Die Biosphäre Bliesgau im Sommer 2026

2 Die Rundschau für das Biosphärenreservat Bliesgau Juni – August 2026 Das PEFC-Zertifikat: Verlässliche Standards statt Symbolpolitik Hinter der Auszeichnung steht das internationale System Programme for the Endorsement of Forest Certification (PEFC), das weltweit als größtes unabhängiges Zertifizierungssystem für nachhaltige Waldwirtschaft gilt. Anders als viele freiwillige Umweltlabels basiert PEFC auf überprüfbaren Kriterien und regelmäßigen Kontrollen. Zertifiziert wird nicht nur der Wald selbst, sondern die gesamte Wertschöpfungskette – vom stehenden Baum bis zum fertigen Holz- oder Papierprodukt. Konkret bedeutet das: Wälder müssen so bewirtschaftet werden, dass ihre ökologische Funktion erhalten bleibt, wirtschaftliche Nutzung möglich ist und gleichzeitig soziale Aspekte berücksichtigt werden. Biodiversitätsschutz, der Verzicht auf großflächige Kahlschläge, der Erhalt gesunder Böden sowie sichere Arbeitsbedingungen gehören ebenso dazu wie die öffentliche Zugänglichkeit des Waldes. Wer diese Standards nicht erfüllt, verliert das Zertifikat. Genau diese Verbindlichkeit unterscheidet das System von bloßen Absichtserklärungen. Naturnahe Waldwirtschaft: Arbeiten mit dem Wald statt gegen ihn Die Grundlage der Arbeit in Blieskastel ist die naturnahe Waldwirtschaft – ein Ansatz, der sich bewusst von früheren, stark industrialisierten Formen der Forstwirtschaft abgrenzt. Ziel ist es, den Wald nicht als Produktionsfläche zu behandeln, sondern als komplexes Ökosystem, das sich möglichst eigenständig entwickeln kann. In der Praxis zeigt sich das vor allem in stabilen Mischwäldern statt anfälliger Monokulturen. Unterschiedliche Baumarten erhöhen die Widerstandsfähigkeit gegenüber Stürmen, TrockenBlieskastel als Waldhauptstadt 2026: Ein Modell für nachhaltige Forstwirtschaft Wenn eine vergleichsweise kleine Stadt wie Blieskastel den Titel „Waldhauptstadt Deutschlands“ erhält, ist das kein Zufall und schon gar kein reines Marketinglabel. Die Auszeichnung, vergeben durch PEFC Deutschland, steht für ein über Jahre gewachsenes System aus konsequenter Waldbewirtschaftung, klaren Standards und einer Haltung, die den Wald als langfristige Aufgabe versteht. Mit der Staffelstabübergabe im März 2026 ist Blieskastel nun für ein Jahr im Fokus – als Beispiel dafür, wie nachhaltige Forstwirtschaft auf kommunaler Ebene konkret umgesetzt werden kann. heit und Schädlingen. Statt ganzer Flächen werden einzelne Bäume gezielt entnommen, wodurch der Wald als Ganzes erhalten bleibt. Neue Bäume wachsen häufig aus natürlicher Verjüngung nach, ohne großflächige Pflanzmaßnahmen. Auch scheinbar „unordentliche“ Elemente wie Totholz bleiben bewusst im Wald, da sie wichtige Lebensräume für zahlreiche Arten darstellen. Dieser Ansatz erfordert mehr Planung, mehr Fachwissen und vor allem Geduld. Kurzfristige Erträge stehen nicht im Vordergrund – entscheidend ist die Stabilität des Waldes über Generationen hinweg. Langfristige Verantwortung: Blieskastel als forstwirtschaftlicher Akteur Die Entscheidung für Blieskastel fiel laut Jury eindeutig. Ein wesentlicher Grund dafür ist die Dimension und Organisation der Waldarbeit vor Ort. Rund 4.000 Hektar Waldfläche werden betreut – nicht nur innerhalb der Stadtgrenzen, sondern auch im Rahmen interkommunaler Zusammenarbeit mit umliegenden Gemeinden. Damit gehört Blieskastel zu den größten kommunalen und privatwald-betreuenden Einheiten im Saarland. Geprägt wird diese Entwicklung seit Jahrzehnten durch Helmut Wolf, der die Waldstrategie der Stadt kontinuierlich aufgebaut und weiterentwickelt hat. Sein Ansatz ist klar: nachhaltige Bewirtschaftung funktioniert nur, wenn sie konsequent und über lange Zeiträume umgesetzt wird. Einzelmaßnahmen oder kurzfristige Projekte reichen nicht aus. Große Freude bei den Verantwortlichen in Blieskastel, Deutschlands Waldhauptstadt 2026 zu sein. Foto: Helmut Wolf Initiator Dr. Helmut Wolff freut sich über die Ernennung zur Waldhauptstadt. Foto: PEFC Deutschland Pflanzaktion der Grundschule Kirchberg Schlossberg im Rahmen der Waldhauptstadt Blieskastel. Foto: PEFC Deutschland Staffelübergabe an den Blieskastler Bürgermeister Bernd Hertzler (rechts). Foto: PEFC Deutschland Auch politisch wird diese Arbeit anerkannt. Ministerpräsidentin Anke Rehlinger hat die Schirmherrschaft für das Waldhauptstadtjahr übernommen und damit die Bedeutung der Auszeichnung für das gesamte Saarland unterstrichen. Der Wald als Lernort: Nachhaltigkeit praktisch vermitteln Ein weiterer zentraler Baustein in Blieskastel ist die Verbindung von Forstwirtschaft und Bildung. Der Wald wird hier gezielt als außerschulischer Lernort genutzt, um ökologische Zusammenhänge verständlich zu machen. Bereits im Jahr 2000 wurde der Erlebniswald Schellental eingerichtet, später folgte der Erlebnisweg „Ökologischer Rucksack“, der Besucher an verschiedenen Stationen mit den Auswirkungen des eigenen Lebensstils auf die Umwelt konfrontiert. Hinzu kommen regelmäßige Bildungsangebote für Schulen und Kindergärten sowie ein eigener Waldkindergarten. Diese kontinuierliche Bildungsarbeit sorgt dafür, dass das Thema Nachhaltigkeit nicht abstrakt bleibt, sondern konkret erfahrbar wird. „Wer den Wald versteht, entwickelt in der Regel auch ein anderes Verhältnis zu seinem Schutz und seiner Nutzung“, so der Chefforstwirt Helmut Wolf. Zwischen Nutzung und Schutz: Der entscheidende Balanceakt Trotz aller positiven Beispiele bleibt die grundlegende Herausforderung bestehen: Wälder müssen genutzt werden, gleichzeitig aber ihre ökologischen Funktionen erfüllen. Dieser Zielkonflikt lässt sich nicht auflösen, sondern nur ausbalancieren. Genau darin liegt die eigentliche Leistung moderner Forstwirtschaft. Auch Peter Gaffert betonte bei der Staffelübergabe im Frühjahr, dass

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