Die Biosphäre im Sommer

14 Die Rundschau für das Biosphärenreservat Bliesgau Juni – August 2022 Saubere Region Mehrere Studien zum Verrotten von Müll in der Natur haben ergeben, dass sogar ein Apfel bis zu zwei Wochen braucht, bis er vollständig zersetzt ist, eine Banane sogar bis zu sechs Wochen. Drastischer erscheint die Dauer allerdings bei Verpackungen aus Plastik, Metall und Glas. Während eine Plastikfolie etwa 30 bis 40 Jahre braucht, um sich abzubauen, sind es bei einer einfachen Chipstüte 80 und bei einer PETFlasche schon 100 bis 1000 Jahre. Von Verrotten kann bei Kunststoff zudem gar nicht die Rede sein, denn die größeren Makroplastikteile zerfallen in immer kleinere Bestandteile, die als Mikroplastik bezeichnet werden. Dieses Mikroplastik landet unter anderem in unser Grundwasser in unseren Flüssen und letztlich imMeer. Es kann von Pflanzen, Menschen und Tieren gleichermaßen unfreiwillig aufgenommen werden. Laut einer WWFStudie nimmt jeder Mensch in der Woche auf verschiedenen Wegen – durch die Luft, Gewässer und den Boden – fünf Gramm Plastik zu sich, was dem Gewicht einer Kreditkarte entspricht. Mediengeschichte des Mülls Fundstücke aus dem Bliesgau Gegenüber organischenMaterialienwie Holz und Papier sind Plastik, Metall und Glas langlebiger. Diesen Vorteil nutzt bereits seit ihrer Anfangszeit die Verpackungsindustrie – zumNachteil der Natur. Denn durch Littering, also das achtloseWegwerfen vonMüll, gelangen die nahezu unzersetzbaren Stoffe in die Natur. So entsteht eine Art Mediengeschichte desMülls: Die Verpackungen teilweise vergessenerMarken und Produkte überdauern die Zeit (leider) oft länger als die Firmen selbst. CleanUp präsentiertMüllmuseum Metall hält sich in der Regel 80 bis 200 Jahre, eine Aluminiumdose sogar 100 bis 500 Jahre. Zudem kann eine scharfkantige Metalldose schwere Verletzungen bei Wildtieren verursachen. Zwar ist Glasweniger schädlich für dieUmwelt, aber auch hier ist die Verletzungsgefahr für Mensch und Tier hoch. In der Natur hält es sich mit bis zu 50.000 Jahren am längsten. So sind Verpackungen, die man in der Natur findet, oft älter als man selbst, zeigen Labels von Marken, die es heute gar nicht mehr gibt. Solche „Schätze“ finden sich auch im Bliesgau. Die Initiative „CleanUp Saarland“ präsentiert in Ihrer Rubrik „Müllmuseum“ auf ihrer Homepage einige dieser Fundstücke, die teilweise längst vergessene Produkte darstellen. Einige davon hat SebastianHaßlerwährendAufräumaktionen und Spaziergängen im Biosphärenreservat gefunden. Aus der Rubrik Plastik stammen beispielsweise eine RaiderVerpackung (der alte Name von Twix) von ca. 1983, eine Shampooflasche der Marke Dolores aus den 1970ern, die heute vomMarkt verschwunden ist, ein Frostschutzmittel aus den 1960er Jahren, eine nach 1958 entsorgte EdekaTüte, ein EssoAufkleber zu den Olympischen Spielen 1972 sowie eine CaprisonneTüte, die mindestens haltbar war bis 1986. Getränkeflaschen aus Glas finden sich an vielen Orten. Die Flaschen bekannter Marken wie CocaCola lassen sich auch ohne Etikett mit MHD ganz gut datieren, wie zumBeispiel eine Colaflasche aus demJahr 1987 oder eine Fanta aus den 1980ern. Zu den Schätzen aus Metall gehören unter anderemein ExcaliburDeo aus den 1970ern – bereits ausgestorbene Marke – sowie Steradent Gebissreiniger von 1976/77. Mit Aufklärung undPET gegendenMüll Was tun gegen denMüll? Einwichtiger Schritt war die Einführung von Pfand auf PET Flaschen. Dadurch werden sie weniger weggeworfen oder, wenn doch, von Pfandsammlern im Supermarkt abgegeben. Allerdings ist dasPfand auf Glas und Plastikflaschen immer noch nicht hoch genug, denn leider landen immer noch zu viel in der Umwelt. Auch findet man immer häufiger PlastikTrinkflaschen aus Frankreich, auf die bekannterweise kein Pfand erhoben wird. Ein ebenfalls wichtiger Schritt, umdenMüll in der Umwelt nicht zu erhöhen ist Aufklärung. Cleanup Saarland besucht hierfür Schulen und informiert Schüler und Lehrer zum Thema und bietet auch Seminare über die VHS und für Vereine an. Dadurch findet eine Sensibilisierung zum Thema Müll in unserer Umwelt statt. Neben der Aufklärung muss aber auch eine verstärkte Nachverfolgung von Umweltsünden mit einer Verhängung von hohen Busgeldern erfolgen. Letztendlich muss aber auch jeder seinen eigenen Konsum hinterfragen. Denn das beste Mittel gegen Müll ist ihn gar nicht erst zu verursachen! Seit wohl über 40 Jahren liegt diese Raiderverpackung schon imWald. Foto: CleanUp DieseMarken gibt es längst nicht mehr. Foto: CleanUp Seit Dezember letzten Jahres ist das Solarkataster des Biosphärenzweckverbandes online. Hier habenHausbesitzer aus demgesamten SaarpfalzKreis sowie der Gemeinde Kleinblittersdorf kostenfrei die Möglichkeit zu prüfen, ob ihr Dach für die Installation einer Solaranlage (Photovoltaik oder Solarthermie) geeignet ist. Bereits mehr als 1400 Personen haben die benutzerfreundlichen Funktionen des Wirtschaftlichkeitsrechners für sich genutzt. Eine davon ist Gertrud Schunack, DiplomSportlehrerin und Physiotherapeutinmit Praxis imHaus aus demMandelbachtal. Im Interview erzählt sie von ihrer Motivation und auch schon ein bisschen, wie die künftige Solaranlage auf ihremDach funktionieren soll. Welche Beweggründe hat Ihr Interesse an Solarenergie? Nutzen Sie bereits Ökostrom oder eine -heizung? Mein Interesse ist es, möglichst Energieautark und somit unabhängig von Stromanbietern zu werden, wobei oberstes Ziel für mich immer die Reduzierung des Verbrauches darstellt. Nun ist der passende Zeitpunkt eine PhotovoltaikAnlage in Angriff zu nehmen. Ob sich eine solche Anlage „rechnet“, ist für mich weniger interessant. Denn ich finde, weniger Abhängigkeit rechnet sich immer. Energieoptimierung war mir schon immer sehr wichtig. In diesem Haus wohne ich erst seit ca. zehn Jahren, und es wurde sofort eine Solaranlage zur Warmwasserbereitung installiert – darauf setze ich bereits seit 35 Jahren. Die relativ neue Gasheizung ist eine Niedertemperaturanlage. Wie sind Sie auf das Solarkataster aufmerksamgeworden? Ichweiß nichtmehr genau, wie ich auf das Solarkataster aufmerksam wurde, vielleicht durch ein Recherchetelefonat zur PVAnlage oder durch den Hinweis einer Kundin. Solarkataster in der

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