Rundschau St. Ingbert

3 Natürlich aus St. Ingbert. Dem Tor zur Biosphärenregion. April 2021 Die Stadt St. Ingbert hat eine Stelle für ei- nen Mobilitätsmanager eingerichtet, die seit Februar 2021 der 30-jährige Dennis Becker ausfüllt. Herr Becker bezeichnet sich selbst als „Saarpfälzer“: Aufgewachsen in Homburg, schloss er an der TU Kaiserslautern seinen Master of Science in „Stadtplanung und Regional- entwicklung“ ab und arbeitete dann 6 Jahre beim Saarpfalz-Kreis in verschiede- nen Projekten zum Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz sowie Tourismus. Heute wohnt er mit seiner Ehefrau in Kirkel und kommt – sofern das Wetter und der Ta- gesablauf es zulassen – mit seinem neu- en Sportrad zur Arbeit in das St. Ingberter Rathaus. Seine Aufgabe ist es, sowohl in- tern als auch gegenüber der Öffentlich- keit, die Schnittstelle zwischen Mobilität und Stadtplanung zu bilden. Mobilität heißt Miteinander Oberbürgermeister Dr. Ulli Meyer setzt mit der Besetzung dieser Stelle, die derzeit noch als Elternzeitvertretung gilt, aber zur Verstetigung beim Land beantragt ist, Er- kenntnisse um, die er ganz zu Anfang sei- ner Amtszeit gewonnen hat. „Schon nach einem Monat im Amt wurde mir klar, dass das Thema Radverkehr in St. Ingbert nicht sehr ausgeprägt ist und nicht wirklich rund läuft. Außerdem hat sich durch die Coro- na-Pandemie das Mobilitätsverhalten der Bürger verändert. Immer mehr Leute stei- gen auch im Alltagsverkehr auf Fahrrad oder E-Bike um. Darauf muss die Stadt re- agieren“, erklärt der OB. Wichtig ist ihm dabei: Miteinander anstelle Gegeneinan- der. „Jeder soll die Form der Mobilität le- ben können, der er bevorzugt.“ Dabei sol- len möglichst viele Eingaben von Inter- essenverbänden wie ADFC und VCD und engagierten Bürger, wie Vertreter der Ini- tiative „Stadt für alle“ berücksichtigt wer- den. DENNIS BECKER IST NEUER MOBILITÄTSMANAGER UND FAHRRADBEAUFTRAGTER DER STADT ST. INGBERT Grundzüge eines Mobilitätskonzepts für St. Ingbert Schon vor einigen Jahren wurde für St. Ingbert ein Mobilitätskonzept als Posi- tionspapier vorgelegt, in dem viele gu- te Vorschläge zusammenkamen, die laut dem OB viel zu wenig umgesetzt wurden. So stehen heute unter anderen diese wich- tigenAspekte weit oben auf der Prioritäts- liste: 1. Der Durchgangsverkehr soll aus der Poststraße weggeleitet werden und über die Kohlen- oder Wollbachstraße führen. So kann die Poststraße zu einer echten Wohnstraße werden und den lebendigen Innenstadtbereich und die Fußgängerzone erweitern. 2. Die großen Achsen Homburg – Saar- brücken und Nord – Süd sollten ausge- baut werden, um den Radpendlerver- kehr zu unterstützen. 3. Vorhandene Lücken (wie zum Beispiel in der Oststraße) sollen geschlossen werden. Dabei gilt es vor allem, bei Bauvorhaben bereits in der Planungs- phase an die Radfahrer zu denken. 4. Die Ampelschaltung in St. Ingbert soll überprüft und optimiert werden, damit vor allem ältere, behinderte oder an- derweitig eingeschränkte Mitbürger die Straße sicher überqueren können. Orts- begehungen mit Senioren- und Behin- dertenbeauftragten sind bereits geplant. 5. Die Anbindung der Stadtteile an die In- nenstadt müsste optimiert werden. So gilt es zum Beispiel, in Rohrbach für eine Radwegumgehung der Kaiserstra- ße über verkehrsberuhigte Nebenstra- ßen zu sorgen. Allerdings ist die Ent- scheidungskompetenz bei einigen Ver- bindungsstraßen, wie zum Beispiel der Straße von Oberwürzbach nach St. Ing- bert, eingeschränkt, da der Landesbe- trieb für Straßenbau (LFS) für Landes- straßen verantwortlich ist. Konkrete Maßnahmen So liegen große Aufgaben vor Dennis Be- cker: „Mein Anspruch ist es, schnell greif- bare Aktionen umzusetzen. Hierzu könn- ten beispielsweise die Installation von Ab- stellanlagen an Schulen, Sport- und Spiel- stätten und in der Innenstadt, aber auch eine bessere Beschilderung der Fahrrad- wege in Rohrbach gehören“, plant der Mobilitätsmanager. Für die Abstellanla- gen sind bereits die entsprechenden För- dergelder beantragt. Zu den weiteren zeit- nah umzusetzenden Maßnahmen gehö- ren unter anderem: – Es sollen weitere Einbahnstraßen für den Radverkehr in Gegenrichtung ge- öffnet werden. – Die Straßenmarkierungen für den Rad- verkehr sollen optimiert werden (also z. B. vorgezogene Haltelinien, Einfädelun- gen, Radfahrfurten usw.). – Die Benutzungspflicht für Radwege soll, wo machbar, aufgehoben werden, damit z. B. schnell fahrende Pendler auf die Straße ausweichen können. – Diverse Schutzstreifen-Markierungen und Tempo-30-Zonen sind in der Pla- nung, so z. B. • an Wendling’s Eck, Neue Bahn- hofstraße. Prüfung der Anlage von Schutzstreifen für eine bessere An- bindung des St. Ingberter Bahnhofes • entlang der Südstraße und im Gru- benweg Schnittstelle zwischen Bürgern und Behörden Darüber hinaus möchte Dennis Becker möglichst viele Bausteine des Mobilitäts- konzeptes in die Projekte anderer Abtei- lungen und Institutionen der Stadt inte- grieren. „Wenn eine neue Buslinie ge- plant oder eine Baustelle organisiert wird, möchte ich mit den Abteilungen Verkehr und Straßen kooperieren, um sicherzustel- len, dass der Radverkehr bei allen Initia- tiven berücksichtigt wird“, erklärt Becker. Darüber hinaus ist er Ansprechpartner für Bürger und Interessenverbände zum The- ma Klimaschutz und Mobilität. Ziel ist es, St. Ingbert in der Liste der radfahrfreund- lichen Städte einen viel höheren Platz zu verschaffen. Jeder ist in St. Ingbert willkommen: Autofahrer und Radfahrer Doch Mobilität heißt nicht nur Radfah- ren. Jeder Mensch entwickelt seine eigene Form der Mobilität. Der Pendler benötigt andere Radwege als der Freizeitradfahrer und als Kinder und Jugendliche.Aber auch auf die Kaufkraft der Autofahrer kann eine florierende Innenstadt nicht verzichten. „In St. Ingbert sollen alle gleichermaßen willkommen sein: Autofahrer und Rad- fahrer“, erklärt Dr. Ulli Meyer. „Das ist für uns eine Wanderung auf einem schmalen Grat.“ Aber mit dem neuen Mobilitäts- manager Dennis Becker hat sich die Stadt einen gutenWanderführer ausgesucht! Dennis Becker, der neue Mobilitätsmanager im Rathaus. Bild: Giusi Faragone

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