Die Biosphäre Bliesgau im Frühling 2026

14 Die Rundschau für das Biosphärenreservat Bliesgau März – Mai 2026 Der Biosphärenwald Ende September 2025 kürte der Deutsche Forstzertifizierungsrat (DFZR) auf seiner Herbsttagung im thüringischen Creuzburg die Stadt Blieskastel zur Waldhauptstadt 2026. Sie ist damit bundesweit die 12. Waldhauptstadt und die erste im Saarland. Die Auszeichnung „PEFC-Waldhauptstadt“ wird seit dem „Jahr der Wälder“ 2011 im Rahmen eines Wettbewerbs alljährlich durch den DFZR an Städte und Gemeinden verliehen, die sich für eine nachhaltige Waldwirtschaft engagieren. Die Auszeichnung als PEFC-Waldhauptstadt bietet den Kommunen die Möglichkeit, sich bundesweit als Vorreiter der nachhaltigen Forstwirtschaft zu positionieren: Hier wird Waldwirtschaft mit Ökologie, Ökonomie sowie sozialer und soziokultureller Verantwortung in Einklang gebracht. Sie fördert nicht nur das Umweltbewusstsein und die Verantwortung für den Lebensraum Wald in der Bevölkerung, und in der lokalen Wirtschaft, sie trägt auch zur regionalen Wertschöpfung bei. Darüber hinaus wird die Öffentlichkeit für die herausragende gesellschaftliche Bedeutung des Ökosystems Wald sensibilisiert. Der Stadtwald Blieskastel Der rund 2000 Hektar große Stadtwald ist saarlandweit einer der größten Kommunalwälder und erstreckt sich über weite Teile des Biosphärenreservates Bliesgau. Eine besondere Tradition hat die Produktion von Birken-Wertholz. Vor allem ab den 1950er Jahren stellte sich in vielen Bereichen des Stadtwaldes Blieskastel neben reicher Buchen- und Edellaubholz-Naturverjüngung auch die Birke ein. Diese wurden insbesondere durch den damaligen Forstamtsleiter Schwalb in konsequenter und zielgerichteter waldbaulicher Arbeit in der Phase ihrer größten Expansionsfähigkeit herausgepflegt. Als Resultat dieser Bemühungen findet man heute im Stadtwald über 1.000 großkronige Birken von bis zu 30 m Höhe und hohen Wertholzanteilen. Auch heute wird die Tradition der Birken-Wertholzwirtschaft im Stadtwald Blieskastel weitergeführt. Naturnaher Waldbau und PEFC-Zertifizierung Der Stadtwald Blieskastel wird auf Grundlage eines naturnahen Waldbaus bewirtschaftet und erfüllt „Wie Wasser rinnt die Zeit“ – dieser Satz aus dem gleichnamigen Buch des Forstmannes Erwin Gräber beschreibt treffend die berufliche Laufbahn von Dr. Helmut Wolf. Seit 40 Jahren ist der heutige Leiter des Umweltdezernates im Stadtwald Blieskastel tätig – eine Zeit voller Veränderungen, Herausforderungen und nachhaltigen Engagements. Anfang Dezember 1985 trat Wolf nach bestandener Laufbahnprüfung seinen Dienst im damaligen Forstamt Blieskastel an. Zunächst übernahm er als Krankheitsvertretung die Leitung des Blieskastel ist PEFC-Waldhauptstadt 2026 im Sinne einer multifunktionalen Forstwirtschaft zahlreiche Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen. Die gesamte Waldfläche ist PEFC-zertifiziert. Wie wichtig der Stadt Blieskastel diese Zertifizierung ist zeigt sich auch daran, dass die Kommune Gründungsmitglied der regionalen PEFC-Arbeitsgruppe Saarland und heute auch Sitz dieser Arbeitsgruppe ist. Naturnaher Waldbau ist nur eine von vielen Herausforderungen. Eine weitere wichtige Aufgabe ist es, dem Klimawandel mit all seinen Auswirkungen wie Starkregenereignisse, Trockenheit und daraus resultierenden Kalamitäten entgegenzuwirken. Die Stadt Blieskastel nimmt daher auch am Förderprogramm „Klimaangepasstes Waldmanagement“ teil. Bildung für Nachhaltige Entwicklung Der Wald ist nicht nur in seinen zahlreichen ökologischen, ökonomischen und sozialen Funktionen von zentraler Bedeutung, er ist in Blieskastel auch ein wichtiger außerschulischer Lernort im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). So wurde beispielsweise im Jahr 2000 der „Erlebniswald Schellental“ als außerschulischer Lernort ins Leben gerufen. und im Jahre 2015 in Blieskastel- Lautzkirchen der „Erlebnisweg Ökologischer Rucksack“ eröffnet. Hier können sich Lernende auf 12 Stationen mit den ökologischen Auswirkungen ihres Lebensstils spielerisch auseinandersetzen. Zahlreiche Bildungsveranstaltungen mit Kindergärten und Schulen sowie das jährlich stattfindende Biosphärenfest bieten weitere Möglichkeiten, Lernenden die herausragende Bedeutung des Ökosystems Wald näherzubringen. Der städtische Waldkindergarten rundet das vielfältige Bildungsangebot ab. Die Aktivitäten Im Rahmen „Waldhauptstadt 2026“ finden im Laufe dieses Jahres zahlreiche Aktivitäten statt. Diese reichen von Fachtagungen über Projekte mit Schulklassen bis hin zu Exkursionen und Baumpflanzungen. Die Schirmherrschaft übernimmt Ministerpräsidentin Anke Rehlinger. Ein Festakt mit der Übergabe des Staffelholzes findet im März im Rathaus Blieskastel statt. Wie Wasser rinnt die Zeit – 40 Jahre im Stadtwald Blieskastel Forstreviers Blieskastel-West mit rund 780 Hektar Waldfläche. Unterstützt wurde er von erfahrenen Forstwirten sowie vom damaligen Leiter des Nachbarreviers, Forstamtsrat Wolfgang Schiweck, der ihm fachlich zur Seite stand. Prägend für den Stadtwald waren die schweren Sturmschäden der Orkane „Vivian“ und „Wibke“ (1990) sowie „Lothar“ (1999). Große Schadholzmengen mussten aufgearbeitet, Kahlflächen wieder aufgeforstet werden. Hinzu kamen Borkenkäferkalamitäten, die den Forstbetrieb zusätzlich forderten. Nach dem Ruhestand von Wolfgang Schiweck übernahm Helmut Wolf die Gesamtleitung des rund 1.900 Hektar großen Stadtwaldes Blieskastel. Gleichzeitig erlebte der Forst zahlreiche Verwaltungsreformen – von der Auflösung der Forstämter bis zu mehrfachen organisatorischen Wechseln innerhalb der Stadtverwaltung. Heute ist der Stadtwald im Städtischen Forstamt des Umweltdezernates angesiedelt. Inzwischen betreut das Forstamt neben Blieskastel auch die Kommunalwälder von Gersheim, Homburg, Mandelbachtal und Kirkel sowie mehrere Privatwälder. Der Zuständigkeitsbereich umfasst fast 4.000 Hektar Waldfläche im Saarpfalz-Kreis. Nach dem Saarforst Landesbetrieb ist die Stadt Blieskastel damit die mit Abstand größte Kommunal- und Privatwald betreuende Organisation im Saarland. Ein zentrales Anliegen Wolfs war stets die Umweltbildung. Sein Engagement für waldpädagogische Arbeit führte zu einem Masterstudium „Umwelt und Bildung“ sowie zu einer Promotion im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung. Mit der Leitung des Umweltdezernates kamen weitere Aufgaben hinzu, darunter Biosphäre, Naturschutz, Jagd, Gewässer- und Feldwegeunterhaltung sowie der Wertstoffhof. Besonders am Herzen liegen ihm zudem die deutsch-französische Zusammenarbeit und die Städtepartnerschaft mit Le Creusot. Unterstützt wird er dabei von einem engagierten Team, darunter sein Stellvertreter Hannes Born. Eine besondere Anerkennung für diese Arbeit ist die Auszeichnung Blieskastels als PEFC-Waldhauptstadt 2026 durch den Deutschen Forstzertifizierungsrat – ein Titel, der auch vier Jahrzehnte engagierten Wirkens von Dr. Helmut Wolf würdigt. Helmut Wolf bei der Buchen-Naturverjüngung. Foto: privat Die Waldhauptstadt mit Hannes Born, Helmut Wolf, Peter Gaffert, PEFC-Vorsitzender Deutschland, und Bürgermeister Lämmerhirt (Stadt Creuzburg). Foto: PEFC

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