Die Biosphäre im Herbst

7 Die Rundschau für das Biosphärenreservat Bliesgau September – November 2022 Projekte in der Region Im Gespräch mit dem Gartenbau- und Förderlehrer und Natur- und Landschaftsführer, der Lehrerin, die auch als Imkerin und Streuobstpädagogin tätig ist, und der Erzieherin, die in Altheim eine Erlebnisschäferei betreibt, wurde schnell klar, dass für sie vor allem das ThemaRegionalität eine große Rolle spielt. DennkurzeWege führen zu Energieeinsparung. Regionale Produkte: SoLaWis und Bliesgau-Laden „Bioläden waren früher eher regional geprägt. Die Ketten von heute beziehen ihre Produkte aus aller Welt. Obst und Gemüse aus Ägypten und Guatemala, auch wenn es biologisch angebaut wurde, hat aber mit Umweltschutz nichts zu tun“, bemerkt Hannes Ballhorn, Seiner Meinung nach ist das Thema Regionalität genauso wichtig wie der biologische Anbau. „Wir haben viel Potential in der Region und sollten das auch nutzen“, so Ballhorn weiter. Ein Ansatz dazu sind Solidarische Landwirtschaften (SoLaWis). Derzeit gibt es in der Region drei SoLaWis, denen etwa 200 Familien angehören; alle haben zusätzlich eine Warteliste. Der Vorteil ist, dass das Risiko – ob Missernte oder Überschuss – bei allen Mitgliedern liegt, nicht nur bei den ErzeugerInnen selbst. Auch Hofläden leisten einen Beitrag zur Vermarktung regionaler Produkte, wie beispielsweise auf dem Kahlenberger Hof. Dort gibt es neben Produkten vom Hof selbst, wieMilch und Fleisch, auch solche anderer regionaler Anbieter. Allumfassend ist das Sortiment in den meist eher klein gehaltenen Selbstbedienungs- und Hofläden aber nicht. „Regionale und saisonale Produkte zu kaufen ist oft mühselig und zeitaufwändig; oft muss ich mehrere Hofläden und Biomärkte abklappern, bis ich alles habe. Ideal wäre ein Bliesgau-Laden als zentrale Stelle, in dem es alle regionalen Produkte gibt“, schlägt Diana Wiehn vor. Dass die Preise für regionale (Bio-)Produkte oft höher sind, ist allen bewusst – hier sind die VerbraucherInnen gefragt. Ein idealer Weg, höhere Preise zu umgehen, ist laut EvaMüller der Selbstversorgergarten. „Und wenn ich von irgendwas doch zu viel ernte, kann ich es einwecken“, so die Erzieherin. Auch beim Fleisch sieht sie keinen Grund, beispielsweise Lamm aus Neuseeland zu beziehen: „Lammfleisch gibt es bei uns zum gleichen Preis oder sogar günstiger.“ Alles vomTier nutzen Die Erlebnisschäferin selbst isst keinFleischmehr, kann aber dafür mit Kindern auf dem Land nicht auf das Auto verzichten. Vegetarisch/vegan zu leben ist ein Ansatz zum Klimaschutz, aber auch Flexitarier können ihren Beitrag leisten, indem sie nicht nur das Filet essen, sondern alles vomTier verwenden. So gibt es bereits Bauern, die ihre Tiere erst schlachten, wenn alle Fleischstücke reserviert sind. Wolle und Landschaftspflege Zu einem Tier gehört aber nicht nur das Fleisch. So ist beispielsweise Wolle ein wertvolles Abfallprodukt aus der Schafzucht. Durch ihre vielen positiven Eigenschaften ist sie vielfältig einsetzbar und lässt sich zu verschiedenen Produkten verarbeiten: Garn, Flies, Filz und Strickwaren, aber auch zu Pellets als Dünger im Garten. Als Nährboden und Flüssigkeitsspeicher eignet sich das Naturprodukt ideal für allerlei Beete und kann auch „einfach so“ – besonders das Unterfell – imGarten verwendetwerden. „MeinZiel ist es, einen Mehrwert für Wolle zu schaffen, beispielsweise unter einem gemeinsamen, saarlandweiten Label ‚Saarschaf‘, bei dem aus der ‚guten‘Wolle Flies hergestelltwerden soll und aus der ‚schlechten‘ Pellets“, erzählt EvaMüller. Ein weiterer Aspekt ist die Landschaftspflege durch Tiere wie Schafe und Ziegen. Während sie nach dem Mähen die Wiesen abgrasen, fördern sie durch die Samen in ihrem Fell die Artenvielfalt der Flora und schaffen somit Lebensraum und Nahrungsquelle für Bienen und andere Insekten. Projekt Weltenacker Vermitteln,wounsereLebensmittel herkommen, einen Bezug zum Essen schaffen, unabhängig werden – das sind drei der Ziele, die sich die Drei mit dem Großprojekt Weltacker gesteckt haben. Vorbild ist der Weltacker in Berlin, auch bekannt als 2000 m3. Denn das ist die Fläche, die jedemMenschen bei einer Weltbevölkerung von etwa 7,5MilliardenMenschen und 1,5Milliarden Hektar zur Verfügung steht. Das hört sich für Obst und Gemüse erst einmal viel an, reicht aber nicht für die Menge an Fleisch, Textilfasern und Biosprit, die in der westlichen Welt pro Kopf verbraucht wird, nicht aus. „Der Weltacker in Berlin ist eher ein Schauacker. Wir möchten aktive Teilnahme“, bekräftigt Eva Müller. Daher ist imProjektantrag auch schon „vom Korn zum Brot“ als übergeordnetes Thema, das von Schulklassen begleitet werden soll, für die erste Periode verankert. Foto: Axel Kammerer. Klimaschutz und Regionalität Auf demmalerischen Hof Sonnenbogen, einemkleinen, sozialpädagogischen Gärtnerhof zur Selbstversorgung inWolfersheimhaben wir uns mit Hannes Ballhorn, demLeiter der AG Landwirtschaft imBiosphärenverein Bliesgau, und seinen beiden Mitstreiterinnen DianaWiehn und EvaMüller getroffen, ummit ihnen über Klimaschutz imBiosphärenreservat zu sprechen. AG Landwirtschaft. Foto: Hannes Ballhorn Warum gibt es keine Papierkörbe imWald? Müll imWald ist ein Dauerthema. Eine oft genutzte Ausrede, warum Menschen ihre Hinterlassenschaften in der Natur belassen, ist, dass es ja im Wald keine Papierkörbe gebe. Dass dasnicht soganz stimmt, sehen wir an vielen Orten, wie beispielsweise demAussichtsturm in Ormesheim. Denn dort, wie an so vielen stark frequentierten Stellen, sind Papierkörbe installiert. Warum es aber im Wald generell keine bzw. nur sehr wenige Mülleimer gibt, und warum das auch so gewollt ist, weiß Tobias Schlicker. Der 29-jährige ist seit drei Jahren Förster im Gemeindewald Gersheim und Mandelbachtal: „Die Erholungssuchenden werden dazu ermutigt, ihren Müll mit nach Hause zu nehmen oder am besten erst gar keinenMüll zu produzieren. ImWald installierte Papierkörbe würden wahrscheinlich eher dazu einladen, noch mehr hier zu hinterlassen. Zum Glück ist die Erfahrung, dass zumindest in Mandelbachtal und Umgebung wenig Kleinabfälle hinterlassen werden. Problematisch sind größere illegale Ablagerungen mit Fahrzeugen am Waldrand. Gleichzeitig wäre die Kontrolle von Mülleimern ein relevanter Kosten- und Personalaufwand zu Zeiten, in denen Kommunen durch Schadholz und Wiederaufforstung wenig freie Arbeitskapazität haben. Dazukommt, dassWildtiere wie Füchse, Krähen oder zunehmend auchWaschbären den Abfall durchwühlen können.“ IMPRESSUM Herausgeber/verantwortlich für Anzeigen und Vertrieb: Andrea Klein, Auf‘mHahnacker 1, 66583 Spiesen-Elversberg, Tel. 06821 9728359, E-Mail: rundschau@t-online.de Redaktion: Andrea Klein (V. i. S. d. P.); Redaktionsleitung: Barbara Hartmann. Titelfoto: Radeln imBliesgau von Eike Dubois, Tourismus-Zentrale Saarland. Druckvorstufe: Siffrin.net CrossMedia UG, Mandelbachtal-Ommersheim. Druck undWeiterverarbeitung: johnen-druck GmbH, Bernkastel-Kues. Alle Rechte vorbehalten. ©09/2020. MIX Papier aus verantwortungsvollen Quellen FSC® C013024

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