Die Biosphäre im Frühjahr

2 Die Rundschau für das Biosphärenreservat Bliesgau März –Mai 2019 Wildtiermanagement in der Biosphäre Bedürfnis nach Wissen über Wildtiere in der Biosphäre wächst Das Biosphärenreservat Bliesgau zeichnet sich durch eine große Vielfalt an unterschiedlichen Landschaften auf einer vergleichsweise geringen Fläche aus. So entsteht ein enges Band zwischen den städtischen Lebensformen auf der einen Seite und dem ländlichen Leben auf der anderen. Einsatzfahrzeugmit Wärmebildkamera Beobachtung einer Wildkatze Beobachtung vonWildschweinen Mehr dazu unter www.johnen-gruppe.de Unbeeinflusst vom Menschen soll sich die Natur in den Kern- zonen des Biosphärenreserva- tes Bliesgau entwickeln kön- nen.WildnisundNaturpur ste- hen hier im Vordergrund. Aber auch die Kernzonen liegen in- mitten einer vom Menschen intensiv genutzten Landschaft und so können aus den ver- schiedenen Ansprüchen des Menschen beispielsweise als Waldbesitzer, Jäger, Landwirt oder Erholungssuchender In- teressenskonflikte entstehen. Neu: Konzept zum Wildtiermanagement Immer wieder kommt es zu Klagen von Landwirten, dass Wildschweine auf Flächen im Umfeld einzelner Kernzonen erhebliche Wühlschäden ver- ursacht haben. Wildschwein- schäden sind im ganzen Saar- land ein Problem und nicht nur in der Biosphäre Bliesgau nahe der Kernzonen. Ob tat- sächlich ein Zusammenhang zwischen der Ausweisung der Kernzonen und einer erhöh- ten Wilddichte in diesen Flä- chen besteht, kann nicht belegt werden. Dennoch haben Um- weltministerium, Biosphären- zweckverband und der Saar- Forst Landesbetrieb ein Kon- zept zumWildtiermanagement in den Kernzonen Taubental, Lindenfels und Hirschental er- arbeitet. ImGegensatz zur tra- ditionellen Jagd spielen beim Wildtiermanagement der wirt- schaftliche Aspekt, herkömm- liche Trophäenjagd, die klassi- sche Hege oder die Regulation der Wildtierbestände zur Er- reichung waldbaulicher Zie- le keine Rolle. Die Regulierung der Wildtierbestände findet ausschließlich zum Schutz der umgebenden Kulturlandschaft und der natürlichen Waldent- wicklung in denKernzonen so- wie zur Vorbeugung vor Tier- seuchen statt. Erfassung, Beobachtung undÜberwachung durch Wildtiermonitoring Ein nicht unerheblicher Teil des Wildtiermanagements ist das sogenannte Wildtier- monitoring, worunter man die Erfassung, Beobachtung und Überwachung bestimm- ter Wildtierarten und ihrer Le- bensräume versteht. Das Be- dürfnis nach belastbarem, fak- tenbasiertem Wissen über die meist scheuen Waldbewoh- ner - mit besonderem Augen- merk auf die Wildschweine - und ihren Lebensraum wächst auch in der Biosphäre Bliesgau. Und so fiel im Sommer 2018 der Startschuss für eine Wild- tieruntersuchung. Hier arbei- tet das Ministerium für Um- welt und Verbraucherschutz mit der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirt- schaft in Rheinland-Pfalz zu- sammen. Dort gibt es eine ei- gene Forschungsgruppe für Wildökologie (FAWF), die gro- ße Erfahrung im Bereich Wild- forschung hat und unter an- derem das Biosphärenreser- vat Pfälzerwald-Nordvogesen und den Nationalpark Huns- rück-Hochwald betreut. NächtlicheWärmebild- technik umdie beiden Kernzonen Derzeit istman imBiosphären- reservat Bliesgau noch in der Testphase, um ein geeignetes Verfahren zur Erfassung von Schwarzwild (jägersprach- lich für Wildschweine) zu fin- den. Das ist nicht ganz einfach, denn die Schwarzkittel strei- fen über weite Flächen sowohl in den Kernzonen als auch an- grenzend oder sie liegen zum Schlafen inBereichenmit guter Deckung. Doch in der Biosphäre Bliesgau hat man nun die Fährte auf- genommen und zunächst ein- mal ein Untersuchungsge- biet weitläufig um die beiden Kernzonen Taubental in Kir- kel und Lindenfels in Blieskas- tel festgelegt. Nach Beratun- gen mit den Experten der FA- WF und der Obersten Jagdbe- hörde des Saarlandes entschied man sich für die Methode der Terrestrischen Infrarot-Taxa- tion. Mit deren Hilfe soll der Wildschweinbestand im Un- tersuchungsgebiet geschätzt und über einen längeren Zeit- raum Aussagen zur Bestan- desentwicklunggetroffenwer- den. Bei der sogenannten In- frarot-Taxation wird das Un- tersuchungsgebiet nachts mit Wärmebildtechnik beprobt. Dazu werdenmit einem gelän- degängigen PKW und mit Hilfe von zwei Infrarotkameras links und rechts derWegeWarmblü- ter erfasst, wobei die Kame- ras kleinste Temperaturunter- schiede erkennen. Überraschung: Wildkatze imTaubental entdeckt Nicht nur Wildschweine konn- ten durch die Wärmebild- technik erfasst werden, son- dern auch jede Menge ande- re Wildtiere liefen dem Un- tersuchungsteam vor die Kamera. Neben Rehen, Füch- sen und jungen Dachsen war die hohe Anzahl an Feldha- sen, insbesondere im Bereich Kirkel-Limbach besonders erfreulich. Für große Freu- de beim Untersuchungsteam sorgte auch die Beobachtung einer Wildkatze in der Kern- zone Taubental. Martin Lillig vom BUND bestätigte, dass das Gebiet im Kirkeler Taubental durchaus interessant für Wild- katzen ist und er vor einigen Jahren in der Nähe des Tau- bentals bereits Lockstöcke auf- gestellt hatte, die aber von den Katzen ignoriert wurden. Ei- ne weitere wichtige Säule des Wildtiermonitorings im Bi- osphärenreservat Bliesgau soll eine Untersuchung zur natür- lichen Waldentwicklung und welchen Einfluss die Wildtie- re darauf haben werden. Dies geschieht mit Hilfe sogenann- terWeisergatter inder Kernzo- ne Taubental, die derzeit durch den SaarForst Landesbetrieb eingerichtet werden. Weiser- gatter sind Flächen, auf denen die Bäume und Pflanzen durch einen Zaun davor geschützt werden, dass beispielswei- se Rehe diese anknabbern und dadurch schädigen. So entsteht ein direkter Vergleich inner- halb und außerhalb der um- zäunten Fläche. Zwischenbilanz nach fünf Jahren Da dasWildtiermonitoring erst im letzten Jahr gestartet ist, ist es derzeit noch zu früh, umall- gemeine Aussagen zum Wild- tierbestand in den Kernzonen der Biosphäre treffen zu kön- nen. Dazu müssen erst ein- mal Daten über einen längeren Zeitraum gesammelt und dann ausgewertetwerden. Es ist vor- gesehen, nach fünf Jahren eine Zwischenbilanz zu ziehen. Wir blicken also gespannt in die Zukunft und die Biosphäre Bliesgau bleibt den Wildtieren weiterhin auf der Spur.

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