Die Biosphäre im Sommer

2 Die Biosphären-Rundschau für das Biosphärenreservat Bliesgau Juni – August 2021 Projekte in der Region Das Saarland soll in den Jahren 2023 bis 2027 in jedem einzelnen Jahr doppelt so viele EU-Mittel für die ländliche Entwicklung zur Verfügung haben, wie in den Jah- ren 2014 bis 2020. Was bedeutet das in Zahlen? Die genannten EU-Mittel betref- fen den Europäischen Fonds für ländliche Entwicklung (ELER). Ein für uns wichtiger Bestand- teil der ELER-Mittel sind die LEADER-Mittel, die wir in unse- rer Region für Projekte zur Ent- wicklung des ländlichen Raums im Biosphärenreservat Bliesgau einsetzen können. Bislang hat- ten wir für die Jahre 2014 bis 2020 2,0 Millionen Euro zur Verfügung. Ab 2023 sollen es für dann sogar ca. 3 Millionen Euro sein, obwohl es wahrscheinlich fünf statt bis- her vier LEADER-Regionen ge- ben wird. Das sind tolle Nachrich- ten für uns. EinDankeschön andas Umweltministerium für die gute Zusammenarbeit und den großen Einsatz vonMinister Reinhold Jost bei den Verhandlungen. Was versteht man genau unter ländlicher Entwicklung? Zur ländlichenEntwicklung gehö- ren eigentlich alle Aspekte länd- lichen Lebens: starke landwirt- schaftliche Strukturen, lebendi- ge Dörfer, regionale Wertschöp- fung, z.B. das Bliesgau-Regal oder die Bliesgau-Molkerei, Kultur- landschaftsentwicklung, z.B. bei uns die Pflege und Nutzung der Streuobstwiesen, aber auch länd- licher Tourismus und Mobilitäts- fragen. Wichtig ist es, im ländli- chen Raum adäquate Lebensver- hältnisse und Arbeitsplätze zu schaffen. Wie wird das Geld verteilt? Wer entscheidet? Die LEADER-Mittel werden nach einem transparenten System ver- teilt. Die Lokale Aktionsgrup- pe (LAG) in unserer Region ist ein gemeinnütziger Verein bestehend aus den Akteuren der Region. Sie ist grundsätzlichoffen für alle hier lebenden Menschen und Orga- nisationen, privat wie öffentlich. Sie wählt einen Vorstand, der über eingereichte Projekte entscheidet. Das Verfahren ist sehr bürokra- tisch und auch für den Antragstel- ler mit enormem Aufwand ver- bunden, aber der Aufwand lohnt sich. Welche Art von Projekten werden gefördert? Vor einer Förderperiode setzen sich die lokalen Akteure zusam- men und entwickeln für die kom- menden Jahre eine gemeinsame Strategie. Diese nennt sich Lokale Entwicklungsstrategie (LES). Hier wird festgelegt, welche Ziele ein- gereichte Projekte verfolgenmüs- sen, um gefördert werden zu kön- nen. Schwerpunkte in der laufen- den Förderperiode von 2014-2020 und verlängert bis 2022 sind Pro- jekte zur Pflege der Kulturland- schaft, zurVerbesserungderRegi- onalvermarktung, zur Förderung des regenerativer Energie und zur Förderung und Verbesserung von Bildungs- und Kommunikations- angeboten in der Region. Wer kann sich für ein solches Projekt bewerben? Grundsätzlich ist jeder regiona- le Akteur antragsberechtigt. Das heißt ALLE, die ein Interesse ha- ben, sich für ihre Region einzuset- zen. Wir freuen uns auf jede gute Idee. Wie aufwändig und schwierig ist die Antragstellung? Die Antragstellung ist sehr auf- wändig, da machen wir auch kei- nemetwas vor. Aber jederwird von unserem Regionalmanagement tatkräftig bei der Erstellung der Unterlagen unterstützt. Auch das zuständige Ministerium für Um- welt und Verbraucherschutz ist sehr hilfsbereit. Wir rechnen von der Idee zumFörderbescheidmin- destens ein halbes Jahr. Vonwelchen Summen redenwir pro Projekt? Es gibt eine Bagatellgrenze von 5.000 Euro Förderung. Die LAG empfiehlt, Projekte erst ab ca. 20.000 Euro Fördersumme ein- zureichen. Für kleinere Projekte verfügen wir mittlerweile über ein Kleinprojektebudget des Bundes und des Landes. Hiermit können Projekte bis maximal 20.000 Euro Gesamtkosten gefördert werden. Je nach verfügbaren Mitteln kann die Fördersumme aber bis über 100.000 Euro betragen. Wie ist die Vorgehensweise der Bewerbung? Wir empfehlen jedem Bewerber, sich mit seiner Idee jederzeit – auch unabhängig von laufenden Projektaufrufen – bei uns zu mel- den. Dann besprechen wir, ob und wie ggf. die Idee zu den regiona- lenZielenpasst undwie einAntrag bei uns vorzubereiten wäre. Meist mehrmals im Jahr rufen wir dann über Internet und Presse auf, Be- werbungen bis zu einer gewissen Frist einzureichen. Die Unterlagen bekommt man auf Anfrage oder über unsere Internetseite. Für die Kleinprojekte gibt es je- den Herbst einen Aufruf für das folgende Jahr. Das geht nicht an- ders, weil diese Mittel in einem Jahr komplett verausgabt werden müssen. Wie hoch ist die Erfolgsquote? Genau dokumentiert haben wir das nicht. Aber es ist noch kein Projekt, das gemeinsam mit dem Regionalmanagement vorberei- tet wurde, beim Vorstand durch- gefallen. Vereinzelt kommt es vor, dass bestimmte Vorhaben aufgrund meist recht bürokrati- scher Hürden, nicht in eine För- derung gelangen. Wir versuchen aber stets, in solchen Fällen al- ternative Fördermöglichkeiten zu finden. Hier hat sich die Koopera- tion der LEADER-Geschäftsstelle mit der Kreisverwaltung und der dort angesiedeltenBeratungsstel- le „Rund ums Dorf“ bewährt. Mir fällt direkt kein Projekt ein, dem wir nicht irgendwie helfen konn- ten. Was raten Sie Interessierten imVorhinein? Anrufen oder schreiben! Das Regi- onalmanagement ist für Siedaund hilft Ihnen! Lokale Aktionsgruppe Biosphärenreservat Bliesgau c/o Saarpfalz-Kreis AmForum 1, 66424Homburg Geschäftsführung: Torsten Czech Tel.: 06841/104 8456, Fax: 06841/104 7157, E-Mail: torsten.czech@saarpfalz-kreis.de oder lag@biosphaere-bliesgau.eu Torsten Czech ist der Geschäftsführer der Aktionsgruppe LAG imBiosphärenreservat Bliesgau Drei Generationen halfen beimVorbereiten der Beete für die neuen Kräuter. Bild: Hartmann LAG und LEADER, was ist das eigentlich? Die „LAGBiosphärenreservat Bliesgau e.V.“ ist ein eigenständiger Verein. Er besteht aus lokalen Akteuren und kümmert sich ehrenamtlich umdie Verteilung der LEADER-Mittel in der Region. Der Vorstand entscheidet über die Auswahl der LEADER-Projekte. LEADER ist ein EU-Programm zur Förderung ländlicher Räume. Zur Umsetzungwird ein Regional- management etabliert, welches die lokalen Akteure (Privatpersonen, Vereine, Kommunen, Unternehmer . . . )miteinander vernetzt, Prozesse anstößt und hilft, die Region positiv weiterzuentwickeln. Es fungiert als Förderberatungsstelle für den ländlichen Raumund die Biosphäre. Sie hilft Bürgern, Kommunen, Vereinen und Verbänden etc. bei derWeiterentwicklung ihrer Projekte und Ideen. Wir sprachenmit demGeschäftsführer Torsten Czech. Zwei Beispiele von LEADER-Projekten aus der letzten Periode 2014-2020 2018: Errichtung einer Kräuter- essenzenmanufaktur im Brennhaus des Obst-und Gartenbauvereins Kirrberg Gegenstand des Projektes ist die patentierte handwerkli- che Erzeugung von alkoholi- schen Auszügen aus Heil-und Arzneipflanzen, den Kirrber- ger Drobbe. Hierzu soll die Er- richtung einer professionel- len Küche gefördert werden. Die Rohstoffe stammen über- wiegend aus dem vereinsei- genen Kräutergarten und der Obstalkohol aus der eige- nen Brennerei. Die Produkti- on der Kirrberger Drobbe soll professionalisiert und ausge- weitet werden. Durch die Ver- wendung heimischer Zutaten aus der Region liefert das Pro- dukt einen Beitrag zur regio- nalen Identität und erhöht die Wertschöpfung in der Region. Der Verein liefert einen wich- tigen Beitrag zum Umgang mit dem Demographischen Wandel in demer für Jung und Alt eine wichtige Anlaufstelle in der Dorfgemeinschaft dar- stellt. Ein Mehrwegsystem der Flaschen liefert einenBei- trag zumKlimaschutz 2019: Erwerb von Ausrüstung zur nachhaltigen Pflege von Streuobstbäumenmit Ver- leihsystemzur Professiona- lisierung der ehrenamtlichen Streuobstbaumpflege Bliesgau Obst e.V. ist ei- ner der wichtigsten Verei- ne im Bliesgau zur Pflege der Streuobstwiesen auf einer Fläche von 50 ha mit ca. 5.000 Bäumen. Die Streuobstwiesen sind ein zentrales Element unserer Kulturlandschaft, weshalb der Erhalt unddie In- wertsetzung dieser Flächen eine wichtige Aufgabe dar- stellt. Bliesgau Obst kümmert sich bereits seit Jahren mit vielen Ehrenamtsstunden um diesen Bereich. Nun möch- ten sie die Hochbaumpflege durch ein Gespann professio- nalisieren. Das Gespann um- fasst einen Allradwagen zum Ziehen des Anhängers und Transport von Obstgroßkis- ten, einem Häcksler und Ak- ku-Baumpflegegeräte. Dieses kommt durch die Möglichkeit des Verleihs der ganzen Regi- on zugute.

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