Die Biosphäre im Sommer

2 Die Rundschau für das Biosphärenreservat Bliesgau Juni – August 2020 Schmetterlinge in der Biosphäre Viele Schmetterlinge und Insek- ten verschwinden. Die Gründe da- für sind häufig vielfältig. Manch- mal merkt man es auch erst viel später oder gar nicht. Mit einem sogenanntenMonitoring, bei dem bundesweit viele Freiwillige mit- helfen, kann da Abhilfe geschaf- fen werden. Monitoring ist laut Wikipedia ein zeitlich regelmäßig wiederholtes Beobachten, Über- wachen und Messen des Zustan- des und Bestandes von Pflanzen und Tieren. Durch diese kontinu- ierliche Bestandsaufnahme vieler Arten kann eine ganz neue Wis- sensbasis geschaffen werden. Schmetterlingsbeobachtung im Bliesgau führt zu neuer Wissensbasis ImFrühjahr 2005 startete das Tagfalter-Monitoring Deutschland. Jahr für Jahr erfassen Freiwillige bei wöchentlichen Begehungen entlang festgelegter Strecken (Transekte) alle tagaktiven Schmetterlinge. Die so entstehenden Bestandsdaten dokumentieren die Entwicklung der Falter auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene. Sie können verglichen werdenmit denen aus anderen europäischen Ländern, in denen die Beobachtungen z. T. schon seit Jahrzehnten erfolgen. Mehrere solche Transekte gibt es auch imBliesgau. Festgelegter Weg, auf demwöchentlich gezählt, beobachtet und kontrolliert wird Anita Naumann ist Biologin beim Biosphärenzweckverband. Sie führt selbst Transektzählungen durch. Manchmal auch mit frei- willigen Helfern. „Ein Transekt ist ein festgelegter Weg, der im- mer wieder abgegangen wird. Die- ser ist frei wählbar. Beispielswei- se auf der Wiese hinter dem Haus, auf dem Sonntagsspaziergang, an einem belebten Waldrand oder die Strecke, die ohnehin fast täglich mit dem Hund gegangen wird.“ Manche Falter müssen gefangen und genauer betrachtet werden, umdie Art sicher zu bestimmen. Bild: Anita Naumann Das Transekt werde dann in lang- samem Tempo abgeschritten und alle Tagfalter notiert, die links und rechts des Weges zu sehen seien, sowiedavorunddarüber.EinTran- sekt könne wenige hundert Meter oder bis zu einem Kilometer lang sein und werde in 50 Meter-Ab- schnitte unterteilt, soNaumann. Ehrenamtliche Transektzähler und Falterexperten auf demWeg Die Begehungen werden bei ge- eigneten Bedingungen von Ap- ril bis Ende September und mög- lichst wöchentlich durchgeführt. Notiert werden sollten immer Da- tum, Uhrzeit, Temperatur, Be- wölkungsgrad und Windstärke. Die Datenwerden auf Erfassungs- bögen bzw. ins Internet einge- geben. Die fachliche Leitung des Tagfalter-Monitoring Deutsch- land liegt beim Helmholtz-Zen- trum für Umweltforschung - UFZ – in Halle. Die Landeskoordina- tion für das Saarland übernimmt das Zentrumfür Biodokumentati- on in Landsweiler-Reden. Im In- ternet gibt es weitere Informatio- nen zum Projekt unter www.tag- falter-monitoring.de . Naturerfahrung mitten in Kleinblittersdorf „Hier sind gelbe Eier an meinem Lavendel!“ schreit meine sieben- jährige Tochter aufgeregt. Es ist Anfang April, wir haben gerade Osterdeko an der Freundschafts- brückezwischenKlein-undGroß- blittersdorf aufgehängt – und nun diese Entdeckung. Die ersten Schmetterlingseier in dem Beet, das rund 100 Kinder im Herbst 2019 eigenhändig bepflanzt ha- ben, damit Schmetterlinge dort sowohl Eiablagepflanzen als auch Nektarquellen vorfinden - genau nach der Anleitung vom Schmet- „Wer Schmetterlinge lachen hört, der weiß, wie Wolken schmecken . . .“ terlingsexperten Rainer Ulrich. Eine Natursteinmauer aus Kalk- steinen schlängelt sich durch das längliche Beet, rechts und links wachsen ausgewählte Kräuter, Wild- und Kulturpflanzen, die die Bedürfnisse mehrerer Schmet- terlingsarten abdecken. An jeder Pflanze steckt ein Namensschild des Kindes, das sie gepflanzt hat und auf Schiefertäfelchen steht, welchen Schmetterlingen die je- weilige Pflanze dient. Naturerfahrungen mit allen Sin- nen und durch eigenes Tun feh- len in unserer Gesellschaft immer mehr, auch fehlt ein Grundwissen über die Natur, die ja unser aller Lebensraum ist. Etwa 100 Schüler aus Kleinblittersdorf pflanzten imHerbst ein Schmetterlingsbeet auf der Freundschaftsbrücke, das jetzt bewundert werden kann. Bild: Rebekka Abdul Katte Wer genau hinschaut, findet auch außergewöhnliche Tiere imBeet der Freunschaftsbrücke. Bild: Rebekka Abdul Zuhra Katte, Dorfentwicklung Kleinblittersdorf e.V. Schmetterlingsbeet an der Freundschaftsbrücke: ZukunftsweisendesWerk der Kinder Kleinblittersdorfs Das Beet an der Freundschafts- brücke ist ein zukunftsweisen- des Werk der Kinder Kleinblitt- ersdorfs, hier darf in bunter Viel- falt und natürlicher Ordnung alles wachsen, was Schmetterlingen und anderenTierendient. Eidech- sen, Käfer, Bienen und Schmet- terlinge haben mitten im Herzen Kleinblittersdorfs in einer kleinen Natur-Oase ihren Platz gefun- den. Das Schmetterlingsprojekt des Dorfentwicklungsvereines mit Grundschule und Kindergar- ten Kleinblittersdorf soll nach den Einschränkungen durch die Pan- demie weitergeführt werden, um Kindern zu ermöglichen, die Na- tur mit allen Sinnen zu entdecken und sich dabei Wissen über Zu- sammenhänge in der Natur anzu- eignen. Wer Interesse daran hat, das Beet nachzubauen, findet alle notwendigen Infos unter „www. de-klb.de “. „Wer Schmetterlinge lachen hört [...]“ ist ein lesenswertes Gedicht von Carlo Karges Der Goldene Scheckenfalter ist sehr selten, stark gefährdet, kommt aber gerade imBliesgau häufiger vor.

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