. Ingbert e.V. sowie der Stadt St. Ingbert die Mountainbi- ke-Strecke „PUR“ ausgearbeitet. Bei Kirkel hat SaarForst gemeinsam mit aktiven Mountainbike- Fahrern ei- ne Alternativ-Strecke zur Kernzone Taubental im Staatswald gefunden - mit genehmigten Trails, Pfaden und Downhills. Weitere Planungen und Gespräche zu offiziellen Alternativ- Strecken mit Anbindung an beste- hende Trails laufen. Darüber hinaus möchte Umweltminister Reinhold Jost in naher Zukunft zu einem Run- den Tisch zum Thema Mountainbi- ken einladen und mit allen betroffe- nen Organisationen und Vereinen ins Gespräch kommen, um gemeinsame Lösungen zu erarbeiten. Gemeinsames Anliegen: Spaß und Erholung in der Natur Es gibt viele positive Begegnungen im rücksichtsvollen Miteinander von Wanderern und Radfahrern im Wald. „Bei diesenMenschen, diemit positi- vemBeispiel vorangehen, möchte ich mich bedanken“, sagt Umweltmi- nister Reinhold Jost. Er plädiert aber auch an die weniger Verständnisvol- len für mehr gegenseitige Rücksicht- nahme sowie einen nachhaltigen und wertschätzenden Umgang miteinan- der. „Wir haben doch im Grunde alle ein gemeinsames Anliegen: Spaß und Erholung in der Natur!“, meint Um- weltminister Jost. „Das macht aller- dings nur Sinn, wenn wir uns auch in einer intakten Natur bewegen kön- nen. Und dazu kann jeder Einzelne seinen Beitrag leisten.“

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