Rundschau St. Ingbert

vor“, bemängelt Boris Nicolai. So müsste beim Neubau eines Mehrfamilienhauses ab einer bestimmten Wohnungszahl min- destens eineWohnung barrierefrei gestal- tet werden. Ein besonderes Anliegen des erfolgreichen Para-Boccia-Spielers wäre es daher, die Bauordnung zu ändern. Doch da der Weg dahin noch weit ist, greift er nach schnelleren Zielen: „Ich möchte, dass Leute mit Behinderungen, aber auch ältere Menschen und Familien (z. B. mit Kinderwagen) in unseren Alltag integriert werden und ihre Anforderungen bei allen Baumaßnahmen berücksichtigt werden.“ Allen Menschen eine Stimme geben „Wir müssen die Perspektive und Erfah- rungen von Boris Nicolai und Jasmin Ne- ger bei allen Bauprojekten bereits in der Planungsphase nutzen“, erklärt Oberbür- germeister Dr. Ulli Meyer. Die beiden kom- petenten und sympathischen Menschen werden in allenAusschüssen, bei denen es um das Thema Bauen geht, und im Stadt- rat vertreten sein und auch bei Vorlagen frühzeitig an der Diskussion beteiligt wer- den. „So bekommen Menschen mit Behin- derungen in St. Ingbert eine Stimme.“ Mit engagiertem Kampf zum Ziel Eine Stimme, die auch sicher Gehör finden wird. Denn beide Behindertenbeauftragte, die ihr Ehrenamt mindestens bis zum Ende der Amtszeit des Stadtrates ausüben wer- den, sind Kämpfernaturen: Jasmin Neger und ihrem Mann ist es nach zehn Jahren des Suchens gelungen, ein Grundstück in St. Ingbert zu finden und ein barrierefreies Haus zu bauen. Boris Nicolai freut sich als Sportler auf seine Teilnahme bei den Para- lympics in Tokio – als erster Deutscher in der hoch professionellen Disziplin des Pa- ra-Boccia. Wir drücken – im Namen aller St. Ingberter – die Daumen! Ein selbstbestimmtes und unabhängiges Leben führen – das gehört neben Gesund- heit und sozialen Beziehungen zu den wichtigsten Zielen eines jeden Menschen. „Für Menschen mit Behinderung ist das nicht selbstverständlich. Schon bei der Wahl einer Wohnung oder dem Bau eines Hauses können Probleme auftreten, die nur schwer zu meistern sind“, weiß Jasmin Neger aus eigener Erfahrung. Damit vor allem bei städtischen Bauprojekten und der Bebauungsplanung Herausforderun- gen für behinderte Menschen schon früh berücksichtigt werden, wurden Jasmin Neger und Boris Nicolai als Behinderten- beauftragte der Stadt St. Ingbert gewählt. Mehr barrierefreieWohnungen im Saarland „Die saarländische Bauordnung schreibt – im Unterschied zu Bauordnungen ande- rer Bundesländer – keine Barrierefreiheit Jasmin Neger und Boris Nicolai, die beiden Behindertenbeauftragten der Stadt St. Ingbert. Foto: Giusi Faragone FÜR EIN BARRIEREFREIES ST. INGBERT DIE NEUEN BEHINDERTENBEAUFTRAGTEN DER STADT ST. INGBERT: JASMIN NEGER UND BORIS NICOLAI

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