Die Biosphäre im Sommer

2 Die Rundschau für das Biosphärenreservat Bliesgau Juni – August 2019 Biosphären- Ranger i Naturwacht im Saarland Herr Keßler, wie sieht Ihre all- tägliche Arbeit aus? Ich betreue im Moment 60 Schutzgebiete mit einer Ge- samtgröße von rund 10.000 Hektar, die auf einer Fläche von etwa 40.000 Hektar ver- teilt sind, daraus ergibt sich ein Großteil meiner hauptsäch- lichen Arbeit, der Schutzge- bietskontrolle. Dabei werden in erster Linie die Einhaltung der Verordnungen überprüft und ich stehe mit Rat und Tat für Besucher und Landnutzer zur Verfügung. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Umweltbildung. Dies ist mireinbesonderesAnliegen,da gerade Kinder und Jugendliche früh für das Umweltbewusst- sein und ihre Verantwortung im Umgang mit den wertvollen Schutzgebieten in ihrer Heimat sensibilisiert werden müssen, so dass diese auch für nachfol- gende Generationen erhalten bleiben. IchbietezahlreicheFührungen, Exkursionen oder Vorträge für Vereine, Verbände oder andere Institutionen zu naturschutz- fachlichen und kulturhisto- rischen Themen an. Auch al- tersgerechte Seniorenspazier- gänge mit anschließenden ku- linarischen Angeboten stehen auf meinem Programm. Denn nur was die Menschen kennen, wissensieauchzuschätzenund zu bewahren. Im Wald treffen unterschied- liche Interessen aufeinander: Spaziergänger, Freizeitsport- ler, Tiere und Pflanzen. Gibt es häufigKonflikte? Da einige Schutzgebiete re- lativ klein sind und dort auch störungsempfindliche Arten vorkommen, gibt es gelegent- lich Reibungspunkte. Meistens entstehen sie durch Unwissen- heit oder eine zufälligeUnacht- samkeit, die in fast allen Fällen durch Aufklärung vor Ort ge- löst werden können. Die meis- ten Konflikte entstehen durch Freizeitnutzungen abseits von Wegen oder durch Störun- gen in der Brut- und Setzzeit. Bei größeren Verstößen gegen die Schutzgebietsverordnun- gen oder uneinsichtige „Wie- derholungstäter“ werden auch strengere Maßnahmen einge- leitet. Wie können Sie als Ranger da- bei schlichten? Aufklärung steht auf Ihrer Schwerpunkt- liste ganz oben. Wie machen Sie das? Zurzeit biete ich etwa 50 Füh- rungen im Jahr für Menschen jeden Alters an, um ihnen die Natur wieder näher zu bringen, dabeibietet sichbestensdieGe- legenheit, auf Konfliktpotenzi- al einzugehen, die Teilnehmer zu sensibilisieren und den Na- turschutzgedanken zu fördern. Wir arbeiten auch mit den Na- turschutzbeauftragten der Ge- meinden konstruktiv zusam- men und sind dadurch mit den Bürgern der einzelnen Ge- meinden eng verbunden. Sie arbeiten auch für den Ar- tenschutz. Können Sie das konkretisieren? Wir Ranger sind täglich viel in den Gebieten unterwegs und erlangen dadurch einen gu- ten Überblick, wie sich ver- schiedene Arten in den letzten Jahren oder auch aktuell ent- wickelt haben. So können wir wichtige Informationen über die Ausbreitung, z.B. des Bi- bers oder das Brutvorkommen von Weißstorch, Steinkauz und Uhu weiterleiten. Auch über die Entwicklung wert- voller Grünlandbiotope erhal- ten wir durch unsere ständige Präsenz vor Ort gute Erkennt- nisse. Auf leisen Sohlen hat sich der Wolf in Deutschland verbrei- tet und ist zwischenzeitlich in allen Bundesländern, den Be- nelux-Staaten sowie auch im Elsass und Lothringen nach- gewiesen, so dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis er auch bei uns imSaarland festgestellt wird. Dazu leisten wir Ranger ebenfalls einen Beitrag, indem wir Hinweise in Formvon Spu- ren erkennen und an die zu- ständige Stelle im Umweltmi- nisteriumweiterleiten. Die Rückkehr desWolfes bleibt auf jeden Fall eine spannende Angelegenheit, die nach mei- ner Auffassung nicht mehr lange auf sich warten lässt. Es gibt außer den vier hauptamt- lichen Rangern auch ehren- amtliche Naturwächter. Wie viele davon gibt es in der Regionundbenötigensiemehr davon? Zurzeit unterstützen mich acht ehrenamtliche Naturwächter bei meiner Arbeit. Das ist sehr hilfreich, da es sich dabei um Mitarbeiter handelt, die in ih- ren Gemeinden diese wichti- ge Aufgabe ehrenamtlich über- nehmen und durch ihre Orts- kenntnis und den direkten Be- zug zu den Bürgern schnell mit Rat undTat zur Stelle sind. Dies erleichtert meine Arbeit sehr. Es wäre wünschenswert, wenn sich noch mehr Menschen da- für zur Verfügung stellen wür- den. Was muss eine Person mit- bringen, die Ranger wer- den will oder sich ehrenamt- lich in diesemGebiet betätigen möchte? Seit 1998 gibt es in Deutsch- land eine Rangerausbildung alsanerkanntenFortbildungs- beruf: „Geprüfte/r Natur- und Landschaftspfleger/in“. Die grundsätzliche Vorausset- zung hierfür ist ein „grüner“ Beruf. Die Ausbildung umfasst im Wesentlichen umfangrei- che Kenntnisse über den Na- tur- und Artenschutz, der Landschaftspflege sowie der Umweltbildung. Ebenso ist ein Wissen imUmweltrecht erfor- derlich. Darüber hinaus muss der Ranger über ein Feinge- fühl bei Schlichtungen verfü- gen und einen guten Umgang mit Menschen besitzen. Die Naturlandstif- tung Saar (NLS), äl- teste deutsche Na- turschutzstiftung, ist seit 2005 Träger der Natur- wacht Saarland im Auftrag des saarländischenUmweltminis- teriums. Das Ministerium für Umwelt- und Verbraucher- schutz hat die Fachaufsicht und finanziert die Naturwacht Saarland. Die Mitarbeiter der Naturwacht Saarland werden als Naturwächter oder Ranger bezeichnet. Sie sind die Mittler zwischen denMenschen vor Ort und der Natur. Im Saarland gibt es vier hauptamtliche Naturwächter, die sich um die Naturschutzgebiete und NATURA 2000-Gebiete kümmern: Frank Grütz, Karl Hermann, Henning Schwartz und Michael Keßler. Wir sprachenmit letzterem über die Arbeit eines Rangers imBiosphärengebiet. ImWald haben die Naturwächter das Sagen. Bild: M. Keßler

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