Die Biosphäre im Sommer

7 Die Rundschau für das Biosphärenreservat Bliesgau Juni – August 2022 Projekte in der Region Ziel ist es, qualifizierte Gästeführer zu gewinnen, die gleichermaßen Touristen wie Bewohnern unsere schöne Biosphäre professionell näherbringen. Als Botschafter tragen sie zumErhalt der Region, einer nachhaltigen Entwicklung und einem ausgewogenen Miteinander zwischen Menschen und Natur bei – jeder auf seinemSpezialgebiet. 89 Lehreinheiten und Spezifika des Bliesgaus Das BANU-zertifizierte Programm war dabei so facettenreich wie das Biosphärenreservat Bliesgau selbst und umfasste insgesamt 89 Lehreinheiten zu Geologie, Besiedlungsgeschichte, Wirtschaft, Land- und Forstwirtschaft, Klima, Naturschutzrecht, Industriekultur sowie Grundlagen der Kommunikation und Führungsdidaktik. Ergänzt wurde es um Spezifika des Bliesgaus. Zur Theorie kamen zahlreiche Exkursionstage in der gesamten Region. Als Lehrbeauftragte fungierten 25 Bliesgau-Experten wie zum Beispiel Tourismus-Profi Wolfgang Henn, der Archäologie und Kulturbeauftragte des Kreises, Dr. Andreas Stinsky und Geograph und Buchautor Dr. Dieter Dorda. Theorie und Praxis Die Exkursionen führten zu besonderen Orten der Biosphäre. So fand im April eine Schulung auf der Alten Schmelz in St. Ingbertmit Dr. SusanneNimmesgern Natur- und Landschaftsführer Das Biosphärenreservat Bliesgau hat 20 neue Natur- und Landschaftsführer (NLF) ZwischenMärz und Juni wurden sie in einer breit gefächerten Ausbildung in Kooperation zwischen demBiosphärenverein, demZweckverband und der Biosphären-VHS St. Ingbert geschult. Die neuen Natur- und LandschaftsführerInnen bei einer Exkursion imRahmen ihrer Ausbildung. Foto: Laura Henrich zumThema Industriekultur statt. Die Historikerin ist eine der Expertinnen und selbst bereits seit 2010 Natur- und Landschaftsführerin. Ein weiterer Ausflug führte imMai in dieMitte des Naturschutzgroßvorhabens Südlicher Bliesgau/Auf der Lohe nach Reinheim. Dort wusste Dr. Gerhard Mörsch, Geschäftsführer des Biosphärenzweckverbandes, nicht nur spannendende Details zu den so genannten Kalkhalbtrockenrasen zu berichten. Der Auftrag des Biosphärenreservates und auch der zukünftigen Natur- und Landschaftsführer sei es, das Gebiet zu bewahren und zu entwickeln, im idealen Fall zu nutzen – beispielsweise als Mäh- oder Streuobstwiese – und Mitstreiter zu finden. Unterstützung bekamer von Landwirt Alexander Welsch aus Rubenheim, der das teils ambivalente Verhältnis zwischen Landwirtschaft und (Vertrags-)Naturschutz aus eigener Erfahrung darlegte. 90 Zeitstunden und eine dreiteilige Prüfung Insgesamt nahezu 90 Zeitstunden umfasste die anspruchsvolle und tiefgreifende Ausbildung, an deren Ende eine dreiteilige Prüfung stand. Der erste Teil war die theoretische Prüfung, in der das Fachwissen abgefragt wurde, der zweite und dritte eineHausarbeit, in der die Teilnehmer selbst eine Führung mit all ihren Komponenten–Definition der Zielgruppe, Streckenführung, Kostenkalkulation, Öffentlichkeitsarbeit und vielemmehr – planen mussten. Außerdem eine praktische Prüfung, in der ein Teil der Hausarbeit den KollegInnen NLF und den Prüfenden als eine Art Probeführung vorgetragen wurde. NLF schlagen eine Brücke zwischen dem institutionellen Teil der Biosphäre und den Einheimischen sowie Touristen Die Gruppe der Lehrgangsteilnehmer war bunt gemischt, vom Ruheständler, der sich doch noch nicht so ganz zur Ruhe setzenwill, bis hin zu „normalen“ Berufstätigen sowie bereits aktiven Biosphärenakteuren. Für Tom Neu ausSaargemünd, gebürtigstammt er aus demBliesgau, ist es schlicht die Liebe zur Biosphäre und ihrer „wunderschönen Landschaft“, die er als zukünftiger Natur- und Landschaftsführer im Zeichen der deutsch-französischen Freundschaft vermitteln will. Bereits seit 2012 engagiert er sich im Verein Bliesgau Obst und hilft bei der Pflege der Streuobstwiesen. Unter den diesjährigen „Azubis“ fand sich auch Axel Kammerer, einer der Vorsitzenden des Biosphärenvereins und Finanzvorstand von Bliesgau Obst e.V. „Es ist wichtig, dass es Natur- und Landschaftsführer in der Biosphäre gibt, denn sie schlagen die Brücke zwischen dem institutionellen Teil der Biosphäre, wie dem Zweckverband, auf der einen Seite und den Einheimischen und Touristen auf der anderen Seite. Sie sind die Botschafter, die tagtäglich nicht nur bei Führungen, sondern auch im Umgang mit Familie, Freunden und Nachbarn den Biosphärengedanken weitertragen.“ so Axel Kammerer, der seine persönliche Motivation vor allem auch darin findet, Neues zu entdecken, denn man kann immer dazulernen. Bereits seit mehreren Jahren werden unsere schönen heimischen Wälder mehr und mehr Opfer des Klimawandels. Zunehmende Trockenheit sowiedas vermehrteAuftreten des Borkenkäfers hinterlassen deutliche Spuren und geben zunehmend Grund zur Sorge. Umso erfreulicher ist es daher, dass unsere Wälder immer öfter auch durch private sowie firmenbezogene Baumspenden eine breite Unterstützung erfahren. So spendete die Familie Berberich, die den EDEKA-Markt in Blieskastel-Lautzkirchen führt, trotz eines erst kurz zuvor erlittenen Brandschadens, die stattliche Zahl von 1.100 jungen Bäumen für denStadtwaldBlieskastel. Bürgermeister Bernd Hertzler lud daEDEKA-Markt Berberich Lautzkirchen spendet 1100 junge Bäume für den Stadtwald Blieskastel Das Ehepaar Berberich (ganz rechts) mit Vertretern der Stadtverwaltung und Schülerinnen und Schülern der Grundschule Kirchberg-Schlossberg. Foto: Anna-Lena Eschenbaum. her passend zum „Tag des Waldes 2022“ zu einer großen Baumpflanzaktion in den Stadtwald Blieskastel-Lautzkirchen. Neben der Familie Berberichund denMitarbeitern des Stadtwaldes wurde das Pflanzteam auch durch zahlreiche junge Helfer unterstützt. Die Schülerinnen und Schüler der Grundschule Kirchberg-Schlossberg aus Blieskastel-Lautzkirchen halfengemeinsammit ihrerLehrerinKarinRieke tatkräftig. So konnten am Ende des Tages rund 1.100 junge Bäume auf einer Sturmwurf- und Borkenkäferfläche gepflanzt und somit demWaldandieser Stelle zu neuem Leben verholfen werden. Hoffen wir nun auf ein regenreiches Frühjahr, damit die Setzlinge auch gut anwachsen können.

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