Die Biosphäre im Herbst

2 Die Rundschau für das Biosphärenreservat Bliesgau September – November 2020 Natur und Nachhaltigkeit in der Biosphären-Region Das Saarland blüht auf. Und das im wahrsten Sinn des Wortes mit dem im Sommer angelaufe- nen saarlandweiten Projekt des Saarländischen Bauernverbands „Saartenvielfalt“. In Zusam- „Saartenvielfalt“ macht Bevölkerung zu Paten der Artenvielfalt Landwirte besitzen nicht genutzte Flächen, Insekten benötigen Pflanzen zur Bestäubung, Menschen würden gerne helfen und die Artenvielfalt unterstützen. Kannman aus diesen drei Fakten eine gemeinsame Erfolgsgeschichtemachen? Ja! Das Projekt Saartenvielfalt vomBauernverband zeigt wie. menarbeit mit demMinisterium für Umwelt und Verbraucher- schutz, dem Zentrum für Bio- dokumentation (ZfB) und in Ab- stimmungmitNABUSaar, BUND SaarundDelattinia, setzt sichdie Vertretung der Landwirte für die Förderung der Artenvielfalt so- wie für die Schaffung neuer Le- bensräume für Hummeln, Bie- nen, Schmetterlinge und andere Insekten imSaarland ein. Den Anforderungen unserer heimischen Insekten ausgewählte Samenmischungen Schon seit einigen Jahren ar- beitet der Biosphärenzweck- verbandes Bliesgau erfolgreich mit den Bauern beim Programm „Landwirtschaf(f)t Vielfalt“ zu- sammen. Dort können die Land- wirte mit finanzieller Unter- stützung des Saarpfalz-Krei- ses Blühflächen in der Agrar- landschaft anbauen. Landwirte, aber auch Grundstückseigen- tümer und andere Landbewirt- schafter können kostenfreies Saatgut für Blühflächen bezie- hen oder können sich die Kosten dafür erstatten lassen. Im neu- en, saarlandweiten Programm „Saartenvielfalt“wird jetzt auch die Bevölkerung miteinbezo- gen. Gemeinsam mit ansässi- gen Landwirten stellt der Bau- ernverband anmehreren Stand- orten im Saarland Ackerflächen mit einer Gesamtgröße von ins- gesamt 300.000 Quadratme- Hätten Sie das gedacht? EVS-Anlagen und hier allen vo- ran die Kläranlagen sind mit ih- ren Wiesenflächen ein wun- derbares Terrain für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, für die es ansonsten mittlerweile rich- tig „eng“wird. Über 400.000 Quadratme- ter Fläche stehen auf den rund 140 Abwasser- und Abfallanla- gen des EVS zur Verfügung, um daraus ein Eldorado für Flora und Fauna zu schaffen. Um hier künftig alle Möglichkeiten nut- zenzukönnen, hatteder Entsor- gungsverband Saar für 2019 ei- nen Wettbewerb mit dem Mot- to „Lebensräume schaffen auf EVS-Anlagen“ ausgerufen. EVS-Strategie: Wiesenflächen günstig für Pflanzen und Tiere pflegen Seitdem gibt es eine nun ver- bindliche Strategie für die na- turnahe Bewirtschaftung der verfügbaren Grünflächen: Al- le EVS-Wiesenflächen, die nicht „Wir schaffen Lebensräume“ Blühwiesen auf den Abwasser- und Abfallanlagen des EVS für die betriebliche Nutzung ge- nutzt werden, müssen dauer- haft so gepflegt werden, dass es günstig für Flora und Fauna ist. Konkret geht es darum, diese Flächen nicht dauerhaft kurz zu halten, sondern ein Blühen und anschließendes Aussäen zu er- möglichen. So wird jede Men- ge attraktiver Lebensraum ge- schaffen und es kommt „au- tomatisch“ Leben auf die An- lagen. Zur Unterstützung der Anlagen-Teams vor Ort wur- de eine konkrete Handreichung zum richtigen Mähzyklus aus- gegeben, anhand derer sich ins- besondere „Blühwiesen-Ein- steiger*innen“ leicht orientie- ren können. Verantwortungsbewusster Umgangmit dringend benötigten, naturnah gehaltenenWiesenflächen Während viele EVS-Teams diese Formdes Naturschutzes aus eige- ner Motivation und Überzeugung schon lange praktizierten, war der Wettbewerb für andere ein guter Anlass, sich mit den Möglichkei- ten zu befassen, die der EVS Bie- ne, Bienenfreund, Falter, Malve & Co. auf seinenAnlagenbietenkann und zugleich altgediente Vorstel- lungen von einem „ordentlichen“ Betriebsgelände zu überdenken. Wer also an einer EVS-Kläranla- ge vorbei spaziert und feststellt, dass es richtig „üppig“ aussieht auf den Grünflächen, der weiß: Es ist keine Nachlässigkeit – im Ge- genteil, es ist ein planvoller, ver- antwortungsbewusster Umgang mit dringend benötigten, natur- nah gehaltenen Flächen. Geschützte Plätze für größere Tiere Übrigens findenauchgrößereTie- re auf zahlreichen EVS-Anlagen ihr Zuhause bzw. einen geschütz- ten Platz für die Aufzucht ih- res Nachwuchses. Bestes Beispiel ist ein Turmfalken-Paar, das die Kläranlage in Homburg-Beeden auchindiesemSommerwiederzur Aufzucht seiner Jungen angesteu- ert hat. Das engagierte Team, das die Kläranlage inklusive zahlrei- cher Außenstellen betreut, emp- findet diese „Standort-Treue“ zu Recht als Auszeichnung. „Doppelter Umweltschutz: Kläranlagen schützen die Gewässer und bieten Platz für Flora und Fauna.“ „DieMitarbeiter vonWertstoff-Zentrumund Deponie in Ormesheim krönten ihr Engagement für Blühwiesen im letzten Jahr mit einemkomfortablen Insektenhotel.“ „Gute Standortwahl: Auf der Kläranlage Bliesen hegt und pflegt ein ehemaliger Mitarbeiter seine Bienenstöcke.“

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