Rundschau St. Ingbert

DIE RUNDSCHAU –September 2022 8 Frühwarnsystem soll vor Überschwemmungen schützen Starkregenereignisse können katastrophale Folgen haben. Auch das Saarland blieb in den vergangenen Jahren von zerstörerischen Wassermassen nicht verschont. So treten zum Beispiel im Bereich des Rohrbachs immer wieder Überflutungen auf, die bereits erhebliche Schäden verursacht haben. Um auf die Folgen von Unwettern bestmöglich vorbereitet zu sein, haben die Landeshauptstadt Saarbrücken und die Stadt St. Ingbert entschieden, ein Starkregen-Frühwarnsystem für den Rohrbach zu installieren. Für das Pilotprojekt hat Umweltministerin Petra Berg nun einen Zuwendungsbescheid in Höhe von gut 20.000 Euro an die Oberbürgermeister von Saarbrücken und St. Ingbert, Uwe Conradt und Dr.Ulli Meyer, übergeben.Das kommunale Frühwarnsystem misst in Echtzeit die tatsächlichen Niederschläge für jedes Einzugsgebiet, erfasst Pegelstände im Rohrbach und errechnet in Sekundenschnelle, ob eine Gefahr droht. Ist ein Unwetter vorausgesagt, informiert und alarmiert das System in vier Stufen per E-Mail und SMS HOCHWASSER: ST. INGBERT ARBEITET PRÄVENTIV und im Ernstfall mit persönlichem Telefonanruf Rettungskräfte, Verwaltung und alle angemeldeten Bürgerinnen und Bürger. „Die durch die früheWarnung gewonnene Zeit können Betroffene für Schutzvorkehrungen nutzen, um Schäden zu vermeiden und im Extremfall Leben zu retten“, sagt Umweltministerin Petra Berg. Um die nötigen Daten zu liefern, ist die Installation einer Echtzeit-Niederschlagsmessstation und insgesamt sechs Pegelmessstationen entlang des Rohrbachs nötig. Ein Cloudservice übernimmt dann die Daten und wertet sie aus, um eine gebietsbezogene, Niederschlags- und/oder Abflusssituation zu ermitteln und dadurch eine frühzeitige, realistische Alarmierung zu ermöglichen. Hochwasserpegel-Messgeräte zum Schutz von St. Ingbert bei Starkregen Zusätzlich werden an drei Punkten in St. Ingbert Hochwasserpegel-Sensoren installiert, deren Daten in Echtzeit an eine App auf das Handy übertragen werden: In der Ludwigstraße an der Öffnung des Rohrbachs, auf dem WVD-Gelände, wo der Wollbach in den Rohrbach fließt, und an der Alten Schmelz, der letzten „Station“ in Richtung Saarbrücken. „Nun können wir sofort erkennen, wenn sich an einer dieser Stellen der Pegel hebt und ohne Verzögerung Maßnahmen ergreifen“, erklärt Gerd Lang, Stabsstellenleiter Gewässer- und Hochwasserschutz. Maßnahmen, das heißt: Barrieren z. B. durch Müll entfernen, um den Wasserabfluss wiederherzustellen. Und bei Starkregen, bei dem die Pegelstände sehr schnell steigen, wird sofort die Feuerwehr alarmiert. Langfristig und bei Erfolg des Pilotprojekts sollten sogar betroffene Bewohner auf der App erkennen, wann sie sich in Sicherheit bringenmüssen. Starkregen soll zukünftig zu keinen großen Schäden mehr führen können. Foto: G. Faragone Durch die Talaue in Rentrisch fließt der Rohrbach. Der etwa 18 km lange Fluss entspringt im nördlichen Teil des Kahlenbergs in St. Ingbert, fließt durch den Stadtteil Rohrbach, zieht sich durch die St. Ingberter Senke durch Rentrisch, Scheidt, Schafbrücke und mündet bei St. Arnual in die Saar. Auf seinemWeg nimmt er das Wasser aus unterschiedlichen Bächen der Region auf. In Rentrisch verläuft er neben der Bahntrasse am Waldrand entlang. Hier wurde er lange Zeit durch Betonschalen am rechten und linken Ufer gelenkt, so dass das Wasser vor allem bei Starkregen in sehr hohem Tempo durchfloss. Da es nicht in der Aue versickern konnte, war Hochwasser in Rentrisch bei starken Regenfällen die Regel. Aus diesem Grund startete Gerd Lang, Stabsstellenleiter Gewässer- und Hochwasserschutz, im Jahr 2009 mit der Unterstützung der Stadtwerke als Grundstückseigentümer und einer Förderung des Umweltministeriums ein Pilotprojekt, das im ganzen Saarland zum Vorbild wurde. Auf einer „Teststrecke“ von etwa 70 Metern wurde die Betonverschalung entfernt. Nur unter der Brücke wurde die Verschalung noch zum Schutz der Brückenpfeiler bei Hochwasser belassen. In den renaturierten Bach wurden Naturschotter eingebracht und Störsteine verlegt, die den Wasserlauf lenken und ein Ausscheren verhindern. Im Uferbereich wurden für diese Art Gewässer heimische Bäume und Büsche gepflanzt. „Die Kosten für diese Maßnahme waren relativ gering, ein Eingriff in die Natur erfolgte nur während der Bauphase“, erzählt Lang. Das Ergebnis ist beeindruckend. Kleine Aktion – großeWirkung Nach nunmehr fast 15 Jahren hat die Natur an dieser Stelle den Rohrbach zurückerobert. Der naturnahe Bach fließt nun un- „ZURÜCK ZUR NATUR“ FÜR DEN ROHRBACH IN RENTRISCH gehindert durch das Tal. Selbst bei Starkregen kann das Wasser in der Aue zurückgehalten werden. „Wir haben auch bei Starkregen deutlich weniger Hochwasser in Rentrisch“, bestätigt Bürgermeisterin Nadine Backes.Aber nicht nur derWasserlauf hat von der Renaturierung profitiert. Dank der mittlerweile üppigen Baum- und Buschbestände ist die gesamte Talaue zu einem idyllischen Naherholungsgebiet geworden. Der angrenzendeWasserlehrpfad und die Fitnessgeräte, die 2021 in Rentrisch installiert wurden, sowie der nahe gelegene schattige Spielplatz laden Jung und Alt zum Verweilen ein. Auch Fauna und Flora haben sich prächtig entwickelt: „Wir sehen hier jetzt Pflanzen, die es vorher nicht gab“, freut sich der Rentrischer Ortsvorsteher Dieter Schörkl. Ähnliche Renaturierungsmaßnahmen wurden in St. Ingbert ebenfalls am Rischbach, amGehnbach und im Bereich des Drahtwerks Nord vorgenommen.Auch hier kann dasWasser nun besser im ufernahen Boden zurückgehalten werden.

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