Die Biosphäre im Winter

Die Rundschau für das Biosphärenreservat Bliesgau Dezember 2020 – Februar 2021 2 Lebensmittel aus der Biosphäre Das Öl der Kelten wiederbelebt – Superfood Leindotteröl Lein ist ein Leingewächs, blüht blau, sein Öl schmeckt frisch ge- presst vollnussig. Leindotter hin- gegenisteinKreuzblütengewächs, das seinenalten, umgangssprach- lichen Namen „dotterfarbenes Unkraut“ seiner gelben Blüte ver- dankt. Der Geschmack des Öles ist gemüsig, erinnert an Erbse und Spargel. Dank seines hohen An- teils an Omega-3-Fettsäuren ist es förderlich für die Gesundheit und daher nicht nur bei Vegetari- ern und Veganern beliebt. Zudem ist es mit 9 Monaten vergleichs- weise lange haltbar. Bliesgau einer der wenigen Regionenmit größeren Anbauflächen inDeutschland Bereits im 6. Jahrtausend v. Chr. wurde Leindotter in seinem Her- kunftsland Armenien angebaut. Zwischen dem 5. und 3. Jahr- tausend nach Mitteleuropa ge- langt, war Leindotter die meist- verwandte Ölpflanze der Kelten. Nach der römischen Eroberung wurde durch die Konkurrenz von Olive, Hanf und Leinen der Anbau nahezu vergessen. Seit 2000 ist der Bliesgau wieder eine der we- nigen Regionen mit größeren An- bauflächen inDeutschland. Als Pi- oniere der Leindotterölherstel- lung haben sich Patric Bies und „Was ist der Unterschied zwischen Leinöl und Leindotteröl?“ – das ist diemeistgestellte Frage von Besuchern der Bliesgau Ölmühle laut Mitarbeiterin Daniela Junk. Die Antwort ist einfach: Lein und Leindotter sind zwei völlig unterschiedliche Pflanzen. Jörg Hector dem Kreuzblütenge- wächs verschrieben. Im Einklang mit der Natur, ohne Einsatz von Pestiziden wächst der Leindotter inMischkultur, beispielsweisemit schwarzen Linsen, auf dem Bio- land-Hof Comtesse in Wadgas- sen. Die Energiebilanz überzeugt: Pro Hektar Anbaufläche wird mehr Pflanzenölenergie erzeugt als für die Bearbeitung nötig. Auf dem malerischen Gut Hartungs- hof in Bliesransbach wird daraus ein schmackhaftes Öl hergestellt. Öl ganz frisch gepresst Beim Blick in die „Gläserne Pro- duktion“ zeigt sich: Hier ist noch echte Handarbeit gefragt. Gerade werden 756 kg Leindottersamen zu Öl gemahlen. Die Temperatur darf 40 Grad nicht übersteigen – denn das Öl wird kaltgepresst. So bleiben die Inhaltsstoffe erhalten. Daniela Junk muss mit einem Ei- mer aus dem großen Sack die Öl- presse nachfüllen. Was aus der Presse herauskommt, sind der Presskuchen, der in seinem Aus- sehen an Kork erinnert, und das Leindotteröl. Direkt aus dem Sa- men gekommen, wird es bereits zum ersten Mal gefiltert und ge- langt dann durch Schläuche in den großen Bottich, in dem es zwei bis drei Tage ruht und auf natür- liche Weise – ganz ohne Raffina- tion, Bleichung oder Dämpfung - geklärt wird, ehe es in dunkle Glasflaschen oder Tonkrüge ab- gefüllt wird. Da die Ölmühle nur nach Nachfrage produziert, wird sehr oft frisch gepresst. Abfall gibt es quasi keinen. Der Pressku- chendient nicht nur der Tierfütte- rung, sondern auch der Herstel- lung weiterer leckerer Produk- te. Auf dem Geflügelhof von Jo- seph in Hasborn wird er zu feinem Teigvermahlenundunter denNu- delteig zu Leindotternudeln ge- mischt. Zusammen mit grobem Meersalz ergibt der Presskuchen ein regionales Kräutersalz. Überall inDeutschland beliebt Die Bliesgau Olmühle bietet aber nicht nur Leindotteröl. Auch Rapsöl, (Marien)Distelöl,Mohnöl, Schwarzkümmelöl, Senföl, Lein- samenöl, Sonnenblumenöl und Hanföl werden hier im gleichen Verfahren hergestellt. Darüber hi- naus tragen Bies und Hector zur Renaissance von Hülsenfrüchten bei: Neben den Schwarzen Linsen ausWadgassen verkaufen sie Grü- ne LinsenundErbsen vonHöfen in Brenschelbach und Wiesbach so- wie Rote Linsen aus Lothringen. DerHofladender BliesgauÖlmüh- le hat bis auf Montag und Freitag jeden Tag geöffnet. Die Produk- te gibt es außerdem überall dort zu kaufen, wo regionale Produk- te angeboten werden. Zweimal proWoche fährt Daniela Junk quer durch das Saarland, um sie an die Märkte zu verteilen. Zudem wer- den die feinen Tropfen nach ganz Deutschland versandt und sind in Unverpackt-Läden der gesam- ten Republik zu haben. In unse- rer Region gibt es in Saarbrücken und ganz neu in der Alten Bahn- hostraße in St. Ingbert einen Un- verpackt-Laden. Patric Bies und Jörg Hector (v.l.) imLeindotterfeld amRitthof in Bliesransbach. Bild: bliesgauoele.de

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